Mein Kompliment, Student: Wie vier kanadische Studentinnen das Internet freundlicher machen

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

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So oder ähnlich lesen sich die Kommentare auf dem Facebook-Profil von „Queen’s U Compliments“, das einen Trend im sozialen Netzwerk ausgelöst hat. Anonym können hier Studenten der Queen’s University im kanadaschen Kingston kleine Botschaften und Komplimente an ihre Kommilitonen veröffentlichen. Seit dem Start der Seite im September vergangenen Jahres stapeln sich hier Nettigkeiten, Schmeicheleien und kleine Liebesbriefe. Die Gründerinnen der Seite kommen mit dem Posten kaum noch hinterher.

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Die Gründerinnen, das sind die vier Studentinnen und Zimmergenossinnen Rachel Albi, Erica Gagne, Amanda Smurthwaite und Jess Jonker. Auf die Idee dazu kamen sie an einem regnerischen Abend kurz nach Ende der Semesterferien, wie Abel 140z.de schildert. „Wir waren traurig, dass die Uni wieder anfing und wollten etwas produktives mit unserer Zeit machen, das positiv für unsere Universität ist und Leute glücklich macht.“ Ihre Schwester hatte schon an der High School eine Zeit lang Komplimente der Schüler gesammelt, und so schlug Abi ihren beiden Freundinnen vor, die Idee and er eigenen Uni umzusetzen. „So hat das ganze angefangen.“

Im Vordergrund steht beim Projekt der drei die positive Stimmung auf dem Campus, negative oder beleidigende Beiträge werden nicht veröffentlicht. Die Studentinnen wollen dem rauhen Umgangston, der sonst häufig im Netz vorherrscht, etwas entgegensetzen: „Wir hören von so viel Hass, der durch die Anonymität im Internet entsteht. Wir versuchen es (das Internet, d. Red.) auf eine positive Art zu benutzen, um das zu bekämpfen.“

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Dass sie damit aber einen solchen Zuspruch bekommen würde, hätten sie aber nicht gedacht: Schon in der ersten Woche erreichten sie 100 anonyme Komplimente, mittlerweile befinden sich weit über 1000 auf der Seite und jeden Tag kommen neue hinzu. 5000 Studenten sind mit „Queen’s U Compliments“ befreundet – das Limit des sozialen Netzwerks. „Wir waren schon so begeistert, als wir 200 Freunde hatten und nun haben wir 5000“, sagt Albin.

Für die drei bedeutet dieser Ansturm aber vor allem viel Arbeit, schließlich müssen sie nebenbei noch ein Studium und Studentenjobs meistern. „In den vergangenen Monaten habe ich täglich 2 Stunden online verbracht, um mit allem Schritt zu halten. Wir wollen jeden Kommentar veröffentlichen, den wir können.“

Die Idee  ist mittlerweile zum Web-Trend geworden und verbreitet sich über Highschools und Universitäten in ganz Nordamerika:  125 Hochschulen haben inzwischen eine „Compliments“-Seite und es werden stetig mehr. US-Medien wie das Time Magazine, NBC News oder die Huffington Post berichten über die Lobes-Welle an Nordamerikanischen Universitäten. Egal, ob Columbia, Stanford oder Yale: Überall verbreiten Studenten Komplimente über ihre Kommilitonen.

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Und auch bis nach Europa hat es der Trend der anonymen Facebook-Botschaften geschafft: Seit Mitte Dezember gründen sich auch an deutschen Universitäten wie Mannheim, Münster oder München immer mehr Facebook-Seiten, die ähnlich wie die „Compliments“-Seiten aus Amerika funktionieren – nur das hier meist die Romantik auf dem Campus im Vordergrund steht. Unter dem Oberbegriff „Spotted“ offenbaren Studenten hier der flüchtigen Bekanntschaft aus der Bibliothek oder dem kurzen Flirt in der Mensa ihre Zuneigung.

Rachel Albi ist jedenfalls zufrieden damit, was ihre Idee im Web ausgelöst hat: „Wir fühlen uns wundervoll und als ob wir einen positiven Unterschied im Universitätsalltag machen würden.“

 

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