Die Schiffs-Kontrolleurin: Wie Diana Vergara dafür sorgt, dass am @canaldepanama alles glatt läuft

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 2 schreibt Julia Löffelholz über den Panamakanal – eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.


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Wenn Diana Vergara aus dem Fenster ihres Büros schaut, dann geht für sie jedes Mal ein alter Kindheitstraum in Erfüllung: Sie kann den Panamakanal sehen. „Schon als Schülerin wollte ich unbedingt am Kanal arbeiten“, erzählt die 47-Jährige. Doch als Diana Vergara zur Schule ging war das nur wenigen Panamaern möglich. Der Grund: Die Kanalzone war Hoheitsgebiet der USA – mitten in Panama.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte Frankreich angefangen, einen Kanal durch die Landenge von Panama zu graben, war aber an Klima und Kosten gescheitert. Die USA kauften Frankreich den Kanal ab, stellten ihn fertig und im Jahr 1914 passierte ihn das erste Schiff. Rund 28.000 Menschenleben soll der Bau des Kanals gekostet haben.

Für den Seehandel bedeutete er eine große Erleichterung. Denn die 81,6 Kilometer lange Wasserstraße verbindet Atlantik und Pazifik und erspart Schiffen die wochenlange Fahrt um das Kap Hoorn an der Spitze Südamerikas. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gehörte der Kanal den USA. In der 1474 Quadratmeter großen Kanalzone galt amerikanisches Recht, Panamaer durften sie ohne Erlaubnis nicht betreten.

Diana Vergara an ihrem Schreibtisch (Foto: Diana Vergara)

Davon ließ sich Diana Vergara nicht abschrecken. „In der Schule habe ich gelernt, dass man Englisch sprechen muss, um am Kanal zu arbeiten“, erzählt sie. Deshalb ging sie 1986 in die USA und studierte Business Administration an der Kent State University in Ohio. Nach ihrem Abschluss kehrte Vergara nach Panama zurück, um ihren Master zu machen. Zusätzlich bewarb sich um eine Stelle bei der „Panama Canal Commission“, der amerikanischen Verwaltungsbehörde. „Ich hatte keine Ahnung von der Struktur eines Schiffes, aber ich wollte unbedingt am Kanal arbeiten“, sagt sie. Und es klappte. Vergara wurde Admeasurer (auf deutsch: „Abmesser“). Als einzige Frau unter vielen männlichen Kollegen kontrollierte sie, ob die Maße der Schiffe den Regeln entsprachen, sie nicht zu voll beladen waren und nicht zu viele Passagiere an Bord hatten.

Den Panamakanal darf nämlich nicht jedes Schiff durchqueren. Das liegt daran, dass die Schleusen, mit denen die Schiffe die Höhenunterschiede im Landesinneren überwinden, für viele Schiffe zu klein sind. Schon kurz nach der Einfahrt in den Kanal nahe der Stadt Colón befördern Schleusen die Schiffe auf 26 Meter Höhe. Später werden sie auf gleiche Weise wieder zurück auf das Meeresniveau abgesenkt.

Damit die Schiffe in die Schleusenkammern passen, dürfen sie nicht länger als 294,3 Meter und nicht breiter als 32,3 Meter sein. Außerdem dürfen sie höchstens 4.600 Container der Standardgröße geladen haben. Ein Schiff, das genau diesen Werten entspricht, wird Panamax-Schiff genannt.

Die Gatún-Schleusen (Foto: Dank an Roger Wollstadt, CC-Lizenz via flickr.com/24736216@N07/)

Im Schichtdienst kontrollierte Vergara, ob die Schiffe sich an diese Vorgaben hielten. Nebenbei musste sie für ihre Arbeit selbstständig Schiffsbauingeneurwesen erlernen und ihren Master an der Uni machen. „Ich habe jede freie Sekunde gelernt“, berichtet sie. „Ich wollte zu den Besten gehören.“

Heute leitet Vergara die Abteilung „Admeasurement“. Doch als sie ihre Tätigkeit begann, hatte sie erst einmal mit vielen Veränderungen zu kämpfen. Denn nur wenige Monate später, am 31. Dezember 1999, übergaben die USA den Kanal dem Staat Panama und zogen sich komplett aus der Verwaltung zurück.

Für Vergara war das eine schwierige Zeit. „Die Arbeiter waren unmotiviert, vakante Stellen wurden nicht wiederbesetzt und andere Arbeitsverhältnisse waren zeitlich begrenzt“, erzählt die Mutter einer Tochter. „Ich saß auf dem Schleudersitz mit viel Theorie aber wenig Erfahrung.“

Ein Containerschiff auf dem Panamakanal (Foto: Dank an Roger Wollstadt, CC-Lizenz via flickr.com/24736216@N07/)

Doch wider Erwarten florierte die panamaische Wirtschaft und das tut sie bis heute. Die Gewinne aus dem Kanal steigen stetig. Die Autoridad del Canal de Panamá, die den Kanal seit 2000 verwaltet, gibt 9000 Menschen Arbeit. Mehr als 13 000 Schiffe durchfahren jedes Jahr den Kanal. Im Schnitt 37 am Tag. Seit 2007 wird der Kanal erweitert. An einigen Stellen wird er vertieft, zu den drei bestehenden Schleusen kommen zwei weitere hinzu. Dadurch soll die Durchfahrtszeit verkürzt werden. Nach Ende des Umbaus im Jahr 2014 sollen doppelt so viele Schiffe wie bisher jährlich den Kanal durchqueren können und auch für größere Schiffe ist die Durchfahrt dann möglich. Auch für Vergara bedeutet dies wieder eine Veränderung. Doch sie bleibt gelassen. „Das, was das Leben interessant macht, sind die Herausforderungen, die uns begegnen.“

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