Begegnungen in Sibirien: Wie Jugendliche aus aller Welt am Wanderweg #GreatBaikalTrail rund um den größten See der Welt bauen.

In der Serie „on the road“ stellen Journalistenschüler des Jahrgangs 2012 berühmte Routen auf der ganzen Welt vor – mit Hilfe von Internet und Social Media. Über Twitter, Facebook und co. finden wir Menschen, die an den Wegen leben und erzählen ihre Geschichten. Wir zeigen Bilder von den Handels- oder Reiserouten und mit Hilfe von Google Maps ihren Verlauf – um sie mit all dem zum Leben zu erwecken. In Teil 12 schreibt Pauline Schinkels über den Great Baikal Trail, der eines Tages einmal rund um den größten See der Welt führen soll.

Während ihres Urlaubs im vergangenen Jahr arbeitete die 19-jährige Kristina Komaritsina aus Irkutsk bis zu acht Stunden täglich. Mit den eigenen Händen – Axt, Hammer und Spaten – baute sie als eine von 4400 Freiwilligen am ersten ökologischen Fernwanderweg Russlands mit – dem Großen Baikalweg (Great Baikal Trail).

Great Baikal Trail Foto, geschickt bekommen von Anya Belova (GBT)

Foto: Manuel Martini , Mirroring Baikal

 

Die Idee, einen Wanderweg um den Baikalsee anzulegen, entstand bereits in den 70er-Jahren. Ein Riesen-Projekt, denn der See ist nicht nur der älteste, sondern mit einer Länge von 700 Kilometern auch der größte der Welt. Einmal rundherum um den Baikalsee sind es insgesamt 2100 Kilometer.

Es dauerte bis 2002, bis eine Gruppe russischer Umweltschützer mit dem Bau des Great Baikal Trails (GBT) begann. Seit dem finden jährlich Workcamps statt. Aus der ganzen Welt kommen freiwillige Helfer nach Russland, um in den zweiwöchigen Zeltlagern den GBT zu bauen, die Holzhütten entlang des schmalen Trails zu renovieren, oder Wegmarkierungen anzubringen.

Kristina war im vergangenen Sommer in Frolicha dabei, einem Abschnitt fast ganz am nördlichen Ende des Sees. Viele Russen waren mit ihr dort, aber auch Schweizer, Helfer aus Kalifornien und Südamerika.

Vor sechs Jahren nahm Kristina Komartisina an ihrem ersten Workcamp in Baikal’skoe am Nordbaikal teil.

 

„Viele aus meiner Gruppe haben vorher noch nie eine so intensive Naturerfahrung gemacht“, erzählt Kristina.

So zelten die Freiwilligen in Sibiriens unberührter Natur: Über einer Feuerstelle wird gekocht und im Baikalsee gewaschen. Der nächste Arzt kann bis zu 300 Kilometer entfernt sein, Handyempfang gibt es selten. Eine Naturerfahrung, die so nur erhalten bleiben kann, wenn der See und die Natur um ihn herum möglichst unberührt bleiben.

„Ziel ist es einen ökologischen Tourismus am Baikalsee zu etablieren“, sagt Frank Fabian, Vorsitzender vom Baikalplan Verein in Dresden. Keine einfache Aufgabe – in Russland ist Umweltschutz nicht so wichtig. So ist der GBT zwar auch offiziell Russlands erstes ökologisches Wanderwegenetz, verglichen mit Deutschland sind die Maßstäbe aber niedriger: „Ökologisch bedeutet hier, dass dort keine Motorräder und Quads fahren dürfen und der Weg regelmäßig gesäubert wird“, erklärt Fabian.

Der Verein aus Dresden ist ein Kooperationspartner der Organisation Great Baikal Trail in Irkutsk. Seit 2009 baut der Baikalplan den Frolikha Adventure Coastline Trail (F.A.C.T.), der im Norden des Baikals liegt. Auch Kristina hat schon an dem mittlerweile 150 Kilometer langen Abschnitt mitgebaut. Hier hat sie auch Manuel Martini aus Konstanz kennen gelernt. Zusammen saßen sie an der Feuerstelle, deren wichtigster Zweck es war, die Bären der Wälder fernzuhalten. Selbst gesehen hat Manuel, ein 20-jähriger Jura-Student, keines der Tiere, „Bären sind in der Regel eher menschenscheu. Wir haben aber hin und wieder morgens früh Spuren gefunden.“

„Wir haben nicht nur gearbeitet, manchmal sind wir auch einfach stundenlang durch die Natur gewandert“, erinnert sich Manuel Martini.

 

Die zwei Wochen am Baikal sind auch ein starkes Gemeinschaftserlebnis. „Für mich ermöglicht der GBT einen internationalen Kulturaustausch trotz Sprachbarrieren“, sagt Olga Mikhaleva, Koordinatorin des Sommeraustauschprogramms vom Tahoe-Baikal Institut. „Hier kommen Menschen aus der ganzen Welt hin, die zusammen arbeiten, ihre Erfahrungen teilen und wandern“, ergänzt sie.

„Wenn ich lange verreise, dann vermisse ich meinen See mehr als die Leute“, sagt Olga Mikhaleva vom Taheo -Baikal Institut.

Mittlerweile sind sechs Teilabschnitte des GBT fertig, Insgesamt rund 475 Kilometer lang. Doch ob der Wanderweg irgendwann tatsächlich einmal rund um den See reichen wird, bleibt offen. „Der Baikalsee hat rund 300 Zuflüsse, die müssten alle mit Brücken überbaut werden“, sagt Anya Belova, Projektkoordinatorin von der Great Baikal Trail Organisation. „Es gibt zudem zahlreiche Naturschutzgebiete. Durch die sollte nicht gebaut werden“, ergänzt Fabian. Doch selbst wenn es für die ganze Umrundung nie reichen sollte, tut das der Faszination Baikal keinen Abbruch.

Kristina und Manuel jedenfalls machen sich in diesem Sommer wieder auf den Weg. Sie werden zusammen eine Gruppe Freiwilliger an ihrem Wegabschnitt leiten. Für Kristina wird es schon das vierte Mal sein, dass sie ihren Sommer hier verbringt. Der Baikalsee lässt beide nicht mehr los.

„Viele Teilnehmer kommen wieder“, sagt Projektchefin Belova. „Der See ruft.“


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