Warum @g_rantelhuber eigentlich doch ganz sympathisch ist! #Twittererkette

Wer ist das wirklich? Bei Twitter entsteht ein virtuelles Netzwerk aus Menschen, die sich originell und interessant finden, aber persönlich noch nie getroffen haben. Der Jahrgang 2014 der Kölner Journalistenschule hilft nach und stellt die Twitterer einander vor. Ein Twitterer wird portraitiert und nominiert dann den nächsten. In Teil 6 stellt Stefanie Diemand Grantelhuber vor, der zuvor von Wolfseule in die Twittererkette gelockt wurde.

Es ist das Jahr 2004, Erfurt. Eine Gruppe von Demonstranten zieht durch die Innenstadt – ihr Motto: „Deutschland hassen“. Es sind die „Antideutschen“, die sich unter anderem für bedingunglose Solidarität mit Israel stark machen und Sprüche gröhlen wie „IBM – USA – Antideutsche Antifa“. Mitten unter ihnen, ganz in schwarz gekleidet: Ein Mensch, der sich auf Twitter heute g_rantelhuber nennt.

Zehn Jahre ist die Demo her und g_rantelhuber hat 2008 mit den „Antideutschen“ gebrochen. Trotzdem verfolgt ihn seine Vergangenheit: Im Internet musste sich der Wiener schon mal als Antisemit und Israel-Pseudo-Kritiker bezeichnen lassen. Denn inzwischen kritisiert er die „Antideutschen“ offen. Und polarisiert weiter – im Netz statt auf Demos. Und auch ein bisschen vermummt will g_rantelhuber online bleiben: Seinen Klarnamen behält er lieber für sich.

Seine Tweets kritisieren und jede Kurznachricht mit ihm wird zum Abenteuer. Wenn er erklärt, warum er als Deutscher lieber in Wien lebt (man schimpft hier gerne), was ihn nach Österreich gezogen hat (die Liebe!) und wie er lebt (ohne Sofa), zeigt er sich wortgewandt. Manche seiner Tweets sind entlarvend-lustig, …

 

… manche etwas ernster aber mit ironischem Unterton …

 

… und viele sind politisch. Themen wie Ostdeutschland, linke Gruppen und der Staat ziehen sich durch seine Tweets. Auf einen Nenner lassen sie sich allerdings nicht bringen. Das stört ihn nicht, schließlich sind seine Tweets manchmal reiner Nonsens oder frei erfunden. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – folgen ihm über 1200 Twitterer. Warum eigentlich?

Auf Fragen antwortet g_rantelhuber schnell. Wie viele Stunden er täglich auf der Pattform verbringt, will er aber nicht verraten. Dafür erzählt er, was er wirklich von der 140-Zeichen Beschränkung hält:

140 Zeichen sind immer ein Bücherregal voll Zeichen zu wenig.

Trotzdem twittert er mehrmals täglich. In zehn Tagen etwa 400 Tweets. Insgesamt finden sich aber nur 1500, weil er ab und an aussortiert. Darüber beschweren sich seine Follower, aber das ist ihm egal. Wer noch mehr von ihm lesen möchte, findet genug auf seinem tumblr.

Dort definiert er auch, was ein Grantelhuber überhaupt ist:

Der Begriff Grantlhuber aus dem Süddeutschen und Österreichischen ist schwer zu übersetzen. Ein Grantlhuber ist ein Miesmacher, aber einer mit scharfem, oft verletzendem Zynismus. Ein Grantlhuber lacht nicht viel, hat aber einen beißenden Spott drauf, der durchaus ins Menschenverachtende umschlagen kann.

Granteln, das kann g_rantelhuber auf Twitter besonders gut. Das ist genau so ein Hobby für ihn wie Rauchen und Kaffeetrinken. Das lässt sich auch gut vereinen, denn er twittert am liebsten übers Handy – in einem Café sitzend.

Und der nahe Osten? Es ist ihm wichtig klarzustellen, dass er nichts gegen Israel habe, auch wenn er dem Land nicht mehr solidarisch gegenüberstehe. Die Kritik, die ihm deswegen manchmal entgegen schlägt, führt er auf seinen Austritt aus den Antideutschen zurück. Fragt man ihn nach seiner heutigen Haltung im Nahostkonflikt, ist g_rantelhuber überraschend diplomatisch:

Trotzdem ist es kein Wunder, dass g_rantelhuber manche Menschen mit seinen Tweets verärgert. Am Ende mag man ihn aber trotzdem. Warum das so ist, bringt Twitterfreundin wolfseule auf den Punkt:

Auf Empfehlung von @g_rantelhuber stellen wir als nächste Twitter-Persönlichkeit @elquee vor.

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