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Vom Buddha bis zu Donald Trump: @MrWissen2go erklärt die Welt

YouTube kills the TV-Star? Vielleicht. Definitiv ist die Webvideoplattform mittlerweile eine eigene Welt. Das Netzwerk hat neue Formate hervorgebracht und neue Stars: Sie sind Moderatoren, Talkshow-Hosts, Unterhalter, Journalisten. Und sie begeistern Millionen – vor allem junge Menschen, aber auch Erwachsene. In dieser Serie portraitiert der Jahrgang 2016 der Kölner Journalistenschule YouTube-Stars und ihre Arbeit. Dazu schauen sich die Journalistenschüler das Publikum der Kanäle an, die Aktivität der Stars in sozialen Netzwerken und natürlich vor allem: ihre Videos. Im 16. Teil der Serie stellt Carlos Pohle den Youtuber MrWissen2Go vor.

„Die Wahrheit über Flüchtlinge“ – wer im Netz über solche Überschriften stolpert, hat sich meistens im Kopp-Dschungel verirrt. Dass hinter einem solch reißerischen Titel aber auch ein kühler Kopf stecken kann, beweist der Journalist Mirko Drotschmann (31) alias MrWissen2go: Seinen Zuschauern erklärt er seit fast fünf Jahren in mehr als 450 Videos Politik, Geschichte und Wirtschaft – und seit 2015 thematisierte er in einer ganzen Reihe von Videos die Situation von Flüchtlingen in Deutschland.

Drotschmann macht seine zirka zehnminütigen Videos nicht nur für Schüler, die in der Schule nicht ganz mitkommen. Sondern auch für Menschen, die genauer verstehen wollen, was in der Welt vor sich geht. Er selber hat Geschichte und Kulturwissenschaften studiert. Mit einfacher Sprache erklärt der Youtuber, was die Französische Revolution war, wer Wladimir Putin ist und was es mit dem Buddhismus auf sich hat. Er erzählt die Geschichten von Cleopatra und Martin Schulz, erklärt sowohl Die Linke als auch die NPD, und zeigt, was es mit Sozialversicherungen auf sich hat und warum die Leute Dschungelcamp gucken. Mirko versucht, so viele Aspekte wie möglich zu beleuchten und sie auf faire Weise zu präsentieren.

Ab und zu gibt Mirko Drotschmann seinen eigenen Senf dazu. Unter #mirkosmeinung befasst er sich mit Fragen wie „Sollten alle Drogen legalisiert werden?“ und „Sollte man Burkas verbieten?“ Auch wenn es um seine eigene Meinung geht, schildert Drotschmann immer die Argumente der Gegenseite. Ein gutes Beispiel ist das Video „Hitlers „Mein Kampf“ für alle?! #mirkosmeinung“:

Jeden Sonntag veröffentlicht Mirko außerdem einen Wochenrückblick, in dem er das Weltgeschehen der Woche zusammenfasst und einordnet.

Rund eine halbe Million Abonnenten folgen Mirkos Youtubekanal und in guten Monaten werden seine Videos zwei Millionen Mal angeklickt. Die zwei beliebtesten Videos (jeweils über 800.000 Klicks) sind die über Donald Trump und die Weimarer Republik. Das zeigt: Sowohl die Geschichtsvideos als auch die über aktuelle Themen sind beliebt.

Drotschmanns Erfolg auf Youtube ist umso erstaunlicher, weil er sich stilistisch stark von anderen Youtubern unterscheidet: Er ändert nicht sprunghaft die Kameraperspektiven, zieht keine übertriebenen Grimassen und hat sich kein teures Studio eingerichtet. Er flucht fast nie, trägt keine coolen Kappen wie LeFloid und nicht so viel Make-Up wie DagiBee (falls überhaupt!). Die Videos haben ein leichtes Hintergrundrauschen und zeigen Drotschmann meist an einem unspektakulären Schreibtisch oder vor einer weißen Wand. Manchmal erscheinen für ein paar Sekunden Texte und Bilder in den Videos – das war’s.

Was treibt Mirko Drotschmann an? Wohl nicht das Geld. Auf der Webseite von netzjob.eu wurde 2015 Mirkos Youtube-Einkommen auf monatliche 450 € geschätzt. Mirko kommentierte den Artikel mit dem Hinweis, dass er zumindest nicht von dem Youtube-Geld leben kann. Dass er den Kanal quasi in der Freizeit und außerhalb seiner Arbeit als Journalist führt, ist bei dem Aufwand erstaunlich: Seine hunderttausenden Schüler aber dürfte es freuen.

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