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Robert Hofmann macht sich mit @DVDKritik in einer Millionenindustrie selbstständig – und holt das Kinouniversum ins Wohnzimmer

YouTube kills the TV-Star? Vielleicht. Definitiv ist die Webvideoplattform mittlerweile eine eigene Welt. Das Netzwerk hat neue Formate hervorgebracht und neue Stars: Sie sind Moderatoren, Talkshow-Hosts, Unterhalter, Journalisten. Und sie begeistern Millionen – vor allem junge Menschen, aber auch Erwachsene. In dieser Serie portraitiert der Jahrgang 2016 der Kölner Journalistenschule YouTube-Stars und ihre Arbeit. Dazu schauen sich die Journalistenschüler das Publikum der Kanäle an, die Aktivität der Stars in sozialen Netzwerken und natürlich vor allem: ihre Videos. Im dritten Teil der Serie beschreibt Annika Enning den Erfolg von Robert Hofmanns Film-Kanal.

Vielleicht ist das lineare Fernsehen am Ende. Vielleicht setzt die Jugend von morgen nicht mehr auf GZSZ und Germany’s Next Topmodel, sondern auf Bibi in ihrem Beauty-Palast – inhaltlich unterscheidet sich das kaum, aber Bibi gibt’s jederzeit auf Abruf.

Aber Kino? Kino lebt. Und mit Hollywoodstreifen ist heute immer noch eine Menge Geld zu machen – der letzte Ableger des Marvel-Universums Dr. Strange spielte allein am Eröffnungswochenende 84 Millionen Dollar in die US-amerikanischen Kinokassen. Robert Hofmann hat begriffen, dass der Film noch nicht am Ende ist, und holt das Kino in die deutschsprachige YouTuber-Mitte.


Im Programm sind vor allem Trailer, aber auch informative Filmkritiken, Filmnews und das ein oder andere Interview mit einem Schauspieler. Die kennt Hofmann besonders gut, denn er war selbst Schauspieler – bis er sich entschied, allein mit Onlinevideos Brot und BlueRays zu verdienen.

Dass sich mit YouTube Geld verdienen lässt, ist kein Geheimnis. Durch Kooperationen, vor die eigenen Videos geschaltete Werbung und sogenannte Affiliate Links, durch die YouTuber bei Onlinekäufen ihrer Zuschauer eine Provision verdienen, können sich erfolgreiche Videoproduzenten online selbstständig machen.

Die Website Socialblade schätzt, dass Hofmann allein mit seinem YouTube-Kanal monatlich zwischen 1.300 und 20.000 US-Dollar verdient – zugegeben, das ist ziemlich ungenau. Genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Das sei auch auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen von YouTube selbst zurückzuführen – dort werde geregelt, dass über die Einnahmen nicht gesprochen werden darf, wie das Onlineportal Onetz schreibt.

Der Moment wenn man sich ein neues Setting bauen will und alle Blu-rays auf einem Haufen liegen :) #BananaForScale

Ein von Robert Hofmann (@robsntown) gepostetes Foto am

Trotzdem, Hofmanns Erfolg spricht für sich: Mindestens eins, aber bis zu drei Videos erscheinen täglich auf seinem Kanal und generieren Abrufzahlen im sechsstelligen Bereich. Seit Eröffnung des Kanals im Februar 2011 – damals noch als DVDKritik – gewann Hofmann 442.722 Abonennten. Damit ist er der größte deutsche YouTuber in der Filmnische, vor allem aber die erfolgreichste Ein-Mann-Show. Konkurrenten wie dieFilmfabrik werden von Multi-Channel-Netzwerken, hier die umstrittene Mediakraft, geleitet und finanziert. Hofmann selbst trennte sich Ende 2015 nach dreijähriger Zusammenarbeit von Mediakraft und schloß sich unter Anderem YouTuberin Marie Meimberg und YouTuber LeFloid an – gemeinsam mit einer Hand voll weiteren YouTubern bildeteten sie das Netzwerk 301+, das sich als Gegengewicht zu Mediakraft und als Verein aus Machern verstand. Vor anderthalb Jahren verließ Hofmann auch dieses Netzwerk aufgrund interner Unstimmigkeiten und ist seitdem wieder selbstständig unterwegs.

Quelle: www.youtube.com/user/DVDKritik
Robert Hofmann, Quelle: www.youtube.com/user/DVDKritik

Dieses Grassroots-Flair haftet Hofmanns Videos aber nicht an: Durch seine Reichweite machte der YouTuber Produktionsstudios wie ConstantinFilm, Capelight Pictures und Paramount auf sich aufmerksam – und so landen Kinotrailer frisch aus dem Studio auf seinem Kanal.   Das Highlight des Hofmann-Imperiums aber ist wohl die Social Movie Night – hier lädt der YouTuber gemeinsam mit der digitalen Werbeagenture Pure Online regelmäßig 300 bis 550 Zuschauer zu einer exklusiven Kinopremiere in Berlin, Hamburg oder München ein. Der Clou: Die Schauspieler sind auch da und werden von Hofmann und wechselnden Co-Hosts interviewt. So wird aus einem ganz netten Zuschauerevent ein Kinobesuch der Extraklasse.


In seinen Videos hält Hofmann sich meist an einen ähnlichen Ablauf: Bei der Trailerschau wird erst der Trailer eingespielt, dann kommentiert. Bei den Filmnachrichten wird nach und nach das Neuste aus der Branche präsentiert: Welcher Regisseur ist wo abgesprungen? Wer übernimmt die Tontechnik in welcher neuen Produktion? Dafür sitzt der Berliner ungezwungen frontal vor der Kamera, im Hintergrund sind ein paar Fanartikel aus der Filmwelt zu sehen. Die Plastiknachbildung einer der berühmten Spartaner, die im Film 300 bildgewaltig gewaltsam die Perser zurückschlagen, steht im Regal. Ein Kunstdruckporträt von Schauspieler Leonardo Di Caprio hängt an der Wand. Hofmann ist durchaus Film-Fan. Aber er will auch Kommentator sein, Kritiker, Reporter. YouTube mit Anspruch also?

„Ich beobachte schon einen Verfall der Inhalte“, sagte Hofmann gegenüber der Zeitung Die Welt. Youtuber hätten auch einen Bildungsauftrag, sagt Hofmann in Richtung einiger seiner Webvideo-Kollegen. „Wenn wir von der jungen Generation hauptsächlich konsumiert werden, dann muss uns bewusst sein, dass deren Weltsicht auch ein Stück weit von uns Video für Video geprägt wird – das sehe ich gerade in Deutschland sehr sehr kritisch“, sagt er der Zeitung.

Ja, Youtube Deutschland kann grenzwertig sein. Auch deswegen wird dem gemeinen Kinoenthusiasten warm ums Herz, wenn Hofmann mit seinen unterhaltsamen, informativen und sauber produzierten Videos Nachrichten aus der Filmwelt und differenzierte Kritiken auftischt.

Aber auch Hofmann hat verstanden, dass nur eines das Internet regiert. Deswegen gibt es auf seinen Kanälen auch: Katzen.

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