Das Tool visualisiert die Interaktionen zwischen den Usern und deren Tweets

Durchblick im Newsfeed: Wie können Journalisten von Twitter profitieren, @berndoswald?

Wie lernt man etwas, das sich so schnell verändert, wie Journalismus im Netz? Indem man es ausprobiert. Und indem man mit Leuten spricht, die an der Veränderung mitarbeiten. Beides macht der jüngste Jahrgang der Kölner Journalistenschule in der Seminarreihe Digitaler Journalismus. Zu jeder Sitzung bereiten Journalistenschüler einen Vortrag vor, meistens verbunden mit einem Experten-Interview zum Thema. Und sie experimentieren selbst mit den Möglichkeiten, die der digitale Journalismus bereit hält – wenn sie die Ergebnisse ihrer Interviews hier im Blog präsentieren. Im vierten Teil sprechen Maybrit Martschin und Sophie Scholl mit Bernd Oswald über Twitter.

Journalisten müssen immer auf dem Laufenden bleiben. Politiker, Experten, Zeugen, Betroffene, News, News, News. Das brauchen Journalisten, klar. Das alles gibt es bei Twitter, sagen sie uns auf der Journalistenschule. Und angeblich noch mehr: kontroverse Meinungen, schneller Dialog, ein Muss für Journalisten. Obwohl wir bisher auch ohne ganz gut zurecht gekommen sind, legen wir uns also auch ein Twitter-Profil zu. Erster Eindruck: Ganz schön unübersichtlich. Die Tweets rasen im Sekundentakt über die Timeline, Witze, Links, Bilder, Likes, Retweets, Diskussionen, Streit. Wie behält mit hier den Überblick? Und noch wichtiger: Wem sollen wir folgen?

Das ist auch unsere erste Frage an Bernd Oswald. Um einen Einstieg in die Welt von Twitter zu finden, haben wir ihn um ein paar Tipps gebeten. Er ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule und Experte für digitalen Journalismus. Per Twitter hat er uns ein Kurz-Interview gegeben. Unsere Erkenntnis daraus: Was zunächst unüberschaubar wirkt, wird mit den richtigen Tools und Tricks ganz einfach zu seinem persönlichen „Newsfeed“ – und ist wirklich sehr praktisch für Journalisten.

So geht’s los:

Für unseren Einstieg wollen wir gezielt vorgehen und versuchen, uns eine Timeline aufzubauen, durch die zum Thema Erneuerbare Energien auf dem Laufenden bleiben. Per Hashtags und Such-Funktion finden wir die ersten Accounts, die uns interessant erscheinen. Darunter sind:

  • Nachrichtenportale
  • Andere Journalisten und Blogger
  • Politiker
  • Unternehmenssprecher
  • Wirtschaftsleute
  • Meinungsmacher
  • Weil wir es gerne ordentlich haben, beginnen wir direkt, Listen anzulegen, um Accounts etwa nach bestimmten Themen zu sortieren. Dafür muss man den Nutzern nicht zwingend folgen. Der Vorteil ist, dass deren Tweets somit nur in der Liste, nicht aber in der gesamten Timeline angezeigt werden.

    Listen sind einfach erstellt und bieten einen guten Überblick
    Listen sind einfach erstellt und bieten einen guten Überblick

    Wer anderen Usern eine Freude machen will, kann seine Listen auch veröffentlichen – so können sie von anderen abonniert werden. Und wer noch mehr Durchblick will, braucht …  

    Der Twitter-eigene Client Tweetdeck ist schnell eingerichtet. In mehreren Spalten ist der gesamte Twitter-Account auf einen Blick zu sehen: Newsfeed, Benachrichtigungen, Aktivitäten und Nachrichten. Die Spalten sind individuell konfigurierbar.

    Alles auf einen Blick: Das Tweetdeck

     

    Twitter noch effektiver nutzen: Tools

    Um Twitter effektiv nutzen zu können, kann auch ein Blick auf seine eigenen Aktivitäten aufschlussreich sein. Dazu gibt es viele nützliche Tools, die das Twitterverhalten analysieren. Ansatzpunkte zur Analyse können die Follower, die Resonanz oder die Reichweite der eigenen Tweets sein. Die folgenden Tools bieten dabei einen interessanten Blick auf den eigenen Twitteraccount:

    Twitonomy wertet die Aktivitäten des Twitter-Users aus. Anhand von Listen und Diagrammen werden die beliebtesten Hashtags und User sowie die Twitteraktivität nach Anzahl der Hashtags, Tweets oder Erwähnungen dargestellt.

    Das Twitterverhalten dargestellt in Statistiken
    Das Twitterverhalten dargestellt in Statistiken

    Mentionmapp zeigt die Interaktion des eigenen Twitteraccounts mit anderen Usern und Tweets an. Auf einer Karte wird angezeigt, wie die eigenen Follower mit meinen Tweets interagieren und auch mit denen meiner Influencer.

    Das Tool visualisiert die Interaktionen zwischen den Usern und deren Tweets
    Das Tool visualisiert die Interaktionen zwischen den Usern und deren Tweets

     

    Das gewisse Etwas: „Recherche plus“

    Twitter informiert zusätzlich zu bereits bekannten Informationen. Doch bei der ganzen Euphorie über die „Extraportion“ Recherche, die man dank Twitter-News neben den klassischen Nachrichtenquellen bekommt, ist die Gefahr davor, falsch informiert zu werden, dennoch groß. Bernd Oswald rät zum Schutz vor „Fake News“ und Spam daher:

    Das Fazit

    Twitter wird mithilfe von Listen und Tools zum persönlichen Newsfeed. Informationen können  geordnet und strukturiert werden. Was zunächst chaotisch wirkt, kann sich am Ende als wertvolle Information herausstellen. Mit den richtigen Usern in der Timeline und aktiven Followern kann Twitter die Recherche vereinfachen und vorantreiben – Dialoge entstehen auf Twitter sehr schnell. Twitter kann also durchaus als individueller und „nischiger“ Newsfeed genutzt werden, wenn man sich bemüht die Timeline auch mal aufzuräumen.