Wie DJ @baauer s #HarlemShake dank @FilthyFrank die Massen auf Youtube zum Tanzen bringt

In der Serie „Mem der Woche“ stellt der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Ein neuer Tanz verbreitet sich dank dem Internet in aller Welt, der Harlem Shake. Medien rund um den Globus berichten darüber, laut KnowYourMeme.com wurden inzwischen mehr als 12.000 Versionen des Tanzes auf Youtube hochgeladen und mehr als 40 Millionen Mal angesehen. Damit hat der Tanz hat Chancen, zum Mem des Jahres 2013 zu werden.

Jeder kann sich an dem Hype beteiligen. Wie man den Harlem Shake tanzt? Ganz einfach: Indem man alles rauslässt, was in einem steckt. Was man dafür braucht? Den Tune des New-Yorker DJs Baauer, eine Kamera und möglichst skurrile Verkleidungen. So wie die Macher des allerersten Clips, der am 30. Januar im Kanal des Youtubers Filthy Frank landete. In seinem Video sieht man vier Gestalten, die sich in eng anliegenden Ganzkörperkostümen wild bewegen:

Inzwischen wurde der Clip acht Millionen Mal angesehen, viele Nachahmungen sogar noch öfter. Auf privaten Zimmerparties, im Großraumbüro, im Fußballstadion: Alle tanzen sie den Harlem Shake. Diese beiden Videos etwa wurden jeweils schon mehrere Millionen Male angeklickt:





30 Sekunden alles geben

Der Harlem Shake stammt eigentlich aus einer Zeit, als Hip-Hop noch ein Untergrund-Phänomen war. In seiner Ursprungsversion, entstanden um das Jahr 1981, bewegten die Tänzer locker ihre Schultern von rechts nach links. Mit diesem lockeren Shaken hat der heutige Tanz aber nur noch sehr wenig zu tun.

Die aktuelle Version des Songs stammt vom New Yorker DJ Baauer, der laut Wikipedia Harry Rodrigues heißt und 23 Jahre alt ist. Die Videos zu seinem Hit laufen alle nach dem gleichen Prinzip: Der Remix beginnt langsam, eine einzelne Person steht maskiert zwischen unbeteiligten Menschen und bewegt sich zu dem Lied. Wenige Sekunden später setzt der Bass ein, ein Schnitt, und alle Menschen im Bild rasten völlig aus – egal ob sie gerade in einem trocken gelegten Pool, in einem Hörsaal oder auf dem New Yorker Times Square stehen.

Beat-Bastler DJ-Baauer kann den plötzlichen Hype um seinen Mix nicht fassen. Auf twitter äußerte er sich am 12. Februar folgendermaßen:

Schließlich hatte er das Lied bereits am 17. Mai 2012 auf der Plattform www.soundcloud.com veröffentlicht. Der Text des Songs ist übrigens ziemlich banal und besteht nur aus dem sich mehrmals wiederholenden Satz „Con los terroristas – ey“ – zu deutsch: „Mit Terroristen, ey.“

Erster Platz in den US-Charts

Auf iTunes belegt das Lied am 15. Februar 2013 den ersten Platz der US-Charts. Doch wie ist der plötzliche Wahnsinn entstanden? Die vielen Internetvideos zeigen, dass es bei dem Harlem Shake wild zugeht, doch man erkennt nur schwer die Gesichter der Tanzenden. Das liegt natürlich auch an den großen Weitwinkelaufnahmen, bei denen die Einzelpersonen zugunsten der Masse untergehen. Die Maskierungen in den Videos sprechen aber auch dafür, dass die Menschen, die den Harlem Shake tanzen, lieber unerkannt bleiben wollen. Für ein Interview mit 140z.de war keiner der Protagonisten des ersten Filmchens zu gewinnen.

Ist der Harlem Shake der Tod des Gangnam-Style?

Misst man den Erfolg an den Google-Suchanfragen hat der Harlem Shake schon den Gangnam-Style des südkoreanischen Rappers Psy überrundet:



Im Gegensatz zum Gangnam Style, der via Youtube bereits mehr als eine Milliarde mal angesehen und vielfach nachgeahmt wurde, hat der neue Tanz keine festen Bewegungsabläufe. In den Videos ist alles erlaubt: Vom Kopfnicken, bis zum peinlichen Herumhüpfen. Vielleicht besteht gerade darin der Reiz des neuen Harlem Shake: Frei von irgendwelchen Tanzkonventionen im öffentlichen Raum die Sau rauszulassen. Jeder kann mitmachen: Alt, jung, kostümiert, in Uniform oder nackt.

In einer Version des süddeutschen Radiosenders Radio7 sieht man sogar einen Mann mit dem Fahrrad durch das Großraumbüro fahren – der Sender hat seine Hörer jetzt aufgefordert, selbst Videos zu drehen und einzuschicken.

Insofern ist es gut möglich, dass der Harlem Shake den Gangnam-Style verdrängen wird. Man kann gespannt sein, was als nächstes folgt. Die Ideen werden der Netzgemeinde sicher nicht ausgehen.

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