Alles hat seinen Grund – Warum Andrea Müller dem Schicksal vertraut

Der Ausbildungsjahrgang 2011 der Kölner Journalistenschule stellt in 18 Folgen 18 bemerkenswerte Senioren vor. Die Autoren haben sie dazu nach ihren wichtigsten Lebenslektionen befragt und gebeten, die Spaß-, Geld-, und Freiheitskurve ihres Lebens zu zeichnen. Im zehnten Teil schreibt Lea Deuber über die 51-jährige Andrea Müller.

Die meisten Mädchen spielen am liebsten mit Puppen – Andrea Müller* spielte am liebsten mit Farbe. Schon im Alter von acht Jahren malte sie Bücherregale an die Tapete und spielte Buchhändlerin. „Ich wollte immer schon Bücher verkaufen“, sagt Müller.

Was macht Sie glücklich?
Was macht Sie glücklich?

Wenn sie heute auf ihr Leben zurückblickt, dann spielt dabei vor allem das Schicksal eine Rolle, und der Glaube daran, dass sich schon alles zum Guten fügen wird.

Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin studiert Müller in Köln Literatur und arbeitet nebenbei in einer großen Buchhandlung. Zuerst nur einige Stunden in der Woche, dann immer mehr – bis sich das Verhältnis ändert: Sie arbeitet und studiert nebenbei. Als sie nach sieben Jahren in ihrer letzten Semesterarbeit zweimal durchfällt, entscheidet sie sich dazu, das Studium abzubrechen: „Man definiert sich nicht über Zeugnisse“, sagt Müller, „sondern über die Person, die man ist.“

Was das Leben noch so bringt?
Was das Leben noch so bringt?

Bis vor zwei Jahren arbeitete sie in verschiedenen Buchhandlungen, dann machte sie sich selbstständig – natürlich mit Büchern. Müller führt einen mobilen Bücherservice. Wer ein Exemplar bestellt, bekommt es persönlich vorbeigebracht. Zudem organisiert sie Lesungen, hält Vorträge, stellt Bücher vor. Mit ihrem Einkommen ist sie zufrieden, aber Geld ist ihr ohnehin nicht so wichtig. Wenn man für das arbeiten dürfte, an das man glaubt, sei das der größte Lohn, findet sie.

Wie haben Sie sich am Tag vor Ihrer Hochzeit gefühlt?
Wie haben Sie sich am Tag vor Ihrer Hochzeit gefühlt?

Andrea Müller hat ihre berufliche große Liebe gefunden – und auch ihre private. Mit ihrem heutigen Mann Jürgen war sie bereits Anfang der Neunzigerjahre zwei Monate zusammen. Drei Jahre später trafen sich die beiden wieder, zwei Jahre danach heirateten sie. 1999 kommt ihr Sohn Max auf die Welt.

Das Haus, in dem sie heute leben, renovierten sie während ihrer Schwangerschaft. Müller trug dabei immer den gleichen Blaumann, den sie im Verlauf der Schwangerschaft immer weiter aufknöpfte. Sollte sie mit dem zweiten Kind schwanger werden, sagte sie sich damals, würde sie sich echte Schwangerschaftsmode kaufen.

Aber dazu kam es nicht. Und eine künstliche Befruchtung lehnt sie ab. „Wir vertrauen Gott“, sagt Müller. Man solle ihm nicht ins Handwerk pfuschen, denn er lenke ihr Schicksal. „Man kennt den Grund nicht immer“, sagt Müller, „aber irgendeinen wird es schon geben.“ Damit ist sie bislang gut gefahren, und sie wüsste nicht, warum sich daran etwas ändern sollte.

* Name von der Redaktion geändert.

Das Leben von Andrea Müller

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