#Todesstern: Wie @LeFloid in neue politische Galaxien vorstößt & via @oPetition Lust auf Mitbestimmung macht

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Politik greifbar und Mitwirkung einfach machen – danach sehnen sich viele Menschen. Petitionen sind da in Deutschland ein beliebtes Mittel: Man findet Mitstreiter und kann Druck auf die entsprechenden öffentlichen Stellen ausüben. Mittlerweile muss man dafür nicht einmal mehr von Tür zu Tür laufen oder den Leuten in der Fußgängerzone ein Klemmbrett unter die Nase halten: Petitionen zum Bundestag etwa lassen sich online einreichen und mitzeichnen. Auch die Macher von openPetition bieten jedem die Möglichkeit, sein Anliegen online öffentlich zu machen und um Unterzeichner zu werben.

Das Ergebnis sind die unterschiedlichsten Forderungen: Von einem Verbot der Rundfunkgebühr über die Absetzung von Fernsehserien bis zur Verkürzung der Kalenderwoche auf sechs Tage. Auch der deutsche Youtuber und Twitterer LeFloid, der eigentlich Florian Mundt heißt, sucht dort Unterstützer:

Ginge es nach LeFloid, sollte die aus der „Star Wars“-Trilogie bekannte Raumstation Todesstern bald Realität werden – so jedenfalls steht es in der Petition mit dem Namen „Operation Todesstern – eine Raumstation für Deutschland„.

Will Arbeitsplätze schaffen und für Frieden sorgen: Florian Mundt aka LeFloid. Bild: LeFloid
In Wahrheit folgt der LeFloid mit diesem scherzhaften Anliegen einer ähnlichen Aktion aus den USA, die auch in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt hat. In den USA hatten sich mehr als 30.000 Anhänger für eine ähnliche Petition gefunden, die Regierung musste sich damit befassen.

Doch die Obama-Administration lehnte den Todesstern ab – aufgrund der relativ hohen Kosten von 850.000.000.000.000.000 Dollar, liest man in der offiziellen Erklärung. Man arbeite schließlich hart daran, das Haushaltsdefizit zu reduzieren. Außerdem heißt es dort, die USA beteiligten sich nicht an der Zerstörung von Planeten.

In einem seiner Videos berichtete Florian aka LeFloid kürzlich über die kuriose Forderung (ab Minute 3:10) – und griff die Idee spontan auf:

Ich finde es einfach nur herrlich, dass so ein Antrag öffentlich von Paul Shawcross, dem Beauftragten für das Wissenschafts- und Raumfahrt- Budget, beantwortet wird. Das ist unsere Chance: Deutschland braucht einen Todesstern! Wer auch dafür ist, der gebe diesem Video einen Daumen nach oben. Wenn das wirklich einschlägt, mache ich in einer Woche eine Petition dazu auf.

Es schlug ein. Schon nach wenigen Stunden hatten knapp 50.000 User das Video des YouTube- Stars, der mehr als 400.000 Abonennten auf der Platform hat, positiv bewertet. Kurze Zeit später kündigte LeFloid auf seiner Internetseite die Einlösung seines Versprechens an und bedankte sich bei seinen Fans: „Ich liebe euch für euren Support in einfach allen Lebenslagen und vor allem dafür, dass ihr meine Schnappsideen genau so feiert wie ich!“

Am 20. Januar ins Netz gestellt, hatten nach zwei Tagen schon über 20.000 Menschen die Petition unterschrieben, mittlerweile sind es 28.000 und damit mehr als in den USA.  In sozialen Netzwerken, besonders auf Twitter, sprach sich Florians Plan schnell herum. Bis zum 2. März soll die Aktion laufen. Die Debatte auf der Seite läuft rege und liest sich ebenso wie die Argumentation des Machers mit einem Schmunzeln: Der Todesstern werde Tausende Arbeitsplätze schaffen und nebenbei internationale Konflikte deeskalieren.

 Doch neben vielen witzigen Kommentaren und Lob für LeFloid…


Bild: http://www.openpetition.de/petition/kommentare/operation-todesstern-eine-raumstation-fuer-deutschland

Bild: http://www.openpetition.de/petition/kommentare/operation-todesstern-eine-raumstation-fuer-deutschland

Bild: http://www.openpetition.de/petition/kommentare/operation-todesstern-eine-raumstation-fuer-deutschland

… erntete die Petition auch ernste Kritik:


Bild: www.openpetition.de/petition/argumente/operation-todesstern-eine-raumstation-fuer-deutschland#124437
Bild: www.openpetition.de/petition/argumente/operation-todesstern-eine-raumstation-fuer-deutschland#124437

Bei openPetition sieht man das aber gelassener: Zwar möchte die Seite ernstzunehmende Petitionen fördern und verschiebt satirische oder problematische Einträge für gewöhnlich in den eigens hierfür angelegten „Trollturm„. Doch für den Todesstern mache man eine Ausnahme, versichert Fritz Schadow, einer der beiden Hauptverantwortlichen.

Normalerweise beenden wir offensichtlich scherzhaft gemeinte Petitionen sofort. Im Fall des Todessterns würde es hierfür abgesehen vom Inhalt schon ausreichen, dass der Initiator und die meisten Adressaten nicht ihren richtigen Namen angegeben haben. Wir haben aber entschieden, eine Ausnahme zu machen.

Da es sich wohl hauptsächlich um ein jüngeres Publikum handle, helfe die Petition dabei, die Seite bekannter und die Unterzeichner mit dem Konzept dahinter vertraut zu machen.

Wir werden die Unterzeichner in den nächsten Tagen kontaktieren und sie einladen, das Instrument, das sie gerade kennengelernt haben, auch für reale Vorschläge einzusetzen.“

Letztendlich ist die Petition also eine willkommene Werbung für die Seite.

Wir haben  in den Diskussionen zur Petition festgestellt, dass viele politisch relevante Themen wie Ressourcenübernutzung, Klimaschutz, politische Rhetorik um Arbeitsplätze oder Militarismus angesprochen wurden – wenn auch in satirischer Form.

Auch wenn also am Ende kein Todesstern von Deutschland aus ins All geschossen wird, hat die Petition also ihr Gutes, weil sie mehr Menschen für politische Mitbestimmung begeistern kann. Bleibt also nur noch zu sagen: Möge die Macht mit uns sein!

(Trotz mehrerer Anfragen hatte Florian Mundt aka LeFloid leider keine Zeit für ein Gespräch mit 140z.de über seine Petition.)

2 Gedanken zu “#Todesstern: Wie @LeFloid in neue politische Galaxien vorstößt & via @oPetition Lust auf Mitbestimmung macht

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