„Man sollte sich vom Materiellen frei machen“ – Ein Naturwissenschaftler spricht über Glauben und Spaß

Der Ausbildungsjahrgang 2011 der Kölner Journalistenschule stellt in 18 Folgen 18 bemerkenswerte Senioren vor. Die Autoren haben sie dazu nach ihren wichtigsten Lebenslektionen befragt und gebeten, die Spaß-, Geld-, und Freiheitskurve ihres Lebens zu zeichnen. Im vierten Teil schreibt Jens-Peter Hiller über den 65-jährigen Bernhard Rampick.

Ein Freitagnachmittag in der Kölner Innenstadt. Hektisch eilen die Menschen durch die Fußgängerzone. Zeit für einen Kaffee finden die wenigsten. Niemand will hier über sein Leben reden. Bis auf Bernhard Rampick. Er steht vor der Antoniterkirche an der Schildergasse und ist ganz entspannt. In Köln ist er nur zu Besuch, eigentlich wohnt er in Bielefeld.

Bernhard Rumpick mit seiner Frau

Bernhard Rampick ist zum dritten Mal verheiratet. Simone Vita-Rampick, seine dritte Frau, kommt aus Brasilien. Bernhard Rampick war auch schon acht Mal dort. „Die Leute und die Natur – das gefällt mir am besten“, sagt er. Portugiesisch, ja das spreche er auch. Und nicht nur das. Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch gehörten zu seinem Sprach-Repertoire. In den verschiedenen Sprachen lese er gerne verschiedene und viele Bücher.

„Spaß hatte ich eigentlich mein ganzes Leben lang.“

Bernhard Rampick ist 65 Jahre alt. Zusammen mit seinen drei Geschwistern ist er in München aufgewachsen. Finanziell gesehen sei seine Kindheit nicht besonders üppig gewesen. „Es war halt die Nachkriegszeit“, sagt er. Für die Schule und das Studium habe er viel arbeiten müssen, unter anderem auch, weil seine Mutter ihn oft getriezt habe. Das sei anstrengend gewesen. „Aber heutzutage ist das ja nicht anders“, sagt er und lacht darüber. Rampick lacht viel, wirkt zufrieden. Im Gespräch nimmt er seine Frau in den Arm. Auch einen kleinen Hund hat er dabei: Der heißt Vida, was Leben bedeutet. Als Bernhard Rampick die Spaß-Kurve aufzeichnen soll, malt er einfach eine steigende Linie nach rechts oben. „Spaß“, sagt er, „hatte ich eigentlich mein ganzes Leben lang.“

In München hat Rampick auch studiert: Biochemie. „Ich habe dann 37 Jahre lang den gleichen Job gehabt“, erzählt er.  Rampick arbeitete als Laborleiter in einem Epilepsiezentrum. Das Gehalt sei mit der Zeit ein wenig mehr geworden, weltbewgend sei das aber nicht gewesen. Seit Anfang Dezember 2011 ist er im Ruhestand – das hat seine Geldkurve wieder ein wenig abfallen lassen.

Aber das ist für ihn zweitrangig. Denn eines hat Bernhard Rampick besonders aus seinem Leben gelernt: „Man sollte sich vom Materiellen frei machen“, sagt er. Der Weg ins Spirituelle bringe mehr. Vor sechs Jahren trat Rampick einer freien christlichen Gemeinde bei. Als er seine Kurven aufmalt, schießt der Spaß und die Freiheit an diesem Zeitpunkt in die Höhe. Denn seine Gemeinde sei nicht evangelisch, nicht katholisch, nicht orthodox, einfach frei, erklärt Rampick. „Ich fühle mich durch die Gemeinde nicht gebunden, sondern absolut frei.“

„Ich gehe eigentlich in jede Kirche, an der ich vorbeilaufe“

Durch die Gemeinde beschäftige er sich intensiv mit christlichem Gedankengut und lese viele Bücher. „Außerdem gehe ich eigentlich in jede Kirche, an der ich vorbeilaufe“, sagt Rampick. Seine Motiviation zu so viel Spiritualität und Religion nimmt Bernhard Rampick auch aus seinem ehemaligen Beruf. „Als Naturwissenschaftler habe ich immer an Gott geglaubt“, verrät der 65-Jährige. Zu gewaltig und unglaublich sei das Universum, als das nicht eine höhere Macht dahinter stehen könnte.

3 Gedanken zu “„Man sollte sich vom Materiellen frei machen“ – Ein Naturwissenschaftler spricht über Glauben und Spaß

  1. Pingback: jens tönnesmann
  2. Pingback: 140z.de
  3. Pingback: Jens-Peter Hiller

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *