Die @Elquee erklärt ihre Hassliebe zu Twitter – und wie man einen #shitstorm überlebt

Wer ist das wirklich? Bei Twitter entsteht ein virtuelles Netzwerk aus Menschen, die sich originell und interessant finden, aber persönlich noch nie getroffen haben. Der Jahrgang 2014 der Kölner Journalistenschule hilft nach und stellt die Twitterer einander vor. Ein Twitterer wird portraitiert und nominiert dann den nächsten. In Teil 7 stellt Julian Rodemann Elquee vor, der von Grantelhuber für die Twittererkette nominiert wurde.

67 300 Tweets gehen auf ihr Konto – Man könnte meinen, @elquee verbringt ihr ganzes Leben auf Twitter. Weit gefehlt.„Ich trenne klar zwischen Twitter und realem Leben“, sagt Elke Wittich, die Frau hinter @Elquee.Die Journalistin aus Kreuzberg schreibt unter anderem für taz, Konkret und Freitag. Seit 1997 ist sie Redakteurin der linken Wochenzeitung Jungle World.

 

Von Piraten bis zu Manieren: @Elqees Themen sind vielseitig
Von Charaktermasken und Manierentagen: @Elqees Themen sind vielseitig

 

Schaut man sich die Wordcloud ihrer Tweets an, fällt auf: Elke Wittich teilt mit ihren 3 900 Followern viel Alltägliches – vom Kartoffelpuffer bis zur Weihnachtszeit. Aber auch politische Themen sind dabei, wie die #Pegida-Demonstrationen. Zuletzt beschäftigte sie sich besonders mit der #MPWahl in Thüringen. Ohne dabei immer ernst zu bleiben.

Sieben Buchstaben aber thronen über den anderen: Piraten. Seit ihrer Gründung verfolgt @Elquee die Internet-Partei und schreibt – meist kritisch – über die Politneulinge. Einer ihrer Tweets über die Partei schaffte es sogar in die ARD.

Foto: Elke Wittich, https://www.facebook.com/photo.php?fbid=4867740827606&set=a.1030086648650.4429.1719892323&type=1
Piratengezwitscher: @Elquees Tweet im ARD-Nachtmagazin

 

„Was für eine furchtbare Ansammlung von Egos“, beschreibt Elke Wittich ihren ersten Eindruck von Twitter. Das war im Juli 2009. Damals hatte sie gerade einen Artikel in der Jungle World über rechte Tendenzen in der Piraten-Partei geschrieben. Kurz darauf prasselte auf Twitter ein #Shitstorm auf @Elquee ein.
Ein Lob zu dem Artikel von Sascha Lobo ermutigte sie, der „aufgeregten kleinen Horde Piraten“, wie Wittich sagt, zu trotzen. Seitdem kennt sie das beste Rezept gegen Shitstorms: Einfach abprallen lassen und ignorieren.
Geholfen habe ihr dabei auch Lobos Rede über das Phänomen #Shitstorm auf der re:publica.

 

 

„Die 140 Zeichen sind für viele ein Ventil für schlechte Laune“, ist sich Wittich sicher. Da die verknappte Kommunikation per Tweet Zuspitzung erzwinge, diskutiere man selten differenziert. „Es herrscht ein Impetus des Absoluten.“ Schnell werde es persönlich und ein #Shitstorm jagt den Nächsten.

Dann kann es auch unter die Gürtellinie gehen: Als @Elquee auf einem Blog eine gefälschte Sexkontakt-Anzeige mit einem Bild von ihr entdeckte, sei das Maß voll gewesen. Ein Anhänger der Piratenpartei hatte die Anzeige ins Netz gestellt – „Das war bisher meine schlimmste Erfahrung mit den sozialen Medien.“

Umso mehr freut sich @Elquee über „süße, liebe Nachrichten“. Ihr Lieblingstweet ist eine Herzchen-Kanone, mit der sie immer wieder Twitterer beschießt.

Von solchen Nettigkeiten abgesehen, nutzt Wittich Twitter vor allem, um journalistische Themen zu testen. „Man muss Ideen auch außerhalb der Redaktion ausprobieren.“ Wenn sie zu Polizeigesetzen in den USA recherchiert, landet schnell ein Tweet wie dieser im Netz.

An den Antworten erkenne sie dann, ob das Thema Menschen anspricht und zum Artikel taugt.

Wichtig ist für Elke Wittich, Twitter auch mal abzuschalten. 76 Tweets an einem Tag wie @Wolfseule? Das wäre nichts für sie. Es komme schon mal vor, dass der Account sechs Tage ruht. „Ich würde Twitter immer gegen einen sonnigen Sandstrand eintauschen.“

Auf Empfehlung von @elquee stellen wir als nächste Twitter-Persönlichkeit @quantenwelt vor.

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