Wanderweg der Extreme: Der #GR20 auf #Korsika verbindet Meer und Gebirge

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 14 schreibt Cem Güler über den Fernwanderweg GR 20 auf Korsika, der als der schwierigste Europas gilt.

GR 20 Corse 2012

Vom Mittelmeer weht eine sanfte Brise durch das Tal, weiter oben schimmert der ewige Schnee auf den Gipfeln – Der Grande Randonnée 20 (GR 20) auf Korsika ist ein Wanderweg der Extreme. Bei Abenteurern berüchtigt als der schwierigste Europas, von Urlaubern geliebt wegen den landschaftlichen Kontrasten. Er erstreckt sich auf 170 Kilometer Zwischen Calenzana im Nordwesten und Conca im Südosten der Mittelmeerinsel.


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Julie Michel lebt in dem kleinen Dorf Quenza, unweit des GR 20. Manchmal übernachten Wanderer bei ihr, die sie über die Online-Plattform Couchsurfing gefunden haben. Vor kurzem hat die leidenschaftliche Sportlerin ihr Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet jetzt als Bergführerin. Jetzt führt sie selbst Touristen über den Wanderweg vor ihrer Haustür.

Unser Dorf liegt auf über 800 Meter Höhe (und natürlich ist es das schönste Korsikas) und es ist sehr lebendig hier. Man würde sagen, das Dorf hat eine richtige Seele, was in der Gegend nicht mehr selbstverständlich ist.

Bergführerin aus Quenza, Korsika

Der Sehnsucht nach diesen einsamen Ortschaften sind früher nur einzelne Backpacker gefolgt: Der Gr 20 galt bis vor wenigen Jahren noch als Geheimtipp unter Europas Fernwanderwegen. Guy Decos vom korsischen Landwirtschaftsministerium hatte sich in den 70er Jahren in den Kopf gesetzt, einen Pfad zu erschließen, der die Küsten der Insel verbindet – und wurde dafür belächelt. Heute, über 40 Jahre später ist die Route gut ausgebaut. In den Berghütten auf dem GR muss man mittlerweile vorher Betten reservieren, so groß ist der Andrang.

Auch dank des Internets wird der Weg immer populärer. Der Twitter-User und Blogger Fabian Klindt aus Frankfurt ist den GR 20 im August 2012 gewandert:

 

Eis, Stürme, Brände: Solche extremen Wetterverhältnisse machen das Wandern auf dem GR 20 besonders schwer – zumindest in den gebirgigen Abschnitten im Norden zwischen Calenzana und Vizzavona: Wanderer müssen hier viele Klettersteige überwinden, oder auf schmalen Pfaden an Stahlseilen entlang gehen.

lifeline

Viele Rucksacktouristen fahren deshalb direkt mit der Bahn bis nach Vizzavona und steigen dort direkt in den leichteren Südteil der Tour ein. Insegsamt ist der GR 20 in 16 Tagesetappen á 8 Stunden eingeteilt. Diee Herausforderung ist, durchzuhalten: Elf Kilometer bergauf und elf Kilometer bergab geht es laut GPS-Daten  – bei Temperaturen bis zu 30 Grad und mehr im Sommer.

Widrigkeiten, von denen sich Bergsteiger erst recht herausgefordert fühlen. So wie für Fabian Klindt, der die Strecke in zwei Wochen alleine gelaufen ist und dabei seine Kamera an verschiedenen Orten für mehrere Stunden aufgestellt hat. So entstand ein Timelapse-Film, der die Wetterverhältnisse und die Landschaft Korsikas zusammengerafft darstellt.

GR20 – One Step At A Time from hugsforhikers on Vimeo.

Die Korsen selbst reagieren gespalten darauf, dass der GR 20 immer bekannter wird. Der Couchsurfer Marc Pelloté aus der Küstenstadt Propriano nimmt regelmäßig Wanderer bei sich zu Hause auf. Er erzählt:

Die Belastung der Umwelt durch den Tourismus am GR 20 sorgt innerhalb der korsischen Gesellschaft immer wieder für Diskussion.

Bemerkenswert: Laut dem nationalen Statistikamt Insée ist die Anzahl der Übernachtungen auf Campingplätzen in Korsika auf knapp 3,5 Millionen im Jahr 2012 gestiegen. Auf dem französischen Festland sinkt diese Zahl hingegen seit Jahren. Im Jahr 2010 waren auf der Insel über 18.000 Menschen im Tourismus tätig.

Wirtschaftsbilanz der Insée zu Korsika. Erstes Trimester 2013

Obwohl der Tourismus der ärmsten Region Frankreichs (über 10 Prozent Arbeitslosigkeit) wirtschaftlich hilft, spaltet er die Insel. Auf der einen Seite die Naturliebhaber, für die das bergige Landesinnere Korsikas möglichst unberührt bleiben soll. Auf der anderen Seite die Hüttenbetreiber, die auf die Wandererscharen im Sommer angewiesen sind. Auch hier wieder: Der GR 20, eine Route zwischen Extremen.

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