Die Geschichte des „Milking“ – Wie vier Studenten aus Newcastle einen neuen viralen Trend auslösten

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

So wirklich Ruhe ist noch nicht eingekehrt um Tom Morris, George Hoyland, Toby Symington und Tom Womersley. Angefangen hatte alles an einem scheinbar belanglosen Tag Ende November, als die vier Studenten aus Newcastle in ihrer Küche saßen. „Wir hingen einfach ab“, erzählt George Hoyland nun Reportern des britischen Fernsehsenders sky. Plötzlich kam einer der Vier auf die Idee, sich doch einen vollen Milchkanister vor einer Starbucks-Filiale  über den Kopf zu schütten. „Wir fanden den Gedanken daran so lustig, dass wir beschlossen einen kleinen Film daraus zu machen“, erzählt George weiter von dem Ursprung des Videos, das knapp einen Tag später schon 10.000 Likes haben sollte. Gesagt, getan, kauften die vier Studenten literweise Milch, um sie sich dann an öffentlichen Orten über den Kopf zu schütten. Dabei bewiesen sie einige Kreativität: Unter der Dusche, in Mülltonnen, vor Nobel-Restaurants oder auf einer Kreuzung – überall filmten sich die Studenten dabei, wie sie sich selbst die Milch überschütteten.

„Es gab ziemlich viele Reaktionen auf das Video, auch viele Nachahmer“, sagt Tom Womersley eine Woche nach dem Großwerden des Videos zu den sky-Reportern. Im Hintergrund schüttet sich gerade sein Freund Toby demonstrativ Milch über den Kopf. Tom hat Recht – eine kleine Berühmtheit sind die „MilkingNewcastle“ Studenten mittlerweile im Netz. Mindestens einmal täglich wird das Video getwittert und auch bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken haben die Studenten schon eine Fangemeinde.

Die eigens für den Hype gegründete Website der Vier könnte den Eindruck erwecken, das Video sei bewusst so platziert worden, dass es im Netz groß würde. Eine geplante, „virale“ Kampagne also. Schon vor einiger Zeit geisterten andere skurrile Bilder mit Personen in ungewöhnlichen Positionen durchs Internet: flach auf dem Bauch liegend und an außergewöhnlichen Orten auf möglichst unbequemen Gegenständen hatten sich Menschen fotografiert und die Fotos dann auf sozialen Netzwerken geteilt. „Planking“ nennt sich dieser Trend, der entfernt auch an das nun aufkommende „Milking“ erinnert. Ähnlich wie der Hype um das „Planking“ profitieren natürlich auch der Hype des „Milkings“ von jedem Nachahmer. Auf ihrer Seite kündigen die vier Freunde sogar an, dass auch Studenten anderer Universitäten aus Edinburgh, Nottingham und oder Cirencester, schon bald ein „Milking“-Video ins Netz schicken würden.

Doch es meldeten sich auch kritische Stimmen zu Wort. Bei so viel verschütteter Milch konnten viele Nutzer das Video nicht mehr lustig finden, sondern sorgten sich vor allem wegen der verschwendeten Lebensmittel. Andere stempelten die vier Studenten aus Newcastle als „Männer ab, die vor dem Alter von 25 sowieso noch nicht denken könnten“.

Die wohl bemerkenswerteste Reaktion kam von der Marketing-Abteilung der Agrarmarkt Austria (AMA), die gleich eine bessere Variante des „Milkings“ vorschlug: In dem Video der Firma kippt sich ein Mitarbeiter die Milch in hohem Bogen in seinen geöffneten Mund. Wohl bewusst mit einem Augenzwinkern betitelt die AMA das Video als „True Milking“.

Ob die vier Studenten aus Newcastle sich schon damals in ihrer Küche ausgedacht haben, wie groß ihr „Milking“-Video einmal werden würde, sei dahin gestellt. Aber so ganz ernst nehme man sich nicht, erzählt Tom Morris – und bricht dann in Lachen aus, beim Anblick seines Freundes Toby, der im Hintergrund steht, schon wieder völlig von Milch durchnässt.

3 Gedanken zu “Die Geschichte des „Milking“ – Wie vier Studenten aus Newcastle einen neuen viralen Trend auslösten

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