Was ist der Journalismus der Dinge, @FrauCsu?

Wie lernt man etwas, das sich so schnell verändert, wie Journalismus im Netz? Indem man es ausprobiert. Und indem man mit Leuten spricht, die an der Veränderung mitarbeiten. Beides macht der jüngste Jahrgang der Kölner Journalistenschule in der Seminarreihe Digitaler Journalismus. Zu jeder Sitzung führen Journalistenschüler*innen ein Interview und präsentieren die Ergebnisse im Rahmen eines Vortrags – und hier im Blog. Für diesen Teil der zweiten Staffel haben Maximilian Sachse und Jakob Schreiber mit Astrid Csuraji gesprochen.

Die Garage öffnet sich, sobald das Auto in die Einfahrt rollt, der Rasenmäher mäht automatisch die Gartenwiese und der Staubsauger rollt von alleine durch die Wohnung, um sauber zu machen. Wem das bekannt vorkommt, der oder die hat schon einmal Erfahrungen mit dem Internet der Dinge gemacht. Denn die smarten Geräte sind mit dem Internet verbunden und können so Informationen untereinander austauschen. Das kann auch für Journalist*innen interessant werden – schließlich sollen die Leser*innen und Hörer*innen da abgeholt werden, wo sie gerade sind: am Kühlschrank, an der Mülltonne oder im Auto.

Astrid Csuraji ist freie Journalistin und unterrichtet an der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie experimentiert schon länger mit journalistischen Darstellungsformen im Internet der Dinge. Den „Journalismus der Dinge“ hält sie für die Weiterentwicklung des Online-Journalismus.

Astrid Csuraji über die Chancen des „Journalsimus der Dinge“

Um den Journalismus der Dinge weiter zu entwickeln, hat Csuraji zusammen mit ihrem Kollegen Jakob Vicari ein Start-Up gegründet. Mit „tactile.news“ wollen Csuraji und Vicari journalistische Inhalte für Kinder auf Spielzeugfiguren bringen.


„Mit tactile.news entwickeln wir eine innovative Audio-Nachrichtenplattform für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren. Wir wollen journalistischen Inhalten den Weg zurück ins Kinderzimmer ebnen – mithilfe von vernetzten Spielfiguren. Denn digitaler Kinder-Content gehört auf Kindergeräte, finden wir. Wir wollen digitales Erzählen, ohne das Risiko des Abhörens oder Ausspionierens, ermöglichen.“

tactile.uber.space, Selbstbeschreibung auf der Homepage des Start-Ups

Das Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) förderte tactile.news. Mit den Fördergeldern entwickelte das Unternehmen unter anderem eine „text to speech“-Software, etwa um Audioinhalte auf die Figuren der Toniebox zu übertragen. Eine kurze Erklärung für Menschen ohne Kinder, Neffen und Nichten im Kindergartenalter: Die Toniebox ist ein Audiowürfel der Inhalte wie Musik und Hörspiele abspielen kann. Datenträger sind Spielzeugfiguren, die auf die Box gestellt werden und aus der Cloud die jeweiligen Inhalte abruft.

Astrid Csuraji über die Software „Space Muffin“

Von dieser Tech-Idee mussten sich Csuraji und Vicari allerdings wieder verabschieden. Die Gefahr, dass ein großer Player wie Google oder Amazon eine ähnliche Software entwickelt und den Markt dominiert, sei zu groß gewesen, so Csuraji. Stattdessen wolle man sich auf die Entwicklung von Darstellungsformen konzentrieren.

Die neue Start-Up-Strategie

Der Journalismus der Dinge ist aber nicht nur Zukunftsmusik, sondern findet bereits statt. Denn nicht nur die Art und Weise, wie Menschen Inhalte konsumieren kann durch das Internet der Dinge erweitert werden, auch bei der journalistischen Arbeit ergeben sich neue Möglichkeiten. So hat Jakob Vicari beispielsweise Bienen oder Kühe mit Sensoren ausgestattet, um die riesige gewonnene Datenmenge journalistisch zu verarbeiten. Wer interessiert ist, findet diesen Sensorjournalismus zum Beispiel auf https://superkuehe.wdr.de/ oder auf https://bienenlive.wdr.de/.

Für Csuraji ist der Journalismus der Dinge die Zukunft des digitalen Journalismus, zusammen mit der Nutzung von künstlicher Intelligenz,

Die Millionenfrage: Was wird das nächste große Ding im Journalismus?

Programme wie der dreamwriter des chinesischen Konzerns Tencent können bereits automatisiert Nachrichten verfassen, die von einem Artikel, den ein Journalist oder eine Journalistin geschrieben hat, kaum zu unterscheiden sind.


„…die Leser merken bei diesen Themen* offenbar keinen Unterschied, so zeigt eine Studie aus Oxford. Im Gegenteil, sie lieben die fundierten, vermeintlich supersoliden Berichte. So werden die „Natural Language Generationssysteme“ genannten Supersmartschreiber von der niederländischen Agentur ANP nun sogar dazu eingesetzt, Texte menschlicher Kollegen zu redigieren, um sie sachkundiger, verständlicher, sprich: besser zu machen.“
*Themen sind Sport, Finanzdaten, Vierteljahresberichte von Unternehmen

Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 29.3.2018, https://www.sueddeutsche.de/kultur/kuenstliche-intelligenz-robo-journalismus-1.3921660

So ganz werden die Journalist*innen ihre Jobberechtigung aber nicht verlieren, denn Fakten einordnen oder sprachlich kreativ sein kann die künstliche Intelligenz nicht.