Wie geht digitaler News-Journalismus, @martinhoffmann?

Wie lernt man etwas, das sich so schnell verändert, wie Journalismus im Netz? Indem man es ausprobiert. Und indem man mit Leuten spricht, die an der Veränderung mitarbeiten. Beides macht der jüngste Jahrgang der Kölner Journalistenschule in der Seminarreihe Digitaler Journalismus. Zu jeder Sitzung führen Journalistenschüler*innen ein Interview und präsentieren die Ergebnisse im Rahmen eines Vortrags – und hier im Blog. Für den ersten Teil der zweiten Staffel haben Lisa Marie Münster, Charlotte Pekel und Eser Aktay mit Martin Hoffmann gesprochen.

Netflix, Instagram oder Spotify-Podcast – wo findet Qualitätsjournalismus online zwischen all diesen Angeboten noch Platz? JournalistInnen müssen Themen heute anders erzählen als früher und dabei NutzerInnen aktiv einbinden.

Martin Hoffmann, Diplom-Online-Journalist, erklärt, welche Formate online funktionieren und wie JournalistInnen ihre NutzerInnen erreichen können. Er ist Manager im Bereich Business Development für die Ströer Content Group in Berlin und entwickelt neue journalistische Produkte für T-Online.

Hier sind seine Antworten in kleinen Videoclips. Aber zuerst einmal stellt er sich kurz vor:

Online-LeserInnen vs. Offline-LeserInnen

Das Internet verändert Gewohnheiten. Wer vor dem Fernseher sitzt, schaut beispielsweise ab und an auf sein Smartphone oder Tablet. 2014 hat der dänische Wissenschaftler Jakob Nielsen herausgefunden, dass UserInnen Internetseiten anders lesen als die Seiten eines Buches oder einer Zeitschrift. Aber was genau unterscheidet Online- von Offline-LeserInnen? Gibt es zentrale Merkmale? Das sagt Martin Hoffmann:

Welche Erzählform passt zu welchem Inhalt?

JournalistInnen haben online mehr Möglichkeiten ein Thema aufzubereiten. Ein Video, eine Bildergalerie oder ein interaktives Quiz veranschaulichen UserInnen manche Themen besser als nur reiner Text mit Bild. Aber nicht jedes Mal passt ein Quiz oder eine Bildergalerie. Deshalb fragen sich JournalistInnen oft, welche digitale Erzählform zu welchem Inhalt passt. Martin Hoffmann hat diese Frage anhand von drei Beispielen beantwortet. Das erste behandelt ein lokales Thema wie die städtische Baustelle, das zweite eine aktuelle Krisen-Nachricht wie den Terroranschlag und das dritte ein aufwändiges und emotionales Thema wie eine Herztransplantation.

Beispiel 1: Eine städtische Baustelle

Beispiel 2: Ein Terroranschlag

Beispiel 3: Eine Herztransplantation bei einem Kind

NutzerInnen im Alltag erreichen

Wie die aufgeführten Beispiele gezeigt haben, lässt sich ein Thema online auf vielfältige Weise erzählen. So ergeben sich andere Blickwinkel und neue Themenaspekte.

Martin Hoffmann achtet dabei auf die Situationen und Gewohnheiten der NutzerInnen. Ob jemand im Zug Zeitung liest oder auf dem Fahrrad einen Podcast hört, macht einen Unterschied. Eines müssen Online-Medien schaffen: NutzerInnen in ihrem Alltag abholen.

Neben den Gewohnheiten, spielt auch die Internetnutzung eine Rolle. Stichwort: Social Media. Auch hier sollten Medienhäuser ihre Inhalte verbreiten und den Kontakt mit ihren NutzerInnen pflegen. Statt wahllos alle Kanäle zu bespielen, sollten sie die Plattform nutzen, auf denen sich ihre UserInnen befinden, sagt Martin Hoffmann.

Ein weiteres wichtiges Werkzeug zur Kontaktpflege mit NutzerInnen sind Newsletter. Vor einigen Jahren haftete ihnen noch ein staubiges Image an. Wie die Tabelle unten zeigt, geht das Angebot weit über den täglichen Nachrichtenüberblick hinaus. Es bedient Nischenthemen, Meinungsstücke und ist an bekannte Autoren geknüpft.

Quelle: Eigene Recherche.

Martin Hoffmann erklärt, welche Vorteile der Newsletter für die Interaktion mit LeserInnen mit sich bringt.


Künftige Trends im digitalen Journalismus

Was heute der Newsletter ist, könnte morgen Augmented Reality sein: Auch für den Online-Journalismus werden neue Technologien immer wichtiger.

Martin Hoffmann sieht die Zukunft des digitalen Journalismus vor allem in drei Bereichen: Augmented Reality, Community Building und Artificial Intelligence. Die Technologien auf den drei Gebieten ermöglichen einen neuen Zugang zu Themen und fördern die Interaktion mit NutzerInnen.

Augmented Reality: Unter Augmented Reality ist die Wahrnehmung der (um virtuelle Elemente) erweiterten realen Welt zu verstehen. Der zukünftige Journalismus liefert mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln wie Google Glasses NutzerInnen in realen Situationen kontextbezogene Informationen. Dadurch können JournalistInnen die Umgebung der NutzerInnen in ihre Beiträge einbinden.

Community Building: Virtuelle Communities sind interaktive Gemeinschaften von Personen und Organisationen im Cyberspace. Beim Community Building setzen Medien bestimmte Instrumente ein (zum Beispiel Kommentarspalten oder Diskussionsplattformen), um NutzerInnen an sie zu binden.

Artificial Intelligence oder Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem maschinellen Lernen befasst. Martin Hoffmann ist sich sicher, dass Journalisten durch KI nicht ersetzbar sind. Sie kann jedoch dabei helfen, neue Themen zu identifizieren oder Themen aus anderen Perspektiven zu bearbeiten.

Medienhäuser sollten mehr Mut haben, neue Formate auszuprobieren. Und sich nicht scheuen, mit neuen Technologien zu experimentieren. Am Ende ist entscheidend, wie das Feedback der NutzerInnen ausfällt. Sie bestimmen, was funktioniert und was nicht.