Sympathischer Senf – Wie @Mellcolm Fußball, Twitter und Bücher unter einen Hut bringt

Der neue Jahrgang der Kölner Journalistenschule porträtiert ab sofort kuriose, lustige und interessante Personen aus der deutschen Twitter-Sphäre. Den Anfang macht die Wahl-Münchnerin Melanie Voß alias @Mellcolm.

Drei Jahre ist sie nun bei Twitter, 23.400 Einträge hat sie seitdem geschrieben – im Schnitt 21 pro Tag. Melanie Voß, im Twitterversum besser bekannt unter ihrem Pseudonym @Mellcolm, ist eine der eifrigsten Twitter-Mitglieder. Müde wird sie trotzdem nicht.

Obwohl Voß in München wohnt, ist sie tief im Herzen eigentlich Fan des 1. FC Köln. „Ich komme aus der Kölner Gegend“, sagt sie. „Einmal Rheinländer, immer Rheinländer.“ Doch egal, ob gerade der „Effzeh“, Bayern München oder die Nationalmannschaft spielt – auf Twitter profiliert Melanie Voß sich als „leidenschaftliche Fußballkommentatorin“, wie sie es auf ihrem Profil selbst schreibt. Während eines Fußballspiels können die viereinhalbtausend Follower dann Sprüche lesen wie: „Das gestreckte Bein ist ein Überbleibsel aus dem Ballettunterricht“, „Was der Schiri wohl beruflich macht?“ oder „Der BVB wird heute zu Souvlaki verarbeitet“, wobei Letzteres sich auch zum Leid von Melanie Voß aus aktuellem Anlass als Unwahrheit erwies. Auch egal. Manchmal würde man sich wünschen, Voß säße selbst am Mikrofon – sie ist wesentlich origineller als alle professionallen Fußballkommentatoren zusammen.

Parallel zu Twitter führt Melanie Voß ein Blog. In einem Selbst-Interview mit einem imaginierten, attraktiven, jungen Journalisten gab Voß mehr über ihre Motivation zum Twittern und Bloggen preis: Der Spaß am Schreiben habe schon in der Schule angefangen. „In der Abizeitung habe ich fast die ganze Jahrgangsstufe in kleinen Abhandlungen durch den Kakao gezogen“, sagt sie. Der heimliche Tagebuch-Typ war sie dabei nie. „Ich mag es, etwas zu schreiben, das von jemand anderem gelesen wird.“  Bei Twitter schreibt Voß nieder, was ihr täglich durch den Kopf schießt. Mal kommentiert sie tagesaktuelle Geschehnisse, mal haben die Beiträge weniger Substanz. „Ob dieses gesammelte Stammeln einen Sinn hat? Ja was weiß denn ich?“, kommentiert sie selbstironisch auf ihrem Blog.

Hauptberuflich arbeitet Voß bei einer Agentur für digitale Kommunikation und berät dort Kunden im Umgang mit Social Media. Man könnte sagen, sie hat das Hobby zum Beruf gemacht. Oder umgekehrt? Egal, in jedem Fall passt es einfach. Über ihr Alter verrät Melanie Voß übrigens nichts, aber ein Tweet lässt es erahnen. Um es mathematisch auszudrücken: Alter≥35.

Fünf BücherEin Blog und ein aktiver Twitter-Acount reichen ihr aber offenbar noch nicht: Ein weiteres Projekt von Melanie Voß heißt „Fünf Bücher“, das sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten initiiert hat. Der Name ist Programm: Verschiedene Menschen stellen auf der Seite fünf Bücher vor, die ihnen im Leben wichtig sind. „Wir lieben Bücher und wollen Menschen dadurch das Lesen näher bringen“, sagt Melanie Voß. Prominente haben sich daran ebenfalls schon beteiligt, darunter etwa Kabarettist Jürgen von der Lippe oder die Schweizer Sängerin Caroline Chevin.

Welcher Gast seine fünf Bücher vorstellen darf, entscheiden Voß und ihr Lebensgefährte spontan. „Wir haben Freunde und Bekannte angesprochen, aber auch völlig Fremde“, sagt Melanie Voß. „Es gibt da keine Regel, nur unser Bauchgefühl.“ Durch eine Verlinkung der Bücher zu Amazon kommt dabei sogar ein wenig Geld in die Kasse – alles für einen guten Zweck.

Wie auf allen Blogs, kann man auch auf mellcolm.de Kommentare abgeben. Diese Funktion heißt dort jedoch „seinen Senf abgeben“. Unter einem Artikel steht dann „Gib den ersten Senf ab“ oder „Sechs Portionen Senf“. Es sind diese Details, die hinter der abstrakten Bloggerin einen sympathischen Charakter vermuten lassen. Auch die Beiträge auf Twitter scheinen manchmal belanglos, sind aber auf jeden Fall authentisch. Melanie Voß gibt eben zu allem ihren Senf ab – 4.491 Follower geben ihr Recht.