Aufdecktool, Quatschschleuder, Inspirationsquelle: @sandra_hendele über das Twitter-Werk von @sibylleberg #Twitterkette

Wer ist das wirklich? Bei Twitter entsteht ein virtuelles Netzwerk aus Menschen, die sich originell und interessant finden, aber persönlich noch nie getroffen haben. Der Jahrgang 2014 der Kölner Journalistenschule hilft nach und stellt die Twitterer einander vor. Ein Twitterer wird portraitiert und nominiert dann den nächsten. In Teil 4 stellt Sandra Hendele SibylleBerg vor, die von Nouveaubeton vorgeschlagen wurde.
„Das Unnötige weglassen, bis nur noch übrig ist, was wirklich gebraucht wird“: Sibylle Berg übers Schreiben. Bild: Pressefoto

Der Hobel schabt und schabt, Späne regnen auf den Boden. Das Stück Holz wird schlanker und schlanker. Mehr und mehr wird aus dem groben Klotz eine Gerüst. Ein Gerüst, das ein Gebilde wird, eine Figur. So lange geformt, bis sie eine Geschichte erzählen kann. So beschreibt Sibylle Berg den Prozess des Schreibens: „Das Unnötige weglassen, bis nur noch übrig ist, was wirklich gebraucht wird.“

Die Arbeit des Reduzierens ist eine der zentralen Aufgaben jedes Schriftstellers, umso mehr passt das Format Twitter. 140 Zeichen müssen ausreichen, um alles zu vermitteln, was man in diesem Moment sagen möchte. Ideal für jemanden, der sich aufs Wesentliche konzentrieren und seine Aussagen dem Leser simpel und direkt zugänglich machen möchte. Dies tut Sibylle Berg Tag für Tag auf der virtuellen Plattform. Es ist eine wilde Mischung aus Selbstdarstellung, Kommunikation, Kritik und Brainstorming. Immer treffend, kurz, zielgerichtet, ironisch, kritisch, wissend. Sie selbst beschreibt Twitter als die „direkte Quatsch- und Linkschleuder“.

Die deutsche Autorin, die sich mittlerweile in Zürich niedergelassen hat, nutzt das Portal vor allem, um ihre eigene Meinung zu aktuellen Themen publik zu machen. Ursprünglich ist sie nur zu Twitter gekommen, weil sie Facebook optisch blöd fand, aber das Konzept Social Media doch für sich nutzen wollte.

Auch Inspiration findet sie bei Twitter und – trotz großer Phobie – manchmal auch in Katzenvideos. Inspiration ist sowieso das Wichtigste für Sibylle Berg. Wenn die fehlt, sucht sie Einfälle in den verschiedensten Bereichen: bildender Kunst, Sachbüchern oder Gesprächen. Manchmal setzt sie sich auch so lange vor die Tastatur, bis es Klick macht und der Tunnelblick zur Idee führt.

Eines ihrer großen Themen ist dabei der Feminismus. Junge Frauen will sie stärken und die Kluft zwischen den Geschlechtern endlich überwinden. Dafür schafft sie es sogar, Feminismus in 140 Zeichen zu definieren: „Der Traum von der gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Gleichheit der Geschlechter.“ Umso mehr ärgert es @sibylleberg, wenn Frauen ihren Körper anpreisen und nach dem Motto „Sex sells“ leben.

Den Geschlechterkampf erlebt die Autorin auch in ihrer eigenen Branche. „Autoren erklären die Welt, Autorinnen sich selbst“, sagt sie. Die Hoffnung, dass sich das doch noch ein Mal ändert, hat sie nicht aufgegeben. Häufig wird sie dennoch von Entscheidungen der Literaturkritiker enttäuscht und bringt dieses auch deutlich zum Ausdruck. Auf ihrer Lieblings-Mecker-Plattform Twitter:

Allerdings ist die Literaturwelt nicht das Einzige, worüber die Schriftstellerin sich gerne kritisch äußert. Sämtliche Artikel, ob von FAZ oder Stern, werden von ihr auseinander gepflückt. Nicht umsonst bezeichnet sie Twitter als „1A Tool, um Journalistenquatsch aufzudecken.“ Auch hier wird wieder deutlich, wie wichtig ihr Reflektion ist, da sie selber Kolumnen für die Onlineausgabe des Spiegel schreibt. Es geht darum einfach, simpel und ehrlich mit Sprache umzugehen. Dies ist die Aufgabe ihres Lebens – in allen Bereichen.

Wenn Sibylle Berg mal keine Bücher, Theaterstücke oder Tweets schreibt bereitet sie Lesetouren und Buchtrailer vor. So wie diesen hier von ihrem 2012 veröffentlichten Buch „Vielen Dank für das Leben“.

Auf Empfehlung von Sibylle Berg stellen wir als nächste Twitter-Persönlichkeit @wolfseulevor.

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