„Wir sind zu jung, um es auszusitzen“ – @MmeCroye über ihr neues Magazin @bizzmiss_de

Melanie Croyé hat mit drei Kolleginnen das Magazin BizzMiss gegründet, ein Wirtschaftsmagazin für Frauen. Im Interview erklärt die 29-Jährige, wie Wirtschaftsberichterstattung für Frauen geht, wie politisch BizzMiss ist und wieso ihr Gründen keine Angst macht.

Mit drei Kolleginnen hat Melanie Croyé Bizzmiss gegründet. Die Idee dazu kam ihr schon während ihrer Ausbildung an der Kölner Journalistenschule.

Melanie, was stört Dich an der herkömmlichen Wirtschaftspresse?

Die meisten Texte sind über und für Manager ab 60 Jahren geschrieben. Das passt nicht zu unserer Generation.

Liegt das daran, dass die meisten Chefposten in Unternehmen mit Männern besetzt sind?

Das ist ja das Problem! Die Presse kann mithelfen, das zu verändern. Frauen sollen sich in der Wirtschaft wohler fühlen. Das unterstützen wir. Deshalb haben wir BizzMiss gegründet.

Das klingt nach Kampfansage. Wie politisch ist BizzMiss?

Wir sind nicht politisch im Sinne von parteiisch. Wir sind auch keine Feministen. Wir finden, Frauen müssen gefördert werden. Unsere Generation, ab Anfang 30, ist theoretisch gleichberechtigt aufgewachsen. Und trotzdem stoßen wir in der Berufswelt immer noch auf Schwierigkeiten, die Männer nicht haben.

Wie wollt Ihr Frauen mit BizzMiss unterstützen?

Frauen brauchen generell mehr Zuspruch. Wir wollen ermutigen, informieren, beraten, unterstützen – und natürlich auch unterhalten.

Muss man Frauen Wirtschaftsthemen anders erzählen als Männern?

Grundsätzlich muss man Wirtschaft nicht anders erklären. Den entscheidenden Unterschied machen die Themen: Zum Beispiel Work Life Balance, Karriere, Arbeiten mit Kind. Das sind Themen, die oft zu kurz kommen.

Denkt Ihr Euch manchmal: Tolle Geschichte, die Hauptrolle spielt aber leider ein Mann?

Wir lassen auch gerne Männer zu Wort kommen! Dann geht es aber um Frauenthemen.

Wer soll BizzMiss lesen?

Unsere Leserin ist in etwa zwischen Mitte 20 und Mitte 40, berufstätig und möchte Karriere machen.

Was macht BizzMiss anders als zum Beispiel WirtschaftsWoche und Capital?

Es gibt zu wenige weibliche Vorbilder in der Wirtschaftspresse. Wir stellen regelmäßig erfolgreiche Frauen vor: woher sie ihre Ideen nehmen oder auch mal wie sie gescheitert sind. Ein Dauerthema, das uns selbst häufig beschäftigt, sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Honorarverhandlungen. Das kommt viel zu selten vor in der Wirtschaftsberichterstattung. Deswegen werden wir das Thema aufgreifen.

Brauchen weibliche Leser einen persönlicheren Zugang zu Wirtschaftsthemen?

Ja. Wir sind noch dabei unseren Stil zu finden, aber er wird sicher persönlicher. Schließlich schreiben wir über die Dinge, die uns unter den Nägeln brennen.

An welchem Punkt habt Ihr Euch gedacht: Jetzt gründen wir ein Wirtschaftsmagazin für Frauen?

Die Idee hatte ich schon während meiner Ausbildung an der Kölner Journalistenschule (die dieses Blog betreibt – Anmerkung der Redaktion). Ich wollte bei der Debatte um die Zukunft des Journalismus nicht länger nur zusehen, sondern mein eigener Chef sein, was ausprobieren. Wir sind zu jung, um den Medienwandel auszusitzen.

Wie finanziert Ihr Euch?

Bisher haben wir kaum Kosten. Das heißt, wir sind bislang nur mit unserer Zeit in Vorleistung gegangen. Wir haben einige Anfragen für Medienkooperationen und werden uns über Newsletter-Marketing und Mehrfachverwertung finanzieren.

Wie hoch war das Risiko ein eigenes Magazin zu gründen?

Es gab keins. Ich merke nichts von der Medienkrise. Selbst wenn das Projekt scheitert, habe ich schon so viel gelernt, dass es sich gelohnt hat.

Gibt es Euch irgendwann auch gedruckt?

Wir können uns vorstellen eine Premium-Ausgabe zu drucken. Geplant ist das aber erstmal nicht. Wir sind alle Verfechter von Online.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *