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Zocker und Mädchenschwarm in einem: Der Erfolg des Let’s-Players @ConCrafter

YouTube kills the TV-Star? Vielleicht. Definitiv ist die Webvideoplattform mittlerweile eine eigene Welt. Das Netzwerk hat neue Formate hervorgebracht und neue Stars: Sie sind Moderatoren, Talkshow-Hosts, Unterhalter, Journalisten. Und sie begeistern Millionen – vor allem junge Menschen, aber auch Erwachsene. In dieser Serie portraitiert der Jahrgang 2016 der Kölner Journalistenschule YouTube-Stars und ihre Arbeit. Dazu schauen sich die Journalistenschüler das Publikum der Kanäle an, die Aktivität der Stars in sozialen Netzwerken und natürlich vor allem: ihre Videos. Im sechsten Teil der Serie beschreibt Maren Jensen den Erfolg von ConCrafter.

„Hallo, mein Name ist Luca“: Dieser Satz dürfte bei vielen Jugendlichen schon ausreichen, um sie in Euphorie zu versetzen. Denn hinter der scheinbar belanglosen Phrase steckt die Begrüßung von ConCrafter – einem der derzeit populärsten Let’s Play YouTuber in Deutschland. Der 20-Jährige schaffte es innerhalb von fünf Jahren auf Platz 25 der bekanntesten deutschen YouTuber zu klettern. Mit mehr als zwei Millionen Abonnenten, eigenem Vermarktungsshop und ausverkaufter Biographie (ganz analog als Buch) gehört Luca Scharpenberg derzeit zu den großen Stars auf Deutschlands Pausenhöfen.

Warum wollen Millionen junge Menschen dem Blondschopf beim Computerspielen zuschauen?

Nach dem Abitur am Einstein-Gymnasium in Rheda-Wiedenbrück (NRW) im Jahr 2014 widmete sich Luca eine Jahr lang dem YouTuben. Seit August 2011 veröffentlichte der 20-Jährige über 2000 Videos, die schon mehr als 550 Millionen Klicks und eine Milliarde Kommentare verzeichnen.

Der Student startete mit dem Format Let’s Play. Dabei geht es darum, Computerspiele vorzuführen und zu kommentieren. Im Mittelpunkt stehen Bildschirmaufnahmen, die den Let’s-Player beim Spielen zeigen. Luca begann, in ausführlichen Videos seinen Zuschauern Tipps zu verschiedenen Spielen zu geben, hauptsächlich Minecraft. Vorbild war zu seinen Anfängen der YouTuber Gronkh: „Ich dachte sofort: Das ist cool, das ist Lego für Große! Das muss ich auch können“,  schreibt Luca in seiner Biographie. Lange spielte er nur für sich, bis er 2010 das erste Video aufnahm. Zunächst drehte er tonlose, halbminütige Videos nur für sich. „Minecraft ist für mich der Ehrgeiz, etwas zu erschaffen“, sagt er. Wenig später eröffnete er seinen ersten YouTube Kanal „The ConqueurorLP“, der heute nicht mehr existiert.

Schnell wollte Luca mehr – einen eigenen professionellen Kanal, nur für Minecraft. Also gab er mehr Geld für Programme aus, informierte sich intensiv über das Spiel und kaufte sich seine erste Facecam. Mit dem Namen „ConCrafter“ wagte er einen neuen Versuch, Aufmerksamkeit für seine Let’s Play Videos zu bekommen. Schnell versuchte er, sich von Gronkh abzusetzen und einen eigenen Stil zu entwickeln, indem er wechselnd Minecraft-Tipps und witzige Anekdoten aus seinem Leben preisgab. Mit seiner Followerzahl wuchs das Image als einer der erfolgreichsten Let’s Play Spieler Deutschlands. Mittlerweile steht der 20-jährige nach Gronkh und Felix von der Laden auf Platz 3 des Genres.

 

Warum ausgerechnet er so erfolgreich geworden ist, darauf Luca wohl auch selbst keine rechte Antwort. Für sein „2 Millionen Abonnenten Special“ schnitt er Videos von bekannten YouTubern zusammen, die fragten, wer Luca überhaupt sei. Am Ende des Videos bat Luca seine Follower zu kommentieren, was sie an ihm mögen würden. Die häufigsten Antworten: Er sei authentisch, er gehe mit seinen Fans respektvoll um. Doch vor allem eins begeistert die Fans: Luca versucht nur Witze auf eigene Kosten zu machen, während andere Let’s Play Spieler häufig über ihre Erfolge prahlen und nur Videos hochladen, in denen sie sehr schnell, erfolgreich und perfektioniert spielen. Luca hingegen lädt auch Videos hoch, in denen er lange braucht, um Aufgaben zu erfüllen oder Level aufzusteigen. Der Student folgt damit dem klassischen Let’s Play – er spielt seine Videos in Fachsprache „blind“: er kennt den Lösungsweg nicht, während er die Zuschauer moderierend unterhält.

Doch mit der Zeit hat sich Lucas Kanal stark verändert: Seit einigen Monaten widmet sich der 20-Jährige zunehmend Vlogs und Comedy Videos. Minecraft-Facts und bunte Spielwelten weichen nun  Urlaubstrips nach Amsterdam, Präsentationen des neuen Lebensstils und verrückten Back-Ideen, wie dem größten Pizzastück der Welt. „Ich mache das, wozu ich in diesem Moment Bock habe“, rechtfertigt er sich vor Fans, die seine Let’s Play Videos vermissen. Doch mit dem Imagewechsel stiegt auch seine Zuschauerzahl – vor allem die weibliche.

Mehr Fans bedeutet auch mehr Geld: Sein im September 2015 veröffentlichtes Buch ConCrafter – Neue Minecraft-Facts und Commands erschien in einer Auflage von 45.000 Exemplaren – und war bereits nach zwei Tagen ausverkauft. Aktuell ist es wieder für einen Preis von 9,99 Euro zu erwerben.

Innerhalb weniger Tage ausverkauft - ConCrafters Buch "Neue Minecraft-Facts und Commands"

Zeitgleich boomt sein „Luca-Shop“. Am 1. Dezember 2016 brachte der YouTuber eine neue Kollektion auf den Markt. Mit 60.000 Zugriffen pro Sekunde legten seine Fans den gesamten Online-Shop lahm.

Die Internetseite Socialblade.com versuchte durch Analysen der Klickzahlen den Verdienst des Youtubers zu ermitteln. Das Ergebnis: ConCrafter verdient zwischen 5.600 und 90.100 Euro im Monat. Das ist zwar reichlich vage, aber sehr optimistisch gerechnet hieße das: Möglicherweise hat ConCrafter ein Einkommen von rund einer Million Euro pro Jahr. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte des geschätzten Intervalls. Ermittlungen von Social-Blade Socialblade Analyse der Klickzahlen Sicher ist: Scharpenberg ist ein erfolgreicher Unternehmer und ConCrafter eine wertvolle Marke. Seit gut einem Jahr gehören Mensch und Marke zu „Studio 71“, dem Video-Netzwerk von ProSiebenSat1. Welche Summen dabei fließen, ist geheim. In seinen Videos bittet ConCrafter darum, Privatsphäre zu achten. Über Geld (genauso wie über eine mögliche Freundin) werde er auch in Zukunft nie sprechen. Das wirkt durchaus paradox, erzählt er seinen Fans doch mit großem Enthusiasmus, dass er mal vier Liter Durchfall hatte oder dass er von seinem Kardiologen Tabletten gegen Herzrasen verschrieben bekommen hat. Auch auf anderen sozialen Netzwerken gibt der YouTuber Einblicke in sein Leben: Unter dem Namen „Laserluca“ hat er insgesamt mehr als zwei Millionen Follower auf Instagram. Seine Motive dort: Hauptsächlich Luca.

life is dope Ein von LUCA | ConCrafter (@laserluca) gepostetes Foto am

 

Den Fans gefällt’s – mehr als 100.000 likes für ein Selfie sind keine Seltenheit. Doch der viele Ruhm bringt dem Mädchenschwarm auch viele Neider und übermütige Fans. „Ich bereue es mittlerweile, dass ich in meinen Anfangsvideos mein Gesicht gezeigt habe“, sagt er. Denn die Bekanntheit hat auch seine Schattenseiten: Auf der Straße angepöbelt, angesprungen und geküsst zu werden, sei für ihn derzeit ein großes Problem.

 

Das Titel-Gif stammt aus dem Video SCHWERSTER MINECRAFT MODUS

Ein Gedanke zu “Zocker und Mädchenschwarm in einem: Der Erfolg des Let’s-Players @ConCrafter

  1. Wer in Deutschland durch Bekanntheit viel verdient, wird wahrscheinlich kein ruhiges Leben mehr haben. Das vmtl. deutlichste Beispiel ist hierzulande Tokio Hotel. Ab einem gewissen Punkt, ist es natürlich zu spät um die Schattenseiten der Popularität zu verhindern. Im Grunde ist es hart verdientes Geld, denn der Preis den man dafür zahlt ist damit leider auch nicht kompensierbar.

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