Wie @Rugullis & @martinhoffmann vom @MDR_SAN den Mauerfall mit @9Nov89live nacherzählten #twitternwie1989

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Am 9.November 1989 fiel die Berliner Mauer. 23 Jahre ist das nun her. Wer damals noch nicht geboren war oder noch in den Kindergarten ging, weiß womöglich nicht so genau, was da eigentlich passiert ist. Das jedenfalls hat sich vermulich der MDR Sachsen-Anhalt gedacht und einen Versuch unternommen, das zu ändern – per Twitter.

Einen Tag lang twitterten fünf Redakteure des @MDR_SAN über den Account @9Nov89live aus der ehemaligen Kantine der DDR-Passkontrolle. Aus der Sicht von sieben Personen ließen sie den 9.November 1989 noch einmal Revue passieren. Vier Charaktere fiktiv, anhand von Büchern, Filmen und Dokumenten rekonstruiert, und die anderen drei real. So beschrieben ein Journalist in Berlin, eine Studentin in München, ein Bausoldat in Halle, ein SED-Mann, ein Oberstleutnant, ein Grenzer aus Marienborn und ein Lehrling aus Magdeburg den Tag des Mauerfalls.

Initiiert haben die Aktion Frank Rugullis und Martin Hoffmann. Die Idee entstand im Gepräch, als junge Redakteure es bedauerten, dass sie den Mauerfall nicht miterleben konnten. Deshalb beschlossen Rugullis und Hoffmann, den jungen Twitterern die Geschichte des Mauerfalls zu erzählen. Sie planten den Account @9Nov89live, schrieben Tweets und sortierten diese zeitlich und dramaturgisch. Am 9.November wurden diese dann nur noch versendet. Vor Ort in Marienborn wurden zusätzlich Radio-, Online- und Fernsehbeiträge produziert, zwischendurch auch Live-Übertragungen gesendet.

Die Betreuer des Projekts: Martin Hoffmann und Frank Rugullis (v.l.)

Rugullis ist seit dem 1.November 1992, der Geburtsstunde des MDR Sachsen-Anhalts, Redakteur und heute zuständig für trimediale Zukunftsprojekte. Das sollte auch Kern dieses Projekts werden. Zum ersten Mal stand Twitter im Mittelpunkt und die Fernseh-, Radio- und Onlinebeiträge waren ergänzend. Neuland für den MDR Sachsen-Anhalt. Doch die Redaktion widmete sich dem Projekt und erhielt sofort eine Zustimmung der MDR-Landesfunkhausdirektorin Sachsen-Anhalts Elke Lüdecke. Die Kantine neben der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn wurde zur Twitter-Zentrale und war für Besucher geöffnet. Es kamen Schulklassen, Besuchergruppen und Zuschauer und Zuhörer, die im Radio oder Fernsehen auf die Aktion aufmerksam wurden. Viele waren fasziniert und fingen an ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Rugullis war begeistert von den Reaktionen und erstaunt, dass auch im Ausland darüber geredet wurde. So gab es insgesamt etwa 100 #ff-Vorschläge aus Holland, den USA, Spanien, der Türkei und Frankreich. Das Highlight der Redaktion war die Überschreitung der 2000-Follower-Grenze. Aktuell sind es mehr als 2390 – rund 1000 mehr, als der Account des MDR Sachsen-Anhalt hat.

Damit nicht genug: Die Aktion steckte andere Twitterer an, die unter dem Hashtag #twitternwie1989 eigene Tweets beisteuerten:

„Wir wollten mit dem Projekt eine gewisse Nachhaltigkeit erzeugen“, sagt Rugullis. Deswegen hat der MDR Sachsen-Anhalt mit dem Kultusministerium vereinbart, dass die Tweets und Beiträge weiter verwendet werden dürfen – etwa im Geschichtsunterricht. Die Freie Waldorfschule Magdeburg hat bereits am 9.November ihren Unterricht auf das Projekt des MDR abgestimmt, die Tweets verfolgt, die Redakteure in der ehemaligen Kantine der DDR-Passkontrolle besucht und selbst einen Fernsehbeitrag gedreht. Außerdem wird das Museum Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn unter Leitung von Sascha Möbius die Aktion des MDRs in Form einer Dauerausstellung integrieren.

Nach dem Erfolg von @9Nov89live möchte der MDR Sachsen-Anhalt weitere ähnliche Projekte mit Twitter als Hauptmedium starten. Zwei Vorschläge liegen schon in der Schublade – mehr wollen die Redakteure aber noch nicht verraten.

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