Göttliche Eingebung? Wie Katharina Greve mit einem @pontifex-Cartoon und dank @K_SA den Volltreffer ihres Lebens landete

In der Serie „Mem der Woche“ stellt der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat die Berliner Karikaturistin Katharina Greve ziemlich plötzlich ziemlich berühmt gemacht. Am Tag nach der Nachricht aus dem Vatikan klingelte ihr Telefon beinahe im Minutentakt und ein Cartoon, den sie vor Monaten gezeichnet hatte, verbreitete sich auf einmal wie ein Lauffeuer im Netz.

Grund: Die Zeichnung sagt den Rücktritt des Papstes voraus und ist genau zum richtigen Zeitpunkt in einem Kalender des Berliner Espresso Verlags erschienen. Darauf zu sehen ist Benedikt XIV., wie er auf einem Sofa sitzt und die Ziehung der Lottozahlen verfolgt. Die Überraschung: Er hat sechs Richtige und die Superzahl. Die Reaktion des Kirchenoberhauptes: „Heiliger Strohsack! Morgen kündige ich!“

Zwar hat der Papst nicht im Lotto gewonnen, sondern zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Trotzdem: Nachdem mehr als 700 Jahre lang kein Papst bei lebendigem Leibe abgedankt hat, wirkt Greves Karikatur fast wie eine göttliche Eingebung.

Deswegen machte der Cartoon nach dem Rücktritt des Pontifex im Netz schnell die Runde. Kordula Schulz-Asche alias @K_SA, Landesvorsitzende der Grünen in Hessen, war eine der ersten, die das Kalenderblatt bei Twitter verbreiteten. Am Montag lud sie die Zeichnung bei Twitter hoch. Dort wurde das Bild mehrere Hundert Male retweetet und mehr als 220 Mal favorisiert.

Auch via Facebook ging die Karikatur um die Welt. Prompt berichteten Medien wie die FAZ und die BILD und sogar Blogs und Medien außerhalb Deutschlands stürzten sich auf Greves Cartoon. So berichtete msnNow.com über das Bild, wies aber darauf hin, dass seine Heiligkeit wahrscheinlich nicht wegen eines Lotteriegewinns zurückgetreten sei. Trotzdem mache das mehr Sinn als so manche Verschwörungstheorie. Wie auch immer: Die Online-Gemeinde ist längst überzeugt, dass Katharina Greve hellseherische Fähigkeiten haben MUSS.



Twitter
Twitter

Für Greve indes kam die Onlinewelle vollkommen überraschend. „Insgesamt ist das alles sehr seltsam für mich“, sagt die Zeichnerin im Gespräch mit 140z.de, „aber es freut mich natürlich“. Eigentlich sei sie davon ausgegangen, dass Cartoons ins Deutschland nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie eigentlich verdienen. Von wegen.

Dass die Zeichnung schließlich ausgerechnet am richtigen Tag im Kalender landete, ist laut Greve allerdings keiner göttlichen Eingebung zu verdanken, sondern „reiner Zufall“. Nach eigenen Worten kann sie es selbst kaum glauben, dass ihr Cartoon den Rücktritt des Papstes vorhergesehen hat. „Das war wahrscheinlich der größte Zufall meines Lebens, wie ein Sechser im Lotto“, so Greve. „Von jemandem, der von Gott berufen worden ist, erwarte ich ja eigentlich schon, dass er den Job bis zum Schluss macht.“ Wobei sie womöglich doch einen speziellen Riecher für die Aktivitäten des Pontifex hat:

„Wahrscheinlich habe ich schon einen Draht zu ihm. Bei der Papstwahl 2005 war ich die einzige aus meinem Freundeskreis, die auf den deutschen Papst getippt hat.“

Katharina Greve bekommt seit Montag via E-Mail und Facebook unzählige Glückwünsche zu ihrem „Volltreffer“. Auf die Idee zum Papst-Cartoon kam die Künstlerin nach eigenen Worten schon im Jahr 2011 nach dem Tod von Loriot. In einem legendären Sketch des Humoristen aus dem Jahr 1984 geht es um den Rentner Erwin Lindemann, der im Lotto gewonnen hat und mit dem Geld eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen möchte. Außerdem will er sich eine Reise mit seiner Tochter nach Rom gönnen – zu einer Audienz beim Papst.

„Ich habe die Motive aus dem Sketch einmal richtig durchgewürfelt und dann auf den Tisch geknallt, bis etwas Lustiges dabei rauskam.“

Mit weiteren Vorhersagen durch Zeichnungen sei aber vorerst nicht zu rechnen, verspricht Greve. Zwar enthält der Kalender noch drei weitere Werke von ihr, doch diese zielen nicht auf spezielle Ereignisse ab.

Unklar ist, ob der Papst selbst nach dem Wirbel um Greves Grafik diese zu Gesicht bekommen hat. Einen Twitter-Account hat das Kirchenoberhaupt zwar, aber retweeted hat er das Bild bisher nicht.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *