“Ihr wisst nicht wie ich mich fühle”: Wie eine 9-Jährige gegen die @zeitonline und das Wort Neger kämpft

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

 

Als Ishema am vergangen Samstag das Bild von Jim Knopf auf der Titeleite der Zeit und daneben das Wort „Neger“ sah, hat sie sich richtig erschrocken. Die neunjährige Tochter eines Senegalesen und einer Deutschen habe „sehr emotional reagiert“, berichtet ihre Mutter Katharina Lobeck Kane. Die Wochenzeitung kritisierte in der Titelgeschichte, dass Kinderbücher „politisch korrekt“ umgeschrieben werden. Autor Ullrich Greiner nannte das ein „Vergehen an der Literatur“ und stellt die rhetorische Frage „Wie soll man es sonst nennen, wenn nicht Zensur oder Fälschung?“.

Das wollten Ishema und ihre Mutter so nicht hinnehmen. Kane schlug ihrer Tochter vor, einen Leserbrief an die Zeit zu schreiben. „Wenn ein anderes Kind dich verletzt, sagst du es dem Kind. Wenn eine Zeitung dich verletzt, schreibst du es der Zeitung“, erklärte sie ihr. Am nächsten Morgen dann hat Ishema den Brief geschrieben, ganz allein. Ihre Mutter schickte ihn an die Zeit und an Mekonnen Mesghena. Der hatte die Streichungen im Kinderbuch „die kleine Hexe“ überhaupt erst angestoßen. Mesghena veröffentlichte den Brief am Sonntag auf Facebook.

Dort verbreitete er sich in rasendem Tempo. Bis jetzt (Stand 25.01., 14:15 Uhr) haben weitere 4.390 Personen ihn gepostet.

Ishema Kane schreibt in ihrem Brief wie „sauer“ und verletzt sie sei. „Ihr könnt euch nicht vorstellen wie ich mich fühle wenn ich das Wort lesen oder hören muss“, schreibt die Schülerin und fordert, dass man sich in andere Menschen hineinversetzen können müsse. „Mein Vater ist kein Neger und ich auch nicht“, stellt sie klar. Das Wort müsse auf jeden Fall aus Kinderbüchern gestrichen werden.

Viele finden sich in den Worten der 9-Jährigen wieder: „Ich hätte es nicht besser formulieren können“, schreibt Tahir Della. Nutzer Abby O Abby will wie viele andere, dass das N-Wort so schnell wie möglich aus dem Sprachgebrauch verschwindet:„Ich möchte einfach nicht das meine Kinder sich damit noch auseinandersetzen müssen.“

Auch auf Twitter wird die 9-Jährigen für ihren Brief gefeiert. Und die österreichische Zeitung Der Standard befindet in einem Text gleich, Ishemas Brief könne gleich die ganze Kinderbuch-Debatte beenden

Mutter Katharina freut sich über die Reaktionen im Netz, wundert sich aber, das in den Medien überhaupt so stark über die Umformulierung „veralteter Wörter“ diskutiert wird. „Es ändert sich doch nichts an den Geschichten in den Kinderbüchern, wenn vereinzelte Wörter ersetzt werden.“ Sie habe ihrer Tochter bewusst nie das Kinderbuch Jim Knopf vorgelesen, da Ishema auf das N-Wort stets sehr betroffen reagiere.

Während Ishemas Brief im Netz große Aufmerksamkeit findet, warten Mutter und Tochter auf eine Antwort der Zeitung. Redakteur Ijoma Mangold wandte sich bereits über Facebook an die 9-jährige Autorin und äußert Verständnis für ihr Anliegen. Er wolle noch weiter über das Thema nachdenken, auch, weil es sehr viele Reaktionen auf die Titelgeschichte gegeben habe. Und mittlerweile können er ihren Brief „immer besser verstehen“.

 

 

 

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