Wie ein 19-jähriger Student aus Kiew die Internetgemeinde in Angst und Schrecken versetzt

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Der Arm eines riesigen Krans, etwa hundert Meter über dem Boden, gefilmt mit einer wackligen Kamera. Am äußeren Ende: ein junger Mann mit blauer Mütze und Kopfhörern. Die Kamera zoomt an sein Gesicht, die braunen Augen blicken ruhig und konzentriert auf den schmalen, roten Metallbalken des Krans vor ihm. Dann beginnt er zu balancieren – vollkommen ungesichert. Der junge Mann ist Pavel, ein 19 Jähriger Student aus Kiew. Geklettert hat Pavel schon sein Leben lang. Mit seinem waghalsigen Balanceakt auf dem Kran aber hat er die Internetgemeinde in Angst und Schrecken versetzt. Im Gespräch mit 140z schildert Pavel sein lebensgefährliches Hobby:

„ Ich kletter auf Kränen, Brücken, Gebäuden- eben auf allem was eine gewisse Höhe hat.“

Gefilmt wurde Pavel von seinem Freund Natasha Sadovsskaya der bei You Tube unter dem Namen „ETruelov“ regelmäßig Videos von den gefährlichen Aktionen der beiden veröffentlicht. Doch kein Video hat so viele Reaktionen ausgelöst wie dieses. Für schwache Nerven ist es nichts, beim Zuschauen wird einem regelrecht schwindelig. Man kann kaum hinsehen, während Pavel über den Kran balanciert. Die Kommentatoren des Videos ging es auch so:

„AAAAlter. Is das noch normal, wenn ich mit verschwitzen Händen und erhöhtem Pulsschlag vorm Rechner sitze und junge Russen beschimpfe, wie bekloppt die sind?“

. Während Pavel, mit nur einer Hand am Kran, spielerisch Klimmzüge macht, bleibt einem regelrecht der Atem stehen.

Das Video ist bei You Tube mit einer Altersbeschränkung versehen und hat im Internet für Aufsehen gesorgt: „Kann man sowas nicht einfach ignorieren? Oder haben wir noch zu wenige Nachahmer?“. Nachahmer gibt es genug, ohne Sicherung auf hohe Bauwerke zu klettern, ist inzwischen eine Trendsportart, die besonders in Russland sehr beliebt ist. In Anlehnung an das englische Wort für „Dachdecker“ nennen sich die Kletterer „Roofer“.

Doch was macht das Klettern in atemberaubender Höhe so reizvoll für die Jugendlichen? Ist es das Gefühl der Freiheit? Das Gefühl, auf die Stadt herabzuschauen und seinen Alltag weit hinter sich zu lassen? Ein Gefühl, für das die „Roofer“ ihr Leben riskieren.

„ Es macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß, wenn ich oben stehe habe ich keine Angst.“

Doch der 19-Jährige möchte niemanden dazu raten, selbst auf einen Kran zu steigen. Nicht nur die Internetgemeinde sieht Pavels Kletteraktionen kritisch und reagiert mit verständnislosen Kommentaren auf den waghalsigen Balanceakt:

„Wäre mal interessant zu wissen, wie viele Leute dabei schon drauf gegangen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das immer alles glimpflich ausgeht“

. Auch die Polizei in Kiew hat etwas gegen die riskante Freizeitbeschäftigung der Jugendlichen. Sie haben Pavel schon häufig festgenommen. Doch er macht einfach weiter. Er liebt diesen Kick – genau, wie seine Fans, die ihn als Helden feiern:

„Für mich bist du ein Superheld“, „Respekt“, „Ich finde er zeigt eine Menge Mut – Nichts ist unmöglich“.

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