Zwischen Anzug und Anzüglichkeiten: Das Doppelleben des @sechsdreinuller

Der neue Jahrgang der Kölner Journalistenschule porträtiert ab sofort kuriose, lustige und interessante Personen aus der deutschen Twitter-Sphäre. In der vierten Folge stellt Lukas Koschnitzke heute @sechsdreinuller vor.

Das Foto ist verpixelt, man erkennt ihn nur schemenhaft. Der Mann mit dem Pseudonym @sechsdreinuller heißt mit Vornamen Thomas, aber seinen Nachnamen will er nicht nennen. Auch hier bleibt er lieber schemenhaft.

@sechsdreinuller ist für einen Nicht-Promi eine ziemlich große Nummer bei Twitter: Er hat in etwa zwei Jahren 7.700 Follower um sich scharen können – macht etwa elf Follower pro Tag. Mehr als 10.500 Tweets hat er seitdem geschrieben, an guten Tagen können seine Online-Jünger 15 neue Nachrichten von ihm lesen. Beliebt ist er vor allem wegen seines Sarkasmus und der Wort-Akrobatik, die manchmal an die Satire-Zeitschrift Titanic erinnert.

Auf Bildern tarnt sich Thomas gern, egal ob Verpixelung…

Über sein Privatleben redet Thomas hingegen äußerst ungern. Erst vor wenigen Monaten gab er in einem Interview Auskunft über sein Leben – das so gar nicht zu dem Klischee passen will, das viele über den Dauer-Twitterer haben: Er ist verheiratet (auch erkennbar am Ehering auf seinem Profilbild), 32 Jahre alt und Vater zweier Mädchen im Alter von eins und vier. Das deutete er zwar in seinen Tweets immer wieder an: Toll, wie meine Töchter die Zeitumstellungen komplett ignorieren! oder Kurz vor Ladenschluss noch Blumen kaufen, nach Hause fahren und sich damit bei der Frau entschuldigen – Der Jakobsweg des kleinen Mannes.

Doch dabei blieb er stets so vage, dass man allenfalls glaubte, etwas über ihn zu wissen oder ihn gar zu kennen – wissen konnte man es nie. Die Familie hätte genauso gut nur ein Stilmittel zur Anschaulichkeit sein können – Mario Barths Freundin lässt grüßen.

Das Interview sagt aber auch aus: Nein, nicht jeder, der viel twittert, ist ein Nerd, der sich von Fertigpizza ernährt, ohne Freundin oder Job. Thomas ist der Sowohl-Als-Auch-Typ: Er ist stark vernetzt, vergisst aber das vermeintlich wahre Leben nicht.

Umso krasser sind die Gegensätze zwischen seinen beiden Welten.

…schwarze Sonnenbrille…

Im Netz gibt sich Thomas wort-spielerisch, kokett und frivol. Er wirkt oft wie ein Kind, das sich darüber freut, wie frech es sein kann: Wenn mir langweilig ist, moderiere ich die Mädels in der H&M-Umkleide mit „Eben noch ein Bauerntrampel, jetzt auf unserer Showbühne!“ an. Auf einem der wenigen Twitpics von ihm trinkt er gerade Bier auf einem Techno-Festival.

Thomas‘ Beruf hingegen ist kein bisschen lässig-locker: Er verdient seine sprichwortlichen Brötchen als „Anzugfuzzi und Wertpapierspezialist“ in Frankfurt. Sein Berufsalltag scheint damit ziemlich weit weg von dem, was seine Follower an ihm schätzen: Humor und lebendige Sprachbilder. Aber vielleicht twittert er gerade deswegen. @sechsdreinuller darf die Sprüche zwitschern, die sich Thomas im Job verkneifen muss. Durch sein „Doppelleben“ weiß Thomas aber auch, Dinge richtig einzuordnen: Twitter wäre um 100% entspannter, wenn manche Menschen meine Tweets nur halb so ernst nähmen wie sich selbst!

Er twittert stets lustig, manchmal auch über konkrete Situationen. Aber er weist immer deutlich darauf hin, dass Herzschmerz-Tweets bei ihm nur Ironie sind. Er ist Twitterer, weil er dort Spaß haben kann, und das auch weitgehend zurückgezogen.

Auch auf seinem Blog wird er nicht auskunftsfreudiger. Dort weist er gar nur auf sein Twitter-Profil hin – und damit ist alles Wichtige gesagt. Mails beantwortet er nicht mit einer privaten, sondern einer sechsdreinuller-Adresse.

…oder hinter iPhone und Tasse: Er „enthüllt“ sich nie.

Nur seine Frau und engsten Freunde wissen von diesem „Doppelleben“, das eher zufällig begann: Mit ein paar Freunden ging er zu Twitter, um das gemeinsame Online-Pokern zu kommentieren. Erst nach und nach entdeckte er die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten von Twitter für sich.

Seitdem hat er viele Menschen zum Lachen gebracht. Einige lesen wohl auch deshalb mit, weil sie hoffen, noch mehr über Thomas zu erfahren. Er hat nie erzählt, woher der Name „sechsdreinuller“ kommt.

@sechsdreinuller bleibt trotzdem ein echter Gewinn, wenn man viel lachen will über verdrehte Redewendungen oder den Zusammenhang von Pizza Hut und CDU. Und persönlich wird er dann doch ab und zu – zumindest für seine Verhältnisse: Ich werde heute, am Weltmännertag, exklusiv und nur für euch, über meine innersten Gedanken und Gefühle sprechen: „Vanillesoße!“


Auf seinem Profilbild trägt der 32-Jährige einen Ehering. Mit seiner Frau ist er schon seit 14 Jahren zusammen – wie er damals aussah, zeigt das Bild rechts. Seine Frisur als gerade Volljähriger gehört zu den wenigen Dingen, die Thomas nicht weiter kommentiert. Schade eigentlich.

 

 

20 Gedanken zu “Zwischen Anzug und Anzüglichkeiten: Das Doppelleben des @sechsdreinuller

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