meike richter

„Die Mehrheit ist interessiert an Inhalten“ – Wie betreut man eine Community, @immateriell?

Wie lernt man etwas, das sich so schnell verändert, wie Journalismus im Netz? Indem man es ausprobiert. Und indem man mit Leuten spricht, die an der Veränderung mitarbeiten. Beides macht der jüngste Jahrgang der Kölner Journalistenschule in der Seminarreihe Digitaler Journalismus. Zu jeder Sitzung bereiten Journalistenschüler einen Vortrag vor, meistens verbunden mit einem Experten-Interview zum Thema. Und sie experimentieren selbst mit den Möglichkeiten, die der digitale Journalismus bereit hält – wenn sie die Ergebnisse ihrer Interviews hier im Blog präsentieren. Im fünften Teil sprechen Barbara Friedrichs und Ronja Tillmann mit Meike Richter über Community-Management.

Kommentarspalten? Da wird doch nur Müll und Hass abgeladen. Oder etwa nicht? Tatsächlich geht es in der Debatte über Kommentare auf Nachrichtenseiten oder in sozialen Netzwerken derzeit vor allem um die Frage, wie Redaktionen mit Hasskommentaren umgehen sollten. Es gab jedoch mal die Hoffnung, Kommentare seien wertvolle Interaktion mit den Usern, brächten Mehrwert für Journalisten und regten konstruktive Diskussionen an.

Besteht diese Hoffnung noch? „Der Job der Community-Redakteurinnen und -Redakteure ist es, die sachlich Interessierten in der Community zu schützen“, sagt Meike Richter. Sie ist freie Beraterin und Trainerin für Social Media, Medienwandel und Journalismus. Außerdem arbeitet sie als Social-Media-Beraterin beim NDR und ist Mitglied des Social-Teams bei NDR Online. Um einen Überblick zu bekommen, was eigentlich die Aufgaben einer Social-Media-Redaktion sind, welche Strategien es gegen Hasskommentare gibt und welche Redaktionen das besonders gut machen, haben wir mit ihr telefoniert und ihr ein paar Fragen gestellt. Ihre Antworten auf unsere Fragen sind hier als Audio-Dateien eingebettet, einige Antworten haben wir um Links, Informationen und Studien ergänzt:

  1. Wie sieht die Arbeit einer Social-Media-Arbeit-Redaktion aus? Wie ist eine Social-Media-Redaktion aufgebaut?
  1. Warum wird in Redaktionen Social-Media-Arbeit nicht ernst genommen?
  1. Welchen beruflichen Hintergrund haben Social-Media-Redakteure? Welchen Hintergrund sollten sie im besten Fall haben?
  1. Wer schreibt Kommentare? Welche Personengruppen? Bei welchen Themen bilden sich Gruppen?

Mehrwert von Kommentaren:

  1. Sind unsachliche Kommentare ein Problem für die Arbeit von Social-Media-Redakteuren? Welchen Rat haben Sie für die Moderation der Community? Was halten Sie davon ironisch zu antworten?
  1. Welche Auswirkungen haben ironische Antworten auf Nutzerkommentare?

Wie mit Hasskommentaren umgehen?

  • Kommunikationswissenschaftler Marc Ziegele und Pablo B. Jost von der Universität Mainz haben die Effekte eines sachlichen und eines sarkastischen Umgangs von Journalisten mit unsachlichen Nutzerkommentaren untersucht.
  • Bisherige Forschung rät Medienhäusern, auf unsachliche Nutzerkommentare auf Nachrichtenseiten mit Moderation zu reagieren: Mitarbeiter sollen sich in die Diskussion einschalten und die Autoren bitten, zivilisiert zu diskutieren. Die Journalisten moderieren die Community, indem sie auf sachliche oder sarkastische Art antworten.
  • Das für die Studie durchgeführte Online-Experiment hat ergeben, dass sachlich zu reagieren, eine fundierte Gesprächsatmosphäre vermittelt und die Beteiligung an der Diskussion erhöht. Sarkastische Antworten hingegen beeinträchtigen die Glaubwürdigkeit des Nachrichtenmediums und weniger Nutzer beteiligen sich an der weiteren Diskussion. Allerdings erhöhen sie den Unterhaltungswert.
  • Not Funny? The Effects of Factual Versus Sarcastic Journalistic Responses to Uncivil User Comments – Abstract der im Oktober 2016 veröffentlichten Studie.
  1. Welche Social-Media-Redaktion großer Nachrichtenmedien verfolgt eine besonders gute Strategie und warum?

šFunk: Jäger und Sammler (YouTube Kanal)

Welt:

  1. Haben sich durch neue Formate wie multimediale Gestaltung von Artikeln, Podcasts, etc. die Kommentare verändert?