Journalistisches Urheberrecht- mit Twitter vereinbar? Streit zwischen @viktorgiacobbo @kurtwzimmermann & @patrik_mueller

Streitende Politiker, Promis, Journalisten: Twitter ist zur Arena für spannende Debatten zu aktuellen Themen geworden. In der Serie „Twitterdebatten“ zeichnen Journalistenschüler des Jahrgangs 2013 nach, wie sich einflussreiche Twitterer online streiten. Sie ordnen die Diskutanten und ihre Argumente mit Hilfe des Tools Storify ein, und zeichnen nach, wie die Debatte sich in den Medien ausehnt. Im siebten Teil der Serie berichtet Nora Kolhoff, wie das Urheberrecht im Facebook-Zeitalter Journalisten entzweit.

„That´s twitter. Welcome.“ Der Tweet von Patrik Müller, dem Chefredakteur der „Schweiz am Sonntag“, klingt trotzig und markiert den Höhepunkt einer Debatte, die ebenso gut in Deutschland hätte geführt werden können. Um die Frage, was auf Twitter erlaubt ist – und wann Tweets gegen das Urheberrecht verstoßen.

Was ist passiert? Am 19. Dezember twittert Müller einen Artikel des Journalisten Kurt W. Zimmermann als Bilddatei. In voller Länge lesbar. Zimmermann, der für die Schweizer Weltwoche schreibt, ist erbost. Denn der Text ist im Netz eigentlich nur für Abonennten der Weltwoche abrufbar. „Mir ist wichtig, dass meine Texte nicht freigeschaltet sind“, antwortet er, „dann twitterst Du sie durch die Welt. No good.“

Twitter und das Urheberrecht – das ist kein einfaches Thema. Tatsächlich ist es erlaubt und üblich, Texte per Twitter zu verlinken. Auch Kurzzitate dürfen verbreitet werden. Anders sieht es jedoch aus, wenn man ganze Artikel hoch lädt und über sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter verbreitet – ohne Einwilligung des Autors. Warum das nicht zulässig ist, kann man bei Süddeutsche-Autor Heribert Prantl nachlesen: Gemeinfrei, also von jedermann verwertbar, sei „die Kurznachricht und die blanke Information, gemeinfrei ist der Tatsachenkern jeder Zeitungsgeschichte und jedes Artikels – aber nicht der Artikel selbst.“

Das gilt übrigens seit einer Übereinkunft von 1886, die ausgerechnet in Bern besiegelt wurde – die Schweizer sollten es also wissen. Kein Wunder also, dass Patrik Müllers Tweet eine Debatte auslöst: Erst kontert Autor Kurt W. Zimmermann. Und dann schaltet sich auch noch der Schweizer Schauspieler Viktor Giacobbo ein. Er hat eine populäre Sendung beim SRF, dem Schweizer Radio- und Fernsehsender. Und so streiten zwei Journalisten und ein aus Rundfunkgebühren bezahlter Kabarettist über Urheberrechtsverletzungen. Der Ton ist alles andere als heiter:

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