Die Herberge Casa Paderborn: Wo Pilger auf dem Jakobsweg eine Pause einlegen.

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 10 schreibt Bianca Beher über den Jakobsweg, einen der populärsten Pilgerwege der Welt.


Camino Frances auf einer größeren Karte anzeigen

Einem völlig Fremden die eigene Kamera überlassen, weil seine verschwunden ist. Darauf vertrauen, dass er sie zurückschickt. Eigentlich undenkbar, aber ein Zeichen für jene Hilfsbereitschaft unter Pilgern, die Klaus Schmidt und Doris und Ernst Wolkener am Jakobsweg oft beobachten.

Alle drei arbeiten regelmäßig als Hospitaleros in der Casa Paderborn in Pamplona. Dort führt der Verein „Freundeskreis der Jaokobuspilger Paderborn“ seit 2006 die Pilgerherberge. 26 Pilger finden in dem kleinen Haus Platz, das von März bis Oktober geöffnet ist. In diesem Zeitraum betreuen zwei Hospitaleros für jeweils drei Wochen die Herberge. Sie sind Vereinsmitglieder und arbeiten ehrenamtlich. Rund 35.000  Pilger haben die Casa Paderborn in den letzen sieben Jahren besucht.

Die Pilgerherberge "Casa Paderborn"
Die Pilgerherberge „Casa Paderborn“, abgebildet auf einer Postkarte

Morgens um fünf klingelt der Wecker der Hospitaleros. Sie haben dann einen langen, für sie anstrengenden Tag vor sich: „Wir arbeiten von früh morgens bis 23 Uhr, jeden Tag und sind dabei Ansprechpartner für alles“, erzählt der 72-Jährige Wolkener. Er müsse mehrere Sprachen zu beherrschen, die Gäste seien schließlich international. Um sechs Uhr wecken die Gastgeber die Pilger mit Musik, danach gibt es Frühstück. Darauf folgt eine Verabschiedung und die Herberge wird bis zwölf Uhr geschlossen. In der Zeit richten die Herbergsbetreuer das Haus für die neuen Besucher her, kaufen ein oder machen die Buchführung. Wieder geöffnet, begrüßen die Hospitalieros die neuen Herbergsbewohner. Wer möchte, kann sich seine Wäsche waschen lassen. 

Quelle: Klaus Schmidt
Klaus Schmidt (rechts) bei der Begrüßung neu ankommender Pilger. Quelle: Klaus Schmidt
Schlafsaal in der „Casa Paderborn“

Die Casa Paderborn liegt am Anfang der beliebtesten Wanderroute des Jakobsweges, dem Camino Francés. Auf ihrem Weg von Roncesvalles in den Pyrenäen in die Stadt Pamplona müssen die Pilger einige An- und Aufstiege bewältigen. Da sei eine gute Vorbereitung wichtig, erklärt Klaus Schmidt. Das Gepäck dürfe nicht zu viel wiegen, man müsse sich darüber im klaren sein, was man da 800 Kilometer lang auf dem Rücken trage.
Dabei gelte eine einfache Faustregel, so Schmidt: „Der Rucksack sollte maximal zehn Prozent des Eigengewichts wiegen. Also: Shampoo nur in kleinen Flaschen und statt Jeans sollte man Funktionswäsche.“ 

Pilger auf der Terasse
Pilger auf der Terasse. Quelle: Klaus Schmidt

Fragt man den 71-Jährigen nach seinem schönsten Erlebnis, erzählt er die Geschichte eines Schweizer Ehepaares. Das Paar hatte sich auf der ersten Etappe des Jakobsweges zerstritten. Daraufhin reiste die Frau zurück in die Schweiz. Schmidt überzeugte den Mann seine Frau für eine Aussprache anzurufen. Die beiden vertrugen sich, die Frau kehrte zurück nach Pamplona und das Ehepaar konnte den Jakobsweg gemeinsam beenden.

Die Hospitaleros möchten den Pilgern zurückgeben, was sie selber auf dem Jakobsweg erfahren haben: „Unterwegs sind wir mit vielen Menschen aller Welt zusammengekommen sind“, sagt Wolkener, „in der Herberge können wir solche Begegnungen jetzt vielen anderen Pilgern ermöglichen.“

Die Mehrheit der Pilger geht den Jakobsweg aus religiösen Gründen. Der Weg endet in Santiago de Compostela in Galicien, Ziel ist die Kathedrale und das Grab des Apostels Jakobus. Das Pilgerabzeichen war früher eine Jakobsmuschel, sie symbolisierte, dass der Pilger den Jakobsweg absolviert hatte. Heute wird das in der „La Compostela“ bescheinigt,  einer Urkunde. Um sie zu erhalten muss man in seinem  Pilgerausweis nachweisen können, die letzten 100 Kilometer gelaufen zu sein.  Wer nicht gut zu Fuß ist, kann die letzten 200 Kilometer alternativ mit dem Pferd oder dem Fahrrad bewältigen.

Aber nicht alle Pilger würden den Weg aus religiösen Gründen gehen. Auch den von Hape Kerkeling ausgelösten „Pilgertrend“ haben die Hospitaleros beobachtet. Viele würden den Jakobsweg gehen, um auf Kerkelings Spuren zu wandern, erzählen Schmidt und Wolkener. Ganz nach dem Motto: „Ich bin dann mal weg“

2 Gedanken zu “Die Herberge Casa Paderborn: Wo Pilger auf dem Jakobsweg eine Pause einlegen.

  1. Hallo, habe 2013 bei euch meinen Weg begonnen u wurde mit guten Ratschlägen auf den Weg gebracht. Nun möchte ich wieder los, diesmal den portugiesischen Weg.
    Ist es möglich, von euch wieder einen Pilgerpass zu bekommen? Und, wenn möglich, einen „Schmitdke“
    der hat mir auf dem CF gute Dienste geleistet.
    Meine Adresse: Christiane Korte, 44892 Bochum
    Bömmerstrasse 26. Germany
    vielen Dank im voraus u Buen Camino
    Christiane

  2. Ein Hallo aus dem Sachsenland,
    mein Weg führte mich im Mai 2015 in die Casa Paderborn ,war begeistert von der tollen Arbeit der Hospitaleros . Bin wieder im Alltag zu hause eingetaucht und spiele mit dem Gedanken euch zu unterstützen bei der Betreuung der Pilgerer. Was muss ich tun um diesen echten Wunsch umzusetzen. Herzlichst Conny

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