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Verzweiflung: Katholiken verlassen ihre Kirche #kathxit

Animierte Gifs erleben einen zweiten (dritten?) Frühling. Wir erzählen mit Hilfe der animierten Grafiken aktuelle Debatten nach. In Teil 13 beschreibt Nina Bärschneider wie die katholische Kirche nach Gründen für die Austrittswelle sucht.

Die Kirche kann sich ihrer Schäfchen nicht mehr sicher sein: 217.716 Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr der katholischen Kirche abgeschworen – so die aktuelle Kirchenstatistik.

Woran das wohl lag? Erklärungsversuche gibt es viele. Da ist das sinkende Vertrauen in die Kirche. Ihre Weltfremdheit. Und nicht zuletzt klingt immer noch das Thema des sexuellen Missbrauchs nach.

Erste große Akzeptanzkrise der katholischen Glaubensgemeinschaft: Das Jahr 2010, als in den Schlagzeilen das Wort Kirche regelmäßig mit Missbrauch in Verbindung stand. Damals kehrten etwa 181.000 Menschen der Kirche den Rücken.

Where they sent to hell?
Where they sent to hell?
Quelle: www.giphy.com

Zuerst rechtfertigten Kirchenvertreter den „katholischen Exodus“ mit der Diskussion um den neuen Kirchensteuereinzug auf Kapitalvermögen. Viele Menschen hätten fälschlicherweise geglaubt, dass es sich um eine zusätzliche Steuer handle, so der Bischof von Münster, Felix Genn, zitiert von Focus Online.

Dem Generalvikar des Erzbistums Köln, Dominik Meiering, ist aber auch klar: „Der Kirchenaustritt ist nur der letzte Schritt auf einem langen Weg, auf dem einem Menschen die Kirche immer fremder wird.“ (Focus Online). Früher begleitete die Kirche ganz selbstverständlich das ganze Leben – von der Taufe bis zur Bahre. Diese Akzeptanz besteht heute nicht mehr.

Die Kirche und ihre Schäfchen…

Das sieht auch Kardinal Reinhard Marx aus München so, hält aber fest: „Wir werden uns weiter bemühen, unseren Auftrag glaubwürdig so zu erfüllen, dass wir die Freude des Evangeliums verkünden“ – und so weiter und so fort. Es ist schön, dass er für die Glaubwürdigkeit der Kirche einsteht. Doch wird das nicht mehr Menschen in die Kirche locken oder dort halten.

Es fehlt der Anreiz, das Interesse, die Nähe. Wenn man in der Kirche hierzulande doch nur so viel Spaß haben könnte wie bei den Sisters:

Die Schwestern sehen's sportlich
Die Schwestern sehen’s sportlich
Quelle: www.giphy.com

Eine andere Möglichkeit: Die katholische Kirche beteiligt sich mehr am öffentlichen Leben – an dem, was die Leute wirklich interessiert. So wie Schwester Cristina, die im vergangenen Jahr bei „The Voice“ in Italien mit dem „No One“-Song entzückte.

Voll katholischer Inbrunst: Cristina singt "No One"
Voll katholischer Inbrunst: Cristina singt „No One“
Quelle: www.giphy.com

Dabei soll doch jetzt alles besser werden. Papst Franziskus, um das mal eher un-friedlich auszudrücken, schlägt in den Vatikan ein wie eine mittelgroße Bombe. Er gründet ein Tribunal für Missbrauchstäter, will die kirchlichen Finanzen besser überwachen, reformiert seine Kurie und diskutiert über die kirchlichen Lehren. Und das alles in einem ziemlichen Eiltempo.

Allerdings hat er noch die eine oder andere traditionelle Auffassung – so verteidigt er das kirchliche Verbot von Verhütungsmitteln und Antibabypille. Wenig zeitgemäße Einstellungen wie diese spielen wohl keine unwesentliche Rolle bei den vielen Austritten im vergangenen Jahr.

Liegt eng beieinander: Werbung für Kondome neben Artikel über Kirchenaustritte
Liegt eng beieinander: Werbung für Kondome neben Artikel über Kirchenaustritte

Trotzdem könnte der neue Papst ein Umdenken unter seinen Anhängern bewirken. Das Problem: „Der Geist von Franziskus ist noch nicht so in Deutschland spürbar, wie es sein müsste“, meint Christian Weisner, Sprecher der katholischen Laienorganisation „Wir sind Kirche“ (Spiegel Online).

Na hoffentlich kommt der Geist dann bald über uns. Schließlich hat Franziskus doch so ein großes Herz.

Papst mit Herz
Papst mit Herz
Quelle: www.giphy.com

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