Krieg in Echtzeit: Wie @AlqassamBrigade und @IDFSpokesperson den Gaza-Konflikt im Internet für sich entscheiden wollen

Krieg goes online: @IDFSpokesperson und @AlqassamBrigade heißen die Twitter-Accounts der israelischen Streitkräfte und des bewaffneten Flügels der Hamas in Gaza. Die beiden ermöglichen es dem Rest der Welt, eine militärische Auseinandersetzung live und in Echtzeit mitzuverfolgen: Blutige Details und geschönte Selbstdarstellungen.

Auch im Internet: @AlqassamBrigade vs. @IDFSpokesperson

Das twitter-Profil etwa zeigt Soldaten in Tarnanzügen vor dem Sonnenuntergang. Vögel ziehen am Horizont. Statt Gewehren halten die @AlqassamBrigade auf Twitter Filmkameras in der Hand. So sieht sich der bewaffnete Arm der Hamas selbst. Schon seit geraumer Zeit betreibt die Gruppierung via Social Media eine Informationspolitik, mit der sie versucht, Israels Verhalten im Nahost-Konflikt bloßzustellen.

Doch im gegenwärtigen Konflikt soll ihr das nicht so leicht gelingen. Die Gegenseite hat nachgerüstet: @IDFSpokesperson ist das aufwendig generierte Twitter-Profil der israelischen Streitkräfte. In Ego-Shoter-Ästhetik gehalten berichten darüber medial bewanderte Menschen unter anderem, wo die letzten Kassam-Raketen eingeschlagen sind. Parallel dazu werden über Youtube und flickr laufend Bilder und Videos publiziert.

Der Nah-Ost-Konflikt wird für jederman greifbar

Über 170.000 Menschen folgen den israelischen Streitkräften auf Twitter inzwischen und werden im Stundentakt über den Konflikt auf dem Laufenden gehalten. Die Alkassam-Brigaden aus Gaza versammeln mit 28.000 Twitterern weitaus weniger Menschen hinter sich. Ob die Follower aus den Äußerungen der beiden Gruppen tatsächlich schlauer werden, ist fragwürdig. Denn oftmals geht es nur um den Schlagabtausch, den sich die beiden Konfliktparteien jetzt auch online liefern liefern. Das Internet, so scheint es, ist die Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln.

Wer sich die Tweets beider Seiten durchliest, kann über die offiziellen Twitter-Regeln nur noch müde lachen. „Du darfst keine expliziten, spezifischen Gewaltandrohungen gegen andere veröffentlichen oder posten“, heißt es darin. Vielen Followern scheint das gleichgültig zu sein: Die „spokesmen“ der israelischen Armee haben mit der Nachricht über den Tod von Ahmed Jabari, dem Oberbefehlshaber der Kassam-Brigaden, über 1.000 Retweets erzielt. Auch das Video vom Luftschlag auf Jabaris Auto verbreitete sich rasant im Netz: Auf Youtube erzielte der Film rund 70.000 klicks. Und die Slogans, die die israelischen Streitkräfte auf ihrem Flickr-Account publizieren, wirken alles andere als beschwichtigend.

 

Euphorischen Jubel ernteten die Kriegstwitterer aber nicht. Im Gegenteil: Viele Menschen auf Twitter zeigen sich verstört über die das aktuelle Kiegsgeschehen und dessen Kommentierung im Netz.

 

Auf der anderen Seite aktualisiert @AlqassamBrigade mit jeder Rakete, die sie auf umliegende israelische Städte abfeuert, ihr Twitter-Profil. Dieses findet aber weitaus weniger Beachtung.

 

Stimmungsmache und Propaganda

Auch wenn sie sich bis aufs Blut bekriegen, haben beide Konfliktparteien doch ein Gemeinsamkeit: Objektive Berichterstattung darf man von ihnen nicht erwarten. Beide Seiten machen Stimmung, die an vielen Stellen an Propaganda grenzt. Es geht ihnen offenbar darum, sich zum Sympathieträger zu entwicklen und möglichst viele Mitglieder der Internetgemeinde hinter sich zu versammeln. Sowohl auf palästinensischer als auch auf israelischer Seite gehört es dazu, sich als Opfer darzustellen.

Ein Opfer steht dabei unbestritten fest: Die Wahrheit.

2 Gedanken zu “Krieg in Echtzeit: Wie @AlqassamBrigade und @IDFSpokesperson den Gaza-Konflikt im Internet für sich entscheiden wollen

  1. Pingback: 140z.de
  2. Pingback: mademoiselleC

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *