Die @EinoelWeigner sucht nach @mbukowski s klarer Linie. #Twittererkette

Wer ist das wirklich? Bei Twitter entsteht ein virtuelles Netzwerk aus Menschen, die sich originell und interessant finden, aber persönlich noch nie getroffen haben. Der Jahrgang 2014 der Kölner Journalistenschule hilft nach und stellt die Twitterer einander vor. Ein Twitterer wird portraitiert und und nominiert dann den nächsten. In Teil 2 stellt Leonie Weigner mbukowski vor, den zuvor gallenbitter nominiert hatte.
Leidenschaft, Hobby und Beruf: Michael Bukowski schreibt viel, sehr kurz und sehr lang. Foto: Ausschnitt von Bukowskis Twitter-Profilbild

Ein kleiner Platz in der Spätsommersonne. Geschäftiges Treiben. Sich unterhaltende, schlendernde Menschen. Keine Autos. Dafür gemütliche Cafés und Restaurants. An einem der kleinen runden Tische sitzt ein Mann mit seinem Laptop. Er scheint das gesellige Leben um sich herum zu genießen. Saugt es auf und schreibt.

Nein, die Szene spielt nicht in einer italienischen Kleinstadt, sondern in Berlin-Schöneberg. Dem Wohnort von Michael Bukowski. Der 46-jährige genießt sein Leben im etwas beschaulicheren Kiez mit kleinen Läden direkt vor der Haustür. Seine Heimat ist, war und wird immer Berlin bleiben – „die alte Schlunze“, wie er die Hauptstadt liebevoll nennt.

Schreiben, vorzugsweise in Cafés, sind Bukowskis Leidenschaft, sein Hobby, sein Beruf. Schreiben in jeder erdenklichen Art. Manchmal Romane, manchmal nur 140 Zeichen. @mbukowski ist die digitale Figur des Michael Bukowski. Die beiden seien sich sehr ähnlich, sagt er. Der Twitter-Kanal entspreche einer zugespitzten Version seiner Person. Er twittere, was ihn bewegt.

Wer Bukowskis Timeline liest, fragt sich schnell: Wo ist die Linie – der rote Faden, der alles verbindet? „Wer Twitter verstanden hat“, sagt Bukowski, „hat Twitter nicht verstanden“. Dies ist die siebte aus Bukowskis 15 „So muss Twitter“-Regeln. Darin beschreibt er, halb ernst, halb ironisch, sowohl Twitter-no-goes (z.B. Regel 6), als auch Erkenntnisse (z.B. Regel 3) und Verpflichtungen (z.B. Regel 8).

Bukowskis Twitter-Regeln: Kurz , aber komplex.

Die Regeln sind Teil von Bukowskis Blog. Dort erscheinen seit über zwei Jahren unregelmäßig Beiträge von ihm. Auch hier: keine klare Linie. Beobachtungen, Ankündigungen, Texte – „mal gaga, mal launig, mal fröhlich, mal böse, genauso wie es mir und meiner Wahrnehmung der Welt entspricht“. Doch seit geraumer Zeit, fällt immer wieder ein bestimmtes Wort: akkurat.

Bukowski ist Erfinder und Initiator des „Akkuraten Widerstands“. Im Zeitalter von Überwachung und Datenmissbrauch geht es bei dieser Initiative darum, diese Themen in die breite Bevölkerung zu tragen. Auf der Suche nach einem Weg zwischen Resignation und Aktivismus soll wöchentlich eine Art Datenstörfeuer erzeugt werden. Die einzelnen Aktionen sollen jeweils lustig und zugleich so einfach sein, dass „jede Oma mit ein paar Klicks mitmachen kann“. Genaueres wird noch nicht verraten. Im November geht der akkurate Widerstand online. Schon jetzt gibt es Kundgebungen und Demonstrationen aus den Reihen der Mitglieder. Ihr Markenzeichen dabei: der Dresscode. Ob Rock und Blazer, oder Anzug – Hauptsache akkurat.

Aussehen spielt für Bukowski scheinbar eine große Rolle. Auf seinen Fotos zeigt er sich gutaussehend und durchgestylt. Die halblangen hellbraunen Haare im out-of-bed-Look gelegt, Koteletten, Kinnbart und Schnäuzer perfekt gestutzt. Graue, schwarze oder blaue Hemden und Jacken unterstreichen die Farbe seiner Augen. Er wirkt nicht wie 46, aber wie ein Lebemann. Eine klare Linie. Seine Tweets dagegen: Mal philosophisch und tiefgründig, mal albern und erheiternd.

 

Fragt man ihn nach seiner Linie, erhält man eine treffende Antwort. Er sei „suchend, lernend, umbauend“. Alles prozesshaft. Michael Bukowski ist niemand, der stagniert. Er scheint immer auf der Suche zu sein, aber nach was? Neuen Geschichten? Ideen?

Sein Leben ähnelt seinem Schreibstil: mal so, mal so – und immer lässt er seine Umwelt einfließen. „Täglich ein Stündchen joggen, eine Sart-up-Serie drehen, Lesungen und Sessions für den Akkuraten Widerstand halten“ – so beschreibt er im Moment seinen Alltag. Er wirkt sprunghaft, oder zumindest spontan. Man weiß nicht, was sein nächster Tweet erzählt. Meist genau das, was man am Wenigsten erwartet.

Irgendwie überraschend. Womöglich ist das ja seine Linie.

Akkurat: Michael Bukowski leistet Widerstand. Foto: Ausschnitt von Bukowskis Twitter-Profilbild
Michael Bukowski möchte als nächstes @nouveaubeton portraitiert wissen. Wegen dessen „schrägem Stil mit klarer Linie“.

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