Adler-Attacke auf ein Kleinkind – die ganze Welt rätselt: Fake oder nicht? Jetzt ist es raus.

In der Serie „Mem der Woche“ stellen der Jahrgang 2012 der Kölner Journalistenschule Fotos, Videos, Tweets oder andere kleine Inhalte vor, die nicht von Medien-Profis erstellt wurden, aber über das Internet schnell zu sehr großer Bekanntheit gekommen sind. Wir wollen die Geschichten hinter diesen „Mems“ und ihrer Verbreitung zu erzählen.

Tiere und Kinder ziehen immer – das haben sich womöglich auch die vier Studenten gedacht, als sie bei YouTube das Video „Golden Eagle Snatches Kid“ einstellten. Darin spielt sich auf wackeligen Bildern eine dramatische Szene ab:

Majestätisch schwebt ein Adler über einen Park. Dann dreht er um, geht in den Sturzflug, fährt die Krallen aus und packt zu. Er hat sich seine Beute geschnappt: ein Kleinkind. Dann will er wieder abheben, schafft es aber nicht und lässt das Kind etwa einen Meter über dem Boden fallen. Der schockierte Kameramann ruft zunächst „Oh shit!“, bevor er über die Wiese zu dem Kleinkind rennt.

Der Zuschauer vor dem Bildschirm schaut fassungslos zu. Ist dem Kind etwas passiert? Ist es verletzt? Es dauert Sekunden, bis der Kameramann das Kind erreicht. Endlich Erleichterung: Das Kind schaut nur erschrocken drein und weint.

Mittlerweile hat das Video des Nutzers MrNuclearCat auf YouTube rund 40 Millionen Klicks. In Deutschland haben selbst Medien wie BILD, Spiegel Online und die Ruhr Nachrichten darüber berichtet.

Renner im Netz: Rund 40 Millionen Menschen haben das Video binnen einer Woche auf Youtube angesehen

Schon als es populär wurde, entbrannten allerdings Diskussionen um die Echtheit des Filmchens. Aufmerksame Beobachter hatten mindestens zwei Fehler entdeckt. Ein Journalisten des „New Statesman“ wies darauf hin, dass ein Flügel des Adlers für einen kurzen Moment durchsichtig ist, wenn man das Video Bild für Bild anschaut. Andere Nutzer hatten Unstimmigkeiten beim Schatten des Adlers bemerkt. Denn der taucht recht unvermittelt auf, als der Adler auf das Kind zufliegt. Außerdem fingen einige Zuschauer an, sich Sorgen zu machen: „Werden solche Vorfälle jetzt häufiger vorkommen?“

Nein. Denn das Kind und der Adler sind nicht real. Sie wurden in 3D-Animation kreiert und in eine reale Szene integriert. Das Video ist allerdings kein einfacher Fake, sondern eine ausgefeilte Prüfungsarbeit von Normand Archambault, Loïc Mireault, Antoine Seigle und Felix Marquis Poulin. Sie sind Studenten am Zentrum für Animation und Design (NAD) im kanadischen Montréal. Das Video wurde für eine Prüfung in dreidimensionaler Animationstechnik erstellt. Das NAD löste das Geheimnis um den aggressiven Adler in seinem Blog auf : „Aucun danger d’enlèvement par un aigle royal“ – „Es herrscht keine Entführungsgefahr durch Königsadler.“



So war es wirklich:

Kürzlich stellten die vier Studenten ein weiteres Video online, in dem sie das „Making-Of“ der Adlerattacke kurz skizzierten.

Bei spektakulären Netzfilmen aus Montréal sollte man übrigens immer vorsichtig sein: Die Adler-Attacke ist nicht das erste Fake-Video aus der kanadischen Großstadt. Vor rund einem Jahr war von der NAD ein anderes Video in das Netz gestellt worden: „Penguin escaped zoo in Montreal!!!“ Darauf sieht man einen Pinguin, der durch Montréal watschelt. Das Video sorgte im Vergleich allerdings für wenig Debatte über die Echtheit und bekam deutlich weniger Klicks.

Update: Jonas Jansen hat zurecht darauf hingewiesen, dass der Journalist des New Statesmen zwar über die Zweifel an der Echtheit des Videos berichtet hat, sich den Film allerdings nicht selbst Bild für Bild angesehen hat. Vielen Dank – wir haben die entsprechende Textstelle korrigiert.

2 Gedanken zu “Adler-Attacke auf ein Kleinkind – die ganze Welt rätselt: Fake oder nicht? Jetzt ist es raus.

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