Wo Stadtgebiet und Autobahn aufeinander treffen: Raphaël Bourelly erkundet die #AutorouteDuSoleil bei #Valence

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 3 schreibt Janina Schreiber über die Autoroute du Soleil – die bekannteste Autobahn Frankreichs.

Als sein Bruder an die Autobahn der Sonne zog, war das ein Glück für Raphaël Bourelly. Der 29-jährige Fotograf möchte verstehen, wie sich Ort verändern. Orte, an denen Schnelllebigkeit, Zivilisation, Verschmutzung, Einsamkeit und Enge aufeinandertreffen. Die A7, die Autoroute du Soleil, ist für ihn so ein Ort. Sie verläuft durch den Wohnort seines Bruders, die Kleinstadt Valence im im Rhônetal, südlich von Lyon.


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Zwar habe ich mich schon immer mit Grenzgängen in jeglicher Art und Weise beschäftigt, aber die Nähe zur Autoroute du Soleil war eine Art neue Chance. So konnte ich mir das Gebiete zwischen Stadt und Autobahn erschließen.

Die Autobahn ist berüchtigt für ihre kilometerlangen Staus und die Millionen an Autofahrern, die sie jedes Jahr auf dem Weg in den Sommerurlaub passieren. Als Verlängerung der A6, die in Paris ihren Anfang hat, führt die Autoroute du Soleil auf 314 Kilometern weiter in den Süden, von Lyon nach Marseilles. Stau, Stress und Hitze sind zur Urlaubssaison vorprogrammiert.

Unterwegs versorgen sich die Reisenden an den vielen Raststätten. Hier kommt Raphaël Bourelly ins Spiel. Nachts besucht er die kleinen und größeren Pausenorte an der Strecke, wenn die Urlauber schon wieder weg sind. Wenn sie längst die Badeorte an der Côte d’Azure oder an der Südküste erreicht haben.

Der in Paris lebende Fotograf Raphaël Bourelly (Quelle: DER GREIF ONLINE)

Weil auch in den Sommermonaten die Nächte kalt werden und weil Bourelly keinen Führerschein hat, war die Arbeit für ihn alles andere als komfortabel.

Ich hatte bei all den Abbildungen der Wirklichkeit eben auch einen ästhetischen Ansatz, wollte das Schöne des Augenblicks herausarbeiten. Das braucht seine Zeit.

„Ich musste den Weg von Valence bis zur Grenze der Autoroute du Soleil zu Fuß laufen. Die Veränderungen bemerkt man so viel eingängiger“, erklärt der Fotograf. Auch die Veränderungen über die Jahre:

Aus den Leitplanken sind Bürgersteige geworden, oder Radwege, oder Fußgängerüberwege. Die Grenzen des Stadtgebietes von Valence und der Autoroute du Soleil sind zunehmend verwischt, und ich habe, langsam, aber sicher, eine Erweiterung der städtischen Grundstücke beobachten können.

Nicht nur für ihn steht fest: Der Raum zwischen dem Stadtgebiet von Valence und der Autoroute du Soleil befindet sich in der Schwebe. Auch die Stadtbehörde von Valence hat sich bereits mit der Verschmelzung der Gebiete, dem Verschwinden der Grenze beschäftigt. Auf ihrer Internetseite wirbt die Gemeinde mit der guten Anbindung zur Autobahn, bezieht das jedoch eher auf den Tourismus, als ein Verschwinden der Grenze, wie Bourelly es konstatiert.

Seine insgesamt 27 Bilder von der Autoroute präsentiert der Fotograf auf Flickr und seinem Blog. Magazine wie „Der Greif“ sind bereits auf ihn zugekommen und wollen einige der Fotos drucken.

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