Wie ein Video eine Vierjährige zum Youtube-Star machte – die Geschichte des #BroncoBamma-Mädchens

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Als Elizabeth Evans und ihre vierjährige Tochter Abigael an diesem Dienstagabend ins Bett gehen, deutet nichts darauf hin, dass Abigael am nächsten Morgen eine Internet-Berühmtheit sein wird. Dass sogar der Fernsehsender ABC und die Huffington-Post über sie berichten würden. Dass Abigael den Nerv der Nation getroffen hatte – ohne es zu wollen.

Begonnen hatte alles, als die junge Mutter ihrer Tochter am Nachmittag von der Krippe abholte. Elizabeth arbeitet viel, vor drei Jahren hat sie sich als Gärtnerin selbstständig gemacht. Sie verdient wenig Geld, die Miete für diesen Monat hat sie noch nicht bezahlt. Sie schaltete das Radio in ihrem dunklen Van ein. Meistens hört sie Musik, doch diesmal schaltete sie das National Public Radio ein, den einzigen öffentlich-rechtlichen Radiosender in den USA. „Daher kriege ich meistens meine Nachrichten“, sagt sie.

Einen Fernseher besitzen die Evans nicht, den Großteil der Wahlwerbung bekommen sie also gar nicht mit. Trotzdem weiß Tochter Abigael natürlich, wer Barack Obama und Mitt Romney sind.

Als der Radiosender über den Wahlkampf berichtete, begann das Mädchen, bitterlich zu weinen. Elizabeth fragte ihre Tochter, warum sie weine. „Mir gehen Bronco Bamma und Mitt Romney auf die Nerven“, sagte Abigael. „Oh, es wird bald vorbei sein“, tröstete sie ihre Mutter. Sie sei eigentlich kein weinerliches Kind, erzählt die Mutter später, „sie war einfach nur müde“.

Mutter und Tochter standen jetzt auf einem Parkplatz vor einem Lebensmittelladen. die Tränen liefen noch immer über Abigaels gerötetes Gesicht, und die Mutter ließ sich noch einmal von ihr erklären, wie sehr sie vom Wahlkampf genervt sei. Diesmal ließ sie dabei ihre Handykamera laufen.

Abends zeigte Elizabeth das Video erst über Facebook ihren Freunden, sie lachten über die politik-überdrüssige Vierjährige. Eigentlich nur, damit auch die Großeltern es trotz fehlendem Facebook-Konto sehen konnten, lud Elizabeth die kurze Sequenz auch bei Youtube hoch. Dann aber schickte sie es auch an einen lokalen Fernsehsehnder. „Ich dachte, sie könnten das vielleicht witzig finden“, sagt Elizabeth.

Am nächsten morgen hatten schon 14000 Nutzer das Video gesehen. Immer mehr Twitter-User zeigten Verständnis für Abigael und bald schon tauchten Reporter auf dem Grundstück der Evans auf, die mehr über die Vierjährige wissen wollten, die mit ihre, Wahlkampf-Frust anscheinend einen Nerv getroffen hatte. Die aussprach, was Millionen Amerikaner dachten: Dass dieser Wahlkampf bitte bald vorbei sein möge, dass es langsam wirklich genug sei. Auch dem National Public Radio selbst, das all das ja erst ausgelöst hatte, ging es wohl so: Es dauerte nur einen Tag, dann entschuldigte sich der Radiosender, weil er die Vierjährige zum Weinen gebracht hatten. „Du musst dir selber sagen, dass es bald vorbei sein wird“, schrieb der Sender Abigael.

Am Samstagvormittag, keine vier Tage nach den Tränen, die Abigael berühmt gemacht haben, sitzen Mutter und Tochter vor ihrem beigen Backsteinbau in Fort Collins, Colorado. Elizabeth trägt ein blaues Shirt, Abigael ein pinkes Oberteil. Ein Freund habe sie noch gewarnt, das Video werde ein Hit, erzählt die Mutter. „Aber ich hätte niemals mit dieser Reaktion gerechnet“. Der Rummel habe sie überfordert, gibt sie zu. Nun hat sie eine Agentur beauftragt, die rund 200 Anfragen der Medien zu beantworten. „Ich weiß noch nicht, was ich darüber denken soll“, sagt sie.

Um Abigael sorgt sie sich nun, weil sie auf der Straße erkannt wird und ihre Freundinnen sagen, sie sei ein Superstar. „Ich will nicht, dass sie das Bronco-Bamma-Mädchen bleibt“, sagt Elizabeth.

Weiß Abigael selbst, wie berühmt sie ist? „Ja!“, sagt die Vierjährige, fröhlich. „Und weißt du, was das bedeutet?“, fragt ihre Mutter. Da schüttelt Abigael den Kopf.

Hinweis: Unser Autor war nicht vor Ort. Er hat mit Mutter und Tochter geskypt.

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