Warum macht eine Zeitung jetzt auch Audio, @Julian_Troost?

Wie lernt man etwas, das sich so schnell verändert, wie Journalismus im Netz? Indem man es ausprobiert. Und indem man mit Leuten spricht, die an der Veränderung mitarbeiten. Beides macht der jüngste Jahrgang der Kölner Journalistenschule in der Seminarreihe Digitaler Journalismus. Zu jeder Sitzung führen Journalistenschüler*innen ein Interview und präsentieren die Ergebnisse im Rahmen eines Vortrags – und hier im Blog. Für den dritten Teil der zweiten Staffel haben Saskia Patermann, Tom Schmidtgen und Tim Spark mit Julian Troost gesprochen.

Fast jeder Dritte Deutsche hört laut einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts „Splendid Research“ mittlerweile Podcasts. Die Auswahl an Podcasts wächst, auch Verlage setzen zunehmend auf das akustische Medium. Eine Zeitung, die sehr früh dabei war, ist die Rheinische Post aus Düsseldorf. Seit Mitte 2016 produziert die Regionalzeitung den werktäglichen Podcast „Aufwacher“. Einer der Redakteure des Podcasts ist Julian Troost. Mit ihm haben wir über das Phänomen Podcast gesprochen und über die Frage, was sich eine Zeitung davon verspricht, Audioformate zu produzieren. Spoiler: unter anderem Geld.

Kleine Info: Wer lieber hört statt liest, kann an das Ende der Seite springen. Dort könnt ihr unsere Präsentation (in gekürzter Form) noch einmal nachhören.

Zuerst ein bisschen Geschichte…

Die ersten Podcasts entstanden 2004 in den USA. Ein Pionier ist Adam Curry mit dem Daily Source Code Podcast. Doch noch fehlte ein Weg, um Podcasts erfolgreich verbreiten zu können. Ein Jahr später entwickelte iTunes die Podcast App, die es für Hörerinnen und Hörer einfacher machte, Podcasts zu hören. Dadurch entstand erst der Name Podcast, zusammengesetzt aus iPod und Broadcast. Ebenfalls 2005 begann der Journalist Philip Banse mit seinem Küchenstud.io, das es bis heute gibt und unter anderem die Lage der Nation veröffentlicht. Den richtigen Durchbruch schaffte Serial, ein Podcast über echte Kriminalfälle, die nach dem Netflix-Prinzip in Staffeln veröffentlicht werden. In Deutschland schafften das Jan Böhmermann und Olli Schulz mit dem bis heute weltweit erfolgreichsten Podcast auf Spotify: Fest und Flauschig.

Quelle: Markenrebell.de, Eigene Darstellung

Doch nun zurück zu Julian Troost und der Rheinischen Post…

Julian Trosts Wecker klingelt oft um 5 Uhr morgens. Er muss oft um diese Uhrzeit aufstehen, denn er produziert den Aufwacher Podcast für die Rheinische Post. Julian Troost volontierte beim Radio Bochum, bevor er 2018 in das Audio Engagement Team der RP wechselte. Uns erklärte der Social-Media-Redakteur, wie die Zeitung aus Düsseldorf zum Podcast kam und warum sie damit so erfolgreich sind.

Das ist der Aufwacher:

  • Den Aufwacher gibt es seit drei Jahren (ein halbes Jahr länger als den Daily Podcast der New York Times. Darauf ist die Redaktion sehr stolz.)
  • In knapp zehn Minuten werden die wichtigsten Nachrichten des vergangenen Tages besprochen und ein Ausblick auf den kommenden Tag gegeben.
  • Fünf Redakteure kümmern sich um den Podcast, der wochentags erscheint. So soll jeder nicht mehr als zwei Folgen pro Woche aufnehmen.

Der scheidende Chefredakteur der Rheinischen Post, Michael Bröcker, hat selbst einen Podcast. Mit Daniel Fiene zusammen redet er in @Fiene und Herr Bröcker über die Themen der Woche, die beide bewegten. Wir fragten uns, ob der Chef selbst die Podcast-Produktion der RP ins Rollen gebracht hat?

Zeit Online, Süddeutsche und der Spiegel sind sehr erfolgreich mit ihren Podcasts. Die Regionalzeitung Rheinische Post produziert regelmäßig sechs Podcasts. Welche Ziele verfolgt sie mit diesem Audioangebot?

Und wie verdient die Zeitung damit Geld?

Podcasts kann man über verschiedene sogenannte Podcatcher oder Plattformen hören. Dazu zählen unter anderem Castbox, iTunes und auch Spotify. Julian Troost erzählte uns, dass es relativ einfach sei, seinen Podcasts auf die Plattform zu bekommen. Dafür muss hinter der Audiodatei ein RSS-Feed hinterlegt sein. Der sendet eine Art Push-Mitteilung an Spotify und der Anbieter zieht sich automatisch eine Kopie der Datei. Doch überraschend ist, wo der Aufwacher am meisten Hörerinnen und Hörer hat.

Die Hörerinnen und Hörer des Aufwachers, von @Fiene und Herr Bröcker, des Gut Leben Podcasts und des Borussia Mönchengladbach Podcasts Fohlenfutter aus dem Jahr 2018, Quelle: RP-online.de

Gerade Online-Redaktionen werden mit Hasskommentaren oder negativen Reaktionen überschüttet. Davon kann Julian Troost als Social Media Redakteur ein Lied singen. Doch beim Aufwacher sind die Reaktionen und Interaktionen durchaus positiv.

Und hier wie versprochen: Unsere Präsentation als Podcast.