Welche Bedeutung der #suezcanal für die Ägypter, ihre Geschichte und die Wirtschaft hat

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 13 schreibt Martin Pirkl über den Suezcanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.

Ägypten ohne den Suez-Kanal? Das kann sich Ahmed Mustafa nicht vorstellen. Für gehört die Wasserstraße genauso zu seinem Heimatland wie die Pyramiden. Der 29-jährige lebt in Suez – jener Stadt an der Norspitze des Roten Meers, die dem Kanal seinen Namen gegeben hat. „Der Suezkanal ist nicht nur ökonomisch bedeutsam für die Stadt, weil er vermutlich etwa 60 Prozent der Einnahmen der Provinz Suez ausmacht“, sagt Mustafa. „Der Kanal ist auch historisch wichtig für Ägypten – ähnlich wie die Pyramiden und der Nil.“

Ahmed Mustafa hat recht: Der Suezkanal ist eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt. 14 Prozent des weltweiten Frachtverkehrs wird durch den Suezkanal geleitet. Das sind 15.000 Handelsschiffe jährlich. Außerdem zählt die Wasserstraße, die seit 1956 Eigentum Ägyptens ist, zu den Haupteinnahmequellen des Staates.


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Allerdings forderte allein der Bau des Kanals einen hohen Preis. Erdacht wurde der Kanal von dem französischen Diplomaten und Ingenieur Ferdinand des Lesseps. Die von ihm unter französischer Hoheit gegründete internationale Gesellschaft „Compagnie universielle du canal maritime de Suez“ begann 1859 mit den Bauarbeiten. Die Gesellschaft hielt die Mehrheit der Anteile an dem Bauprojekt und für 99 Jahre die Nutzungsrechte am Kanal. Der Rest der Anteile gehörte dem ägyptischen Staat. Die Arbeiten dauerten zehn Jahre und kosteten 19 Millionen Pfund. 1,5 Millionen Menschen beteiligten sich am Bau, viele starben bei den Arbeiten. Manchen Quellen zufolge ließen sogar bis zu 125.000 Menschen ihr Leben.

Ein Containerschiff bei Suez
Ein Containerschiff bei Suez. Im Hintergrund die große Moschee von Suez. Foto: Dank an Vyacheslav Argenberg, CC-Lizenz via flickr.com/photos/Argenberg

1956 verstaatlichte der ägyptische Präsident Nasser zwölf Jahre vor dem Auslaufen der Nutzungsrechte den Suezkanal. Dies löste die Suezkrise aus. Französische, britische und israelische Truppen griffen Ägypten an. Aufgrund des schnellen Eingreifens der Uno, der USA und der UdSSR wurde der Kriegsschauplatz nach wenigen Monaten wieder geräumt.

Doch die Krise blieb nicht der einzige militärische Konflikt um den Suezkanal. Im Sechstage-Krieg rückten israelische Soldaten 1967 bis zum Kanal vor. Die Wasserstraße wurde für die Schifffahrt gesperrt und bildete die ägyptisch-israelische Grenze. Bei der Sperrung des Kanals wurden 14 internationale Frachtschiffe festgesetzt. Sie konnten den Großen Bittersee, ein Gewässer inmitten des Suezkanals, nicht verlassen. Ein Teil der Besatzungen räumte nach einigen Wochen die Schiffe. Der Rest wurde halbjährlich ausgetauscht. Erst 1975 konnten die Schiffe ihre Fahrt wieder fortsetzen.

Im Jom-Kippur-Krieg 1973 erstürmte Ägypten den Suezkanal. Den Israelis gelang in einem Gegenangriff ein Brückenschlag über den Kanal. Nach Kriegsende zogen sich die Israelis in den Sinai zurück. Der Suezkanal befand sich nun wieder vollständig unter ägyptischer Kontrolle und konnte so 1975 wieder eröffnet werden. Bis heute ist er allen Schiffen aller Nationen frei zugänglich.

Der Hafen von Suez
Der Hafen von Suez. Foto: Dank an Vyacheslav Argenberg, CC-Lizenz via flickr.com/photos/Argenberg

Seit 1956 ist der Suezkanal in Besitz der staatlichen „Suez Canal Authority“. Die Behörde ist für den Betrieb, die Sicherheit und die Wartung des Kanals verantwortlich. Sie finanziert sich mit den Gebühren, die sie für die Durchquerung des Kanals verlangt. Etwa acht Euro kostet eine Tonne. So nahm die Behörde 2010 etwa drei Milliarden Euro ein, durchschnittlich 20.000 Euro pro Schiff. Ein Großteil des Geldes fließt in den Etat Ägyptens und seiner Provinzen.

Die Durchfahrt ist nicht billig für die Reedereien. Doch der Zeitgewinn ist enorm, da nicht mehr ganz Afrika umfahren werden muss. Die Durchquerung des 193 Kilometer langen Kanals dauert 12-16 Stunden. Aufgrund der geringen Breite des Kanals (200-300 Meter) wird der Kanal einspurig befahren. Im Großen Bittersee warten die Schiffskolonnen auf den Gegenverkehr, bevor sie weiterfahren können.

In Port Said mündet der Kanal schließlich ins Mittelmeer. Der 52-Jährige Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts in Port Said, Khalid Ibrahim, kann sich seine Stadt gar nicht mehr ohne den Suezkanal vorstellen. „Ägypten ohne den Kanal wäre für mich undenkbar, gerade in Port Said. Ich sehe den Kanal täglich auf dem Weg zur Arbeit. Die riesigen Containerschiffe auf dem Kanal sind ein beeindruckender Anblick. Besonders toll ist aber das Farbenspiel, dass man beobachten kann. Oben der hellblaue Himmel, unten der aquamarinblaue Kanal und in der Mitte das gelbe des Wüstensands“, erzählt Ibrahim. „Da geht mir jeden Tag das Herz auf.“

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