Gerechtigkeit, Respekt & Spaß: Paralympics-Athletin @ManuelaSchmermi über Spartensport und Außendarstellung

Wer ist das wirklich? Bei Twitter entsteht ein virtuelles Netzwerk aus Menschen, die sich originell und interessant finden, aber persönlich noch nie getroffen haben. Der Jahrgang 2014 der Kölner Journalistenschule hilft nach und stellt die Twitterer einander vor. Ein Twitterer wird portraitiert und nominiert dann den nächsten. In Teil 12 porträtiert Philipp Ziegler Manuela Schmermund vor, die @sparschaeler in die Twittererkette gelotst hat. Nachtrag: In einer ersten Version hatten wir versehentlich geschrieben, @Der711er habe @ManuelaSchmermi vorgeschlagen – es war aber der @sparschaeler. Außerdem ist ihr richtiges Twitterkürzel @ManuelaSchmermi – nicht @ManuelaSchermi. Pardon!

Eine rote Telefonzelle. @ManuelaSchmermis erster Tweet. Mehr als zwei Jahre und 7700 Tweets ist das her. Sie war in London damals, die olympischen Spiele sind gerade vorbei, jetzt stehen die Paralympics an!

Manuela Schmermund ist querschnittsgelähmt – und die deutsche Medaillenhoffnung im internationalen Behindertensport. Als Sportschützin hat sie schon Gold bei den Paralympics geholt und ist mehrfache Weltmeisterin.

Als einziges Mädchen in einer Fußballmannschaft muss sie sich im Alter von 11 Jahren umorientieren. Weil sie „nichts Mädchenhaftes“ will, tritt sie in den Schützenverein ihres Heimatortes Niederaula ein. Sie ist schnell so gut und erfolgreich, dass sie mehr will. „Erfolg macht abhängig“, scherzt Schmermund.

1992 beendet ein Verkehrsunfall ihre Schützenkarriere abrupt. Diagnose Querschnittslähmung. Ihren Unterkörper spürt sie seitdem nicht mehr. Nach dem Unfall muss sie sich an ihr neues Leben gewöhnen: Sie macht eine Rehabilitation, beendet ihre Ausbildung als Verwaltungsfachwirtin und baut ein Haus.

Sportschützin Schmermund in voller Montur
Sportschützin Schmermund in voller Montur

Erst nach sechs Jahren Pause kehrt sie über einen Bekannten zu ihrer alten Leidenschaft zurück. Beim Vorschießen vor der deutschen Behinderten-Nationalmannschaft überzeugt sie. Im Behinderten-Sport gehört Schmermund schnell zu den ganz Großen: Auf Anhieb erreicht sie bei den Paralympics 2000 in Sydney den zweiten Platz in der Disziplin Kleinkaliber. Sie wird mehrfach Deutsche Meisterin und ist auf internationalen Wettbewerben erfolgreich. 2004 holt sie bei den Paralympics in Athen die Goldmedaille in der Disziplin Luftgewehr und wird Weltranglistenerste.

Neben Beruf und sozialem Engagement trainiert sie während der Wettbewerbszeit bis zu 30 Stunden pro Woche. Dazu fallen jährlich Kosten in Höhe von 25.000 Euro für Wettbewerbe, Lehrgänge und Ausrüstung an – dabei mangelt es an Sponsoren. Schmermund kritisiert, dass es dem Behindertensport wie vielen „kleinen“ Sportarten ginge: „Uns fehlen Präsenzzeiten, die Öffentlichkeit nimmt uns nicht wahr!“

Paradox: Gerade durch die steigende Zahl der Behindertensportler wird die Finanzierung für den Einzelnen schwieriger. „Der Kuchen wird nicht größer, aber die Zahl der Mitesser steigt“, beschreibt Schmermund das Dilemma. Eine individuelle Außendarstellung sei daher besonders für Spartensportler mittlerweile unverzichtbar. Darum zwitschert Schmermund anlässlich der Paralymics 2010 zum ersten Mal. Und wie twittert sie nun, fast zwei Jahre später? Längst nicht mehr nur zu Sport und Inklusion.


Fernseh-Dschungelcamp also statt nur seriöse Selbstdarstellung. Schmermund beschreibt den Wandel so:

Ich bin über die Phase der Außendarstellung hinaus, da ich im ‚Herbst‘ meiner Karriere bin. Wer mich bis hierher nicht schätzen gelernt hat, hat Pech. Trotzdem kommt man nicht drumherum, sich darzustellen…beim Einen klappt das besser als beim Anderen…wie überall.

Mit der roten Telefonzelle hat es begonnen. Zur Selbst-Präsentation während der Spiele 2010 ist sie auf Twitter gelandet. Geblieben ist sie, weil sie sich in das „bekloppte Volk“ auf Twitter verliebt hat.

Auf Empfehlung von @ManuelaSchmermi stellen wir als nächste Twitter-Persönlichkeit @Der711er vor.

Ein Gedanke zu “Gerechtigkeit, Respekt & Spaß: Paralympics-Athletin @ManuelaSchmermi über Spartensport und Außendarstellung

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *