Von einem Riesendonut, Sandy und dem Marshmallow Man: Wie ein Sturm in Nebraska acht Jahre später groß rauskommt.

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Hurrikan Sandy hat in dieser Woche etliche Karibikinseln und die USA in Angst und Schrecken versetzt. Teile der amerikanischen Ostküste sind überflutet und zerstört, über 50 Menschen starben nach Medienberichten allein dort.

Im Internet machen unterdessen verschiedene Bilder die Runde, von denen nicht klar ist, welche echt sind und welche nicht. Eines davon ist aber offensichtlich eine Fotomontage: Die Freiheitsstatue wird von gefährlichen Kreaturen, bekannt aus diversen Filmen, angegriffen. Darunter Godzilla, der Stay Puft Marshmallow Man aus dem Film Ghostbusters, der weiße Hai und Raumschiffe aus dem Film Independence Day. Im Hintergrund: Ein bedrohlicher Hurrikan. Betitelt ist das Facebook-Album, in dem das Foto zu finden ist, mit „Frankenstorm“, eine Wortneuschöpfung aus „Frankenstein“ und dem englischen Wort für Sturm.


Der Frankenstorm auf Facebook (Screenshot: Lisa Rossel)

 

20.093 Mal wurde die Fotomontage auf Facebook geteilt, 4.884 „Likes“ bekam sie innerhalb der ersten beiden Tage (Stand: 01.11.2012, 16:37 Uhr). Hochgeladen hat sie anscheinend Jean-François Fortin Gadoury, nach eigenen Angabenein 3D-Designer aus Montreal in Kanada. Auf eine Anfrage hat er allerdings nicht geantwortet.

Was aber ist echt an der Fotomontage? Oder ist das gesamte Bild ein Erzeugnis eines guten Design-Programms?

Gibt man die Bildunterschrift der Fotomontage bei Google ein, findet man einen Link zu einer Facebook-Seite, die ein ähnliches Bild zeigt – allerdings ohne Fantasiegestalten.


Die erste Fotomontage auf Facebook (Screenshot: Lisa Rossel)

 

Laut der Facebook-Seite wurde dieses Bild zuerst von Jason Otts gepostet und daraufhin 653.790 Mal geteilt (Stand: 01.10.2012, 16:37 Uhr).


Jason Otts teilte das Bild als einer der Ersten (Screenshot: Lisa Rossel)

 

In einem Kommentar unter dem Foto ist zu lesen, dass Jason Otts selbst das Foto von einer Freundin hat, die wiederum einen Bekannten hat, der sich in New York befand, während Sandy wütete. Dieser gab zu, dass das Bild eine Fälschung ist.


Otts gibt zu, dass das Bild eine Fälschung ist (Screenshot: Lisa Rossel)

 

Von wem stammt das Foto also ursprünglich?

In der Foto-Community flickr zeichnet sich ein Nutzer namens Robert Bogdany verantwortlich und gibt an, das Bild mit Hilfe von Photoshop gebastelt zu haben.


Die Fotomontage im flickr-Profil von Robert Bogdany (Screenshot: Lisa Rossel)

@GoogleFacts twittert am 29. Oktober 2012 um 23:49 Uhr, dass das Bild eine Fälschung ist:


Auch @GoogleFacts kommt zu den Schluss, dass das Bild eine Fälschung ist (Screenshot: Lisa Rossel)

 

Auch die Website snopes.com bezeichnet das Bild als unecht und weist darauf hin, dass dieses schon im September 2010 im Internet kursierte:


snopes.com stellte schon 2010 fest, dass das Bild eine Fälschung ist (Screenshot: Lisa Rossel)

 

Ist das gesamte Bild gefälscht? Oder ist doch ein echtes Element darin zu finden? Und falls ja, woher stammt es?

In den Facebook-Kommentaren unter der Frankenstorm-Montage tauchen verschiedene Links auf, die alle zum gleichen Foto führen.


Das Original (Foto: Mike Hollingshead, www.extremeinstability.com)

 

Dieses Originalbild des Sturms, stammt laut mashable.com und buzzfeed.com von Mike Hollingshead.

Er mochte Stürme schon als Kind, schreibt Hollingshead auf seiner Website. Vor zehn Jahren kaufte er sich eine Kamera und fing an, damit Stürme zu jagen.

Am 28. Mai 2004 muss er von einem Freund dazu überredet werden, einen Sturm von Spencer NE nach Sioux City zu verfolgen. Er selbst denkt, der Sturm sei es nicht wert. Doch dann schießt er bei der Verfolgungsjagd eines seiner Lieblingsfotos, der Hintergrund der beiden Montagen, die für so viel – im wörtlichen Sinne – Wirbel im Internet gesorgt haben.

„So sah das Ding permanent aus, ein riesiger Donut. Dies ist eine meiner liebsten Aufnahmen“, untertitelt er das Bild.

Auf seiner Homepage finden sich einige weitere Fotos, die laut Hollingshead mehrere Male von anderen Leuten verbreitet und einfach als die ihren ausgegeben wurden. Dies versicherte der Fotograf auch auf Anfrage erneut. Mit seiner Homepage, den dortigen Fotos und einem Erklärungstext will er jetzt deshalb darauf aufmerksam machen, was passieren kann, wenn man die Kontrolle über seine Bilder verliert.

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