Leben an Indiens längster Bahnstrecke: @srk_arjun über den #VivekExpress und einen göttlichen Fußabdruck

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 1 schreibt Miriam Binner über den Vivek Express – die längste Eisenbahnverbindung in Indien.

In gewisser Weise beginnt Indiens längste Bahnstrecke auf einer Insel. Und mit dem Fußabdruck einer Göttin. Wenn man die Geschichte hinter dem „Vivek Express“, der sich auf 4200 Kilometern von der südlichsten Spitze Indiens bis in den Nordosten zieht, verstehen will, kann einem dabei zum Beispiel der 22-jährige Arjun Prakash (@srk_arjun) helfen.

Arjun hat den mysteriösen Fußabdruck schon oft gesehen. Er ist geprägt in einen Felsen auf der kleinen Insel Sri Padaparai, die vor der Stadt Kanykakumari liegt. Der Legende nach stammt er von Göttin Kumari Amman. „Er sieht wirklich echt aus“, schildert Arjun.  


On the road
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Er selbst lebt mit seiner Familie im rund 100 Kilometer entfernten Thiruvanantapuram, war aber schon als zehnjähriger das erste Mal selbst auf der kleinen Insel mit dem Fußabdruck. Es ist ein beliebter Ausflugsort für ausländische Touristen und indische Familien.

Straße Trivandrum Straße vor Arjuns Haus

Straßen in Thiruvananthapuram (Quelle: Arjun Prakash)

„Meine Eltern mögen diesen Felsen so gern, wahrscheinlich wegen der ruhigen Atmosphäre dort. Außerdem die angenehme Brise vom Meer und natürlich der Sonnenuntergang“, sagt Arjun.

Die Geschichte vom Fußabruck selbst geht so: Vor über hundert Jahren hat der hinduistische Mönch Swami Vivekananda lange Zeit in tiefer Meditation auf der Insel verbracht. Eines Tages erschien ihm dabei die Göttin Kumari und segnete ihn. Dabei soll sie ihren Fußabdruck auf dem Felsen hinterlassen haben. Der ist heute natürlich längst versiegelt, damit auch die Nachwelt noch etwas von ihm hat. Dem glücklichen Mönch Vivekananda zu Ehren wurde der kleine Felsen nach ihm benannt und das passende Vivekananda Rock Memorial gebaut.

Sonnenuntergang Sri Papadarai Schiffe vor Sri Padaparai

Sonnenuntergang vor Kanyakumari und Schiffsanlegestelle, im Hintergrund die Felsen von Sri Padaparai (Quelle: Arjun Prakash)

Und nicht nur das: Auch die längste Bahnstrecke Indiens bekam seinen Namen. Sie beginnt keine zwei Kilometer entfernt, auf dem Festland im Bahnhof von Kanykakumari.

Eine Strecke von über 4 200 Kilometern legt der Vivek Express zurück. Er befährt insgesamt vier unterschiedliche Routen, darunter die längste Strecke von Dibrugarh im Nordosten Indiens nach Kanyakumari im südlichsten Bundesstaat Tamil Nadu. Die Reise dauert 82 Stunden und 30 Minuten, also mehr als drei Tage. 2011 ist der erste Zug gestartet, in Gedenken an Swami Vivekananda. Sein Geburtstag jährt sich 2013 zum 150. Mal.

Vivek Express seitliche Ansicht

Waggons des Vivek Express (Quelle: Arjun Prakash)

Auch in Arjuns Heimatstadt Thiruvananthapuram macht der Zug halt, etwa fünf Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Es ist die 53. Station – die vorletzte vor der Zielstation Kanyakumari. Das Bahnhofsgebäude ist sehr groß, fast 500 Meter lang, erzählt Arjun. Etwa 500 Personen arbeiten dort. Es gibt viele kleine Läden, die Getränke oder Bücher verkaufen, und auch kleine Restaurants. Jeden dritten Tag läuft der Vivek Express in Thiruvananthapuram ein. Arjun hat den Zug schon oft beobachtet, ist aber noch nie damit gereist. Und wenn er eine Fahrt frei hätte? „Dann würde ich gern nach Bangalore fahren. Das ist wirklich ein schöner Ort“, sagt Arjun.

Bahnhof Trivandrum Central Bahngleis Trivandrum Central

Außenansicht des Bahnhofs in Thiruvananthapuram (links) und der Bahnsteig (Quelle: Arjun Prakash)

Bahnverkehr ist in Indien sehr wichtig. Es sei einfach die günstigste und daher meistgenutzte Möglichkeit durchs Land zu reisen, erklärt Arjun. „Besonders Personen aus der unteren Mittelklasse nehmen den Express.“ Aber nur die wenigsten fahren die ganze, sehr lange Strecke. Die Reise sei beschwerlich – nicht nur, weil sie so lange dauert. Die indischen Bahnen seien einfach nicht so komfortabel wie beispielsweise die europäischen, sagt Arjun. Die Züge fahren auch viel langsamer, im Durchschnitt nur 50 Kilometer pro Stunde.

Arjun ist das zu langsam. Er interessiert sich für PS-starke Autos von Audi, BMW oder Mercedes. Indien möchte er irgendwann verlassen, Richtung Westen.  „Ich interessiere mich sehr für westliche Kultur und den Lebensstil dort.“ Er hat dieses Jahr sein Studium in Elektroingenieurswesen abgeschlossen und sucht nun in Dubai nach einem Job – weit entfernt von überfüllten indischen Bahnhöfen, dem Vivek Express und dem Fußabdruck der Göttin.

Screenshot Twitterprofil von Arjun Prakash

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