Der Hüttenwirt: Wie Manuel Walch in 2242 Metern Höhe die Wanderer des E5 beherbergt

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 5 schreibt Jurik Iser über den Fernwanderweg E5, die womöglich bekannteste Strecke zur Alpenüberquerung.

Der Wanderweg E5 ist legendär – er führt von Frankreichs Atlantikküste über die Alpen bis nach Italien. Der wohl bekannteste Abschnitt liegt zwischen Oberstdorf im Allgäu und Meran in Südtirol. Mindestens acht Tage brauchen die meisten Wanderer in der Regel, um die rund 160 Kilometer lange Strecke zurückzulegen und die Alpen zu überqueren.

Unterwegs übernachten sie oft in den Berghütten des Alpenvereins. Der Österreicher Manuel Walch betreibt eine dieser Hütten: die Memminger Hütte in den Lechtaler Alpen.


On the road auf einer größeren Karte anzeigen

Der Hüttenwirt Manuel Walch im Video-Gespräch. (Foto: Jurik Iser)

Vergangene Woche hat Walch seine Koffer gepackt und ist mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zur Hütte hoch, auf 2242 Meter Höhe, umgeben von einem Panorama aus schneebedeckten Gipfeln, kargen Bergflanken und knallgrünen Wiesen. Denn Mitte Juni, wenn der letzte Schnee auf den Wanderwegen geschmolzen ist, dann geht die Saison wieder los und die Wanderer kommen.

So war es schon vor mehr als 35 Jahren. Von 1976 bis 1999 hat sein Großvater die Memminger Hütte geleitet. Damals war der Wanderweg E5 gerade mal ein paar Jahre alt. 1969 hatte der Sonthofener Hans Schmidt auf der Route die Alpen überquert – etwas später durfte er für die europäische Wandervereinigung einen Wanderweg auskundschaften.

Als Manuel Walch mit 21 Jahren den zusammen mit seinem Bruder den Betrieb der Memminger Hütte übernahm, war der E5 bereits in ganz Europa bekannt. Am Anfang bekamen die beiden Hüttenwirte noch Hilfe vom Großvater. „Ein Glück“, erzählt Walch und fügt mit einem Augenzwinkern an: „In dem Alter waren wir noch ziemliche Chaoten“. Heute betreibt der 36-Jährige die Hütte mit seiner Frau und ein paar anderen Mitarbeitern; von Chaos keine Spur.

Die Memminger Hütte auf 2242 Metern Höhe. (Foto: Manuel Walch)

Bis zu 11.000 Gäste übernachten jeden Sommer bei Manuel Walch. Heute sind es mehr junge Menschen als früher. Viele Schulklassen würden den E5 zum Beispiel als Abschlussreise laufen, sagt Walch. Aber auch Eltern, die Ihre Kinder auf dem Rücken tragen, sieht der Hüttenwirt häufig. Ab dem Alter von vier Jahren würden Kinder den Wanderweg sogar schon selber laufen; ab zehn Jahren soll der Weg gut machbar sein. Auch Walch ist einen Teil der Strecke, von Oberstdorf bis Zams, schon gewandert. „Zwei, drei schwierige Stellen gibt es“, sagt Walch, „aber ansonsten ist der Weg auch für Kinder ganz gut zu schaffen.“

Ein Großteil aller Wanderer sind laut Walch Deutsche und Österreicher. Aber auch einige Belgier, Niederländer und in den letzten Jahren immer mehr Amerikaner, machen auf ihrem Weg an der Memminger Hütte halt. Insgesamt gibt es dort 147 Schlafplätze für die Wanderer – eigentlich. Oft hat Manuel Walch aber auch schon über 200 Gäste beherbergt. Viele Hütten entlang des E5 sind in Ferienzeiten überfüllt. „Wir müssen jeden aufnehmen der zu uns kommt“, sagt Walch pflichtbewusst.

Eine Übernachtung in der Memminger Hütte kostet 26 Euro, Mitglieder des Alpenvereins zahlen die Hälfte. Die Übernachtung im Matratzenlager ist etwas billiger. Um alle seine Gäste zu verpflegen, schafft Walch Lebensmittel mit der Seilbahn und zur Not auch mit dem Hubschrauber auf den Berg. Mit dem Auto ist die Hütte nicht zu erreichen. Dafür gibt es heute auf der Hütte sogar Telefon und Internet. „Wenn uns mal das Brot ausgeht, kann ich meinem Vater unten im Tal Bescheid sagen“, erklärt Manuel Walch, „früher war das schwieriger.“

Die Lechtaler Alpen. (Foto: Manuel Walch)

Das Leben in den Bergen macht dem Familienvater Spaß. Er genießt es in der Natur zu sein. Das sei auch für die Kinder toll, sagt Walch. In der Hütte lebt die vierköpfige Familie auf nur 20 Quadratmetern. „Das ist manchmal schon etwas eng“, sagt Walch. Deswegen geht er mit den Kindern auch bei Regen raus an die frische Luft.

Doch was macht Manuel Walch im Winter, wenn er nicht auf der Hütte ist? „Früher bin ich immer nur den ganzen Winter Snowboard gefahren und war dann natürlich im April Pleite“, sagt er und lacht. Heute, da Walch eine Familie hat, sucht er sich über den Winter einen Job als Kellner, oder Skilehrer. Seine Kinder gehen währenddessen noch in den Kindergarten. Aber bald kommt seine fünfjährige Tochter in die Schule, dann kann sie nicht den ganzen Sommer über fehlen, wenn die Familie auf der Hütte ist. Vielleicht ist dann der Zeitpunkt gekommen, so Walch, nochmal was ganz Neues anzufangen. Am liebsten will er den Job aber „noch eine Zeit lang machen“. Und möglicherweise bleibt die Memminger Hütte ja auch darüber hinaus weiterhin in Familienhand.

3 Gedanken zu “Der Hüttenwirt: Wie Manuel Walch in 2242 Metern Höhe die Wanderer des E5 beherbergt

  1. Hallo Manuel Walch
    Ich bin aus Stuttgart-Möhringen
    und war in der Anfangszeit deiner Großeltern auf der Memminger Hütte.In den 60er Jahren war ich oft im Urlaub in Stockach bei deiner Ur-Großmutter
    Philomena Frischmann.
    Vielleicht reicht es mir mal wieder ins Lechtal.
    Im Übrigen Guter Artikel.
    MfG aus Stuttgart Dieter Frank

  2. Hallo, der Text und die fotos machen richtigLust auf den E5 und die Berge – wirllich eine tolle gegend dort, könnte immer wieder hinfahren. danke!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.