Das entlaufene Äffchen #IKEAmonkey wird zum Renner im Netz. Seine Besitzerin erzählt, wie es dazu kommen konnte

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Jeden Abend hatten sie zusammen die Zähne geputzt, Yasmin Nakhuda und ihr Rhesusäffchen. Doch das ist jetzt vorbei. Am vergangenen Sonntag entwischte Nakhudas Affe aus ihrem Auto und rannte über den Parkplatz eines Ikea-Möbelhauses. Für Nakhuda ist das kein Spaß, die Netzgemeinde findet es trotzdem lustig. Ein Bild des kleinen Affen hat sich in den vergangenen Tagen zehntausendfach im Internet verbreitet; inzwischen berichten auch zahlreiche Medien in der ganzen Welt über den „Ikeamonkey“.

Wie konnte es nur dazu kommen? Ein Anruf von 140z.de bei Yasmin Nakhuda bringt Klarheit. Während die Immobilienanwältin bei Ikea einkauft, büchst ihr kleiner ‚Darwin‘ aus dem Auto aus. Sie wandert panisch auf dem grauen Parkplatz in Toronto herum. „Haben Sie etwas verloren?“, fragt eine Dame, aber Nakhuda kann nicht antworten. Zu abstrus scheint ihr die Erklärung, ihr sei ein Affe entwischt.

Auch der kleine Darwin irrt auf dem Parkplatz herum. Immer wieder versuchen Passanten, ihn anzulocken. Manche wollten erst gar nicht glauben, dass Darwin ein echter Affe ist: Der kleine Makake trägt an diesem Sonntag seinen hellen, zweireihigen Mantel und eine Windel.

„Ich glaube, Sie haben einen Affen verloren“, hilft eine Dame Yasmin Nakhuda weiter. Aber der Hinweis kommt zu spät. Die Polizei ist bereits alarmiert, der Tierschutz schon eingetroffen. „Ich bin total durchgedreht, als ich gesehen habe, dass Darwin gar nicht mehr da war“, sagt Nakhuda zu 140z.de.

Inzwischen  ist der Affe an ein Tierheim übergeben worden. Denn in Toronto ist es illegal, Affen als Haustiere zu halten. Nakhuda drohen jetzt umgerechnet rund 190 Euro Bußgeld. Doch das ist nicht ihr größtes Problem.

Klappe zu? Affe tot!

Denn es entwickelt sich ein Kampf um das Sorgerecht: Was ist besser für Darwin? Eine echte Affenmutter oder Yasmin Nakhuda als Bezugsperson – darum streitet sich die Immobilienanwältin mit den Tierexperten. „Ich bin wie eine Mutter für Darwin, er braucht mich“, ist Nakhuda überzeugt. Sherri Delaney, die Leiterin des Tierheims „Story Book Farm“ nördlich von Toronto, sieht das anders: „Er soll endlich sein, was er eigentlich ist – ein wildes Tier“, sagte sie im kanadischen Fernsehen.

Nakhuda aber will ihren Darwin zurückbekommen. Sie wirkt entschlossen, trägt eine schwarze Lederjacke und hat sich lange, schwarze Fingernägel aufgeklebt. Mit ihrer rötlich getönten Sonnenbrille sieht sie aus, wie ein unnahbarer Star. In der Tat – sie hat eine große Mission: Sie will, dass Affen nicht einfach als wilde Tiere angesehen werden. In Japan, erzählt sie, arbeiten Affen sogar als Bedienung in Restaurants. Sie nennt das Gleichberechtigung. Kritiker halten es für nicht artgerecht.

„Ich war keine Rabenmutter“

„Darwin hat eine Bindung zu mir aufgebaut“, entgegnet Nakhuda. Mit einem Affentrainer hat sie an der Erziehung von Darwin gearbeitet. „Ich war keine Rabenmutter“, schimpft sie in Richtung der Tierexperten. Auch im Internet versuchte sie Kontakt zu anderen Affenhaltern herzustellen, um mehr über deren Erziehung zu erfahren.

Jetzt will sie sehen, ob ihr Affe sie vermisst: Wenn er ihr nach einem Besuch im Tierheim nicht hinterher weine, könne sie die Obhut im Heim akzeptieren. „Aber das kann ich mir nicht vorstellen“, schiebt sie schnell hinterher.

Für Nakhuda bleibt rechtlich gesehen nur eine Lösung: Wegziehen in ein Gebiet, in dem Affen als Haustiere erlaubt sind. Oft ist das auf dem Land der Fall, in den unendlichen Weiten Kanadas. „Ich habe dafür die volle Unterstützung meiner Familie“, sagt Nakhuda zu 140z.

Zunächst aber bleibt Darwin ihr verlorener Sohn. Zu Hause hatte sie sich immer mit ihm die Zähne geputzt. Mit dem Rhesusäffchen auf dem Arm stand sie dann vor dem Waschbecken, das mit unzähligen Kosmetikfläschen umrandet ist. Darwin schien die Grundlagen des Zähneputzens verstanden zu haben: Rechts, links, oben, unten. Auch wenn er eher an der Bürste kaute.

Der @IKEAmonkey zwitschert

Vom Internethype um ihren Affen wurde Yasmin Nakhuda jetzt kalt erwischt, aber sie freut sich über die positiven Reaktionen. „Es kommen so viele tolle Rückmeldungen über Twitter“, erzählt sie stolz. Sogar einen Twitteraccount hat der Affe jetzt: @IKEAmonkey. Der Name ärgert Nakhuda: Bei Ikea müssten Affen nunmal draußen bleiben. Nur deswegen habe sie Darwin überhaupt im Auto gelassen. „Eigentlich ist doch Ikea an allem schuld.“


4 Gedanken zu “Das entlaufene Äffchen #IKEAmonkey wird zum Renner im Netz. Seine Besitzerin erzählt, wie es dazu kommen konnte

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