Gerne auch mal mehr als 140 Zeichen: Wie und wo die @Krautreporter Crowd kommentiert

Das Krautreporter-Logo: Die Plattform lebt von der Rückmeldung der Crowd

Eigentlich ist es noch ein Baby. Schließlich betonen seine Eltern immer wieder, dass es sich noch entwickelt. Vor allem durch den Einfluss der Gesellschaft. Und trotzdem, vier Monate nach dem Start des Online-Magazins Krautreporter sei es erlaubt, ein Zwischenfazit zu ziehen. Nicht noch eins, mag der ein oder andere jetzt denken. Und ja, zugegebenermaßen ist das hier nicht das erste Résumé, seit Krautreporter im Oktober 2014 das Licht der Welt erblickte – schließlich haben sich bereits beispielsweise Kai Schächtele und „Frau Meike“ lang und breit geäußert. Aber genau darum soll es hier mal gehen. Um die Rückmeldung der Crowd, den Dialog zwischen Autoren und Lesern, die Kommentaren zu den Artikeln.

Um überhaupt mitreden zu können, ist es zunächst wichtig zu wissen, dass zwar jeder bei Krautreporter mitlesen, aber längst nicht jeder kommentieren darf. Mitzumeinen, mitzustreiten und mitzumachen ist jenen Lesern vorbehalten, die sich für eine Gebühr von fünf Euro im Monat oder 60 Euro pro Jahr als Mitglieder registrieren. Mehr als 15.000 haben das getan, um den Start der Journalismus-Plattform zu finanzieren. Sie können nicht nur unter den Beiträgen Kommentare hinterlassen, sondern auch am Rand jedes Abschnitts.

Weinreich vs. Carqueville- ein Kommentar-Feuerwerk

Ein regelrechtes Feuerwerk konnte man Mitte Februar zwischen Jens Weinreich und Peter Carqueville beobachten. Letzterer trieb die Möglichkeit, einzelne Abschnitte zu kommentieren, zu Weinreichs Artikel „Olympia-Bürgerforum: Dauerlächler vs Dauerbrüller“ auf die Spitze: in über 100 Kommentaren innerhalb weniger Stunden, tauschten sich die beiden Männer sowohl über journalistisches Handwerk, als auch über generelle Inhalte zum Thema Olympiabewerbung aus.

Auch einzelne andere Leser schalteten sich ein. Schlugen sich auf die eine oder andere Seite. Lobten sowohl Weinreichs Geduld jeden einzelnen Kommentar zu beantworten, als auch Carquevilles penibles Kommentieren.

Dieser Austausch steht exemplarisch für den Dialog zwischen Autoren und Leserschaft auf der Krautreporter-Seite. Die Stimmung ist nicht unbedingt rosig. Viele der zahlenden User haben scheinbar etwas Anderes erwartet, als sie nun bekommen. Wenig beliebt bei letzteren sind vor allem politische Analysen und allgemeine Berichte über Großereignisse oder bereits viel diskutierte Themen.

Doch nicht alles ist negativ. Video-Interviews sowie größere Portraits und Reportagen kommen eigentlich immer gut an. Zwar ist hierbei oft „schöner Artikel“ oder „tolles Interview“ das höchste der Gefühle. Manchmal entwickeln sich aber auch eine Diskussion, ein Austausch, folgen Ergänzungen und Erklärungen. Auffallend hierbei: Die Autoren sind immer dabei. Diskutieren mit, stehen Rede und Antwort.

 

Auch wenn technische Probleme für Ärger unter den Lesern sorgen, oder Rechtschreibfehler auffallen, werden diese sofort korrigiert und verbessert.

Austausch in den sozialen Netzwerken

Allerdings finden längst nicht alle Diskussionen auf der Krautreporter-Plattform statt. Wer nicht zahlt, aber liest und meint, kommentiert eben in sozialen Netzwerken und Foren. Das wertet nicht nur die Vorzüge der Mitgliedschaften ab, sondern sorgt auch für Parallel-Diskussionen, die schwer zu überblicken sind. Allgemein lässt sich erkennen, dass viele Nutzer kritisieren, dass ihnen die Themen nicht aktuell und relevant genug sind.

Klarer Vorteil in den sozialen Netzwerken: auch Nichtmitglieder haben Mitspracherecht und können Wünsche äußern. Und mittlerweile scheinen auch die Krautreporter mehr und mehr auf diese Kanäle umzuschalten. So gibt es beispielsweise Umfragen, welche Themen als Nächstes behandelt, wie sich das Projekt insgesamt entwickeln und welche Fragen Reporter stellen sollen:

Die zahlenden Nutzer sind von dieser Parallelwelt nicht begeistert. Ihre Stimme zählt schließlich umso weniger, je mehr Leute die Möglichkeit haben, an solchen Umfrage teilzunehmen. Zumal es um Themen geht,  die ja nur sie finanzieren und nicht die Twitter- oder Facebook-Gemeinschaft. Viele scheinen verärgert.

 

Doch die Krautreporter müssen auch auf den Dialog fern ab von ihrer Seite setzen. Denn er soll helfen, insgesamt mehr Menschen zu erreichen. Und so neue Mitglieder zu werben. Die brauchen die Krautreporter nämlich: Laut einer eigenen Umfrage von Mitte Februar wollen nur die Hälfte der Mitglieder ihr Abo verlängern. Es droht das alte Problem: Wer seine Inhalte – in diesem Fall die Kommentarfunktion – verschenkt, erreicht zwar mehr Leser, riskiert aber ihre Zahlungsbereitschaft. Ganz nach dem Motto: Wozu noch ein Abo abschließen, wenn ich auch so mitmachen kann?

Kommentare zweiter Klasse

Vielleicht bemühen sich die Krautreporter deswegen, mit Twitter und Co die Kommentarfunktion nicht komplett zu ersetzen. Denn abgesehen von vereinzelten Statements empfehlen die Autoren in den sozialen Netzwerken meist nur einzelne Artikel oder kündigen sie an. Kein reger Austausch via Twitter also. Wie auch: 140 Zeichen reichen wohl kaum für eine handfeste Diskussion aus.

Zumal die Kommentare aus den sozialen Netzwerken sich nicht auf der Krautreporter-Seite wiederfinden. Für die Autoren scheinen es Kommentare zweiter Klasse zu sein.

Jeder muss selbst entscheiden, wie gut er einzelne Artikel findet und ob er mit den Kommentaren etwas anfangen kann. Aber eins haben die Krautreporter nach vier Monaten bewiesen: Einen solchen direkten, zeitnahen und detaillierten Dialog zwischen Community und Redaktion gibt es selten. Das hebt die Plattform von anderen Online-Medien ab.

Und die Krautreporter unternehmen alles, um diesen Kommunikationsraum zu optimieren. So gibt es seit Kurzem einige Neuerungen für Kommentar-Interessierte. Zunächst baten die Krautreporter ihre Mitglieder darum, Bilder von sich hochzuladen „um Diskussionsteilnehmer besser auseinander halten zu können“. Desweiteren haben sie am 24. Februar den „KR-Salon“ eröffnet. Er soll Plattform für einen von der Crowd gewünschten, ungebundenen Dialog sein. Eine Art Forum für Austausch und Anregungen. Die Krautreporter wollen außerdem versuchen, die Reaktionen ihrer Crowd ohne großen (finanziellen) Aufwand zu bündeln und vor allem weiter viel mit ihr zu kommunizieren. Eine neue Idee ist ein mögliches Forum. Auch dazu gibt es viele Meinungen, die die Krautreporter versuchen zu moderieren und mitzuentwickeln, wie eine Mitschrift zeigt.

Was aus dem Baby wird? Man darf gespannt sein – vor allem auf die Kommentare.

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