All you can read – Schreiben fürs Netz: fast wie früher?

Skimmen, Scannen, Lesen: Verändert das Internet, wie wir schreiben, Frau @ghooffacker?

Wie lernt man etwas, das sich so schnell verändert, wie Journalismus im Netz? Indem man es ausprobiert. Und indem man mit Leuten spricht, die an der Veränderung mitarbeiten. Beides macht der jüngste Jahrgang der Kölner Journalistenschule in der Seminarreihe Digitaler Journalismus. Zu jeder Sitzung bereiten Journalistenschüler einen Vortrag vor, meistens verbunden mit einem Experten-Interview zum Thema. Und sie experimentieren selbst mit den Möglichkeiten, die der digitale Journalismus bereit hält – wenn sie die Ergebnisse ihrer Interviews hier im Blog präsentieren. Für den zweiten Teil haben Pascal Mühle und Jonas Schumann mit Gabriele Hooffacker über das Schreiben im Netz gesprochen.

Viele Journalistenschüler hat die Liebe zum Schreiben auf den Weg zum Journalismus gebracht. Beschäftigt man sich mit den Medien und dem Konsumverhalten der Leser, hört man aber häufig, dass Elemente wie interaktive Bilder, Videos, Grafiken etc. immer wichtiger werden. Es gibt eine viel diskutierte Studie von Microsoft, die sich mit der Aufmerksamkeitsspanne von Menschen beschäftigt. In einige Medien las man danach, Menschen hätten eine geringere Aufmerksamkeitsspanne als Goldfische.

Sollten wir also bald lieber über die Sozialpolitik in Aquarien schreiben? Unsere Zielgruppen einfach woanders suchen? Dieses Internet – das soll doch  gerade der heiße Scheiß sein. Wir gehen also auf die Suche nach Neuland und packen unseren Koffer mit…. Ja womit denn eigentlich? Wahrscheinlich mit einer Kamera, Videos kommen immer gut. Einem Mikrofon, dann können die Leute das auch unterwegs hören – Service ist das Stichwort. VR-Brillen, 360 Grad-Kameras, vielleicht noch ein paar lustigen Gifs, dann läuft das. Und natürlich Block und Stift nicht vergessen. Oder braucht man das heute überhaupt noch? Geht das noch, arbeiten wie früher? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Gabriele Hooffacker. Aber: das Schreiben verändert sich. Dazu haben wir sie interviewt.

Gabriele Hooffacker ist als Autorin des Buches „Online-Journalimus“ Expertin auf ihrem Gebiet. Zurzeit ist sie als Journalismus-Lehrerin an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig tätig. Zuvor gründete sie Ende der 90er-Jahre die Journalistenakademie in München.

Besuchen wir eine Nachrichtenseite, könnte man auf den ersten Blick folgendes ahnen: Nur noch „Häppchen“, weniger Text, mehr Bilder und Videos. Das ist auch ein Klischee, das den Online-Journalismus seit vielen Jahren begleitet. Doch der Eindruck trügt, so Hooffacker. Die Häppchen sind das Appetit anregende Mittel zum Zweck. Sie beschreibt das Prinzip von 🔈“skimmen, scannen, lesen“ (auf die grauen Felder klicken, um den O-Ton abzuspielen). Hier wird der Leser von kurzen Meldungen über Artikel bis hin zu ausführlichen Analysen und Reportagen geführt. Gelesen wird was schmeckt – ganz nach dem Motto: All you can read.

🔈Online sei längst Leitmedium, erklärt Hooffacker. Natürlich bedeute das auch eine Veränderung bei den Printmedien. Das Konsumverhalten der Nutzer von Onlinemedien schlage sich auch auf die Ansprüche an die gedruckten Medien zurück, so Hooffacker. 🔈Grafische Elemente, Bilder und Zwischenüberschriften seien mit der Zeit immer wichtiger geworden.

Es ginge dabei vor allem um die Leserführung. Ziel sei es dem Nutzer den Konsum der Zeitung so leicht wie möglich zu machen. Das bedeute auch, immer wieder sogenannte „Ankerpunkte“ in seine Artikel einzubauen, die den Wiedereinstieg erleichtern. Das können zum Beispiel Zwischenüberschriften oder Bilder sein. All das würde aber nicht bedeuten, dass keine langen Texte mehr konsumiert werden, sagt Hooffacker. Vielmehr müssten sich  die Menschen ihre Zeit anders einteilen als früher. Lange Texte würden oft nicht mehr an einem Stück konsumiert, sondern über den Tag verteilt gelesen. Darauf müsse der moderne Journalist Rücksicht nehmen, so Hooffacker.

Wenn man darüber nachdenkt, hat sich am Ende des Tages also gar nicht so viel für den Journalisten geändert. Alles ist nur etwas bunter und aufregender geworden. Hooffacker ist überzeugt, dass der Text immer zentraler Bestandteil von journalistischer Arbeit bliebe. Alles andere sind einfach nur mehr Möglichkeiten, Inhalte noch spannender und besser zu vermitteln.

Es geht also doch noch, das Schreiben fast wie früher. Block und Stift kommen in unseren Koffer!

Für weitere Informationen und Aussagen von Gabriele Hooffacker schaut euch die Prezi unten an. Viel Spaß dabei! 

PS: Falls ihr das Tool ausprobieren wollt, mit dem wir die Sound-Schnipsel in den Text verlinkt haben – hier entlang: https://soundcite.knightlab.com/

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