Zu schön um wahr zu sein? @Regendelfin schwimmt im Haifischbecken

Der neue Jahrgang der Kölner Journalistenschule porträtiert kuriose, lustige und interessante Personen aus der Twitter-Sphäre. In der 14. Folge schreibt Larissa Holzki heute über Marie von den Benken alias @Regendelfin.

Marie ist verführerisch. Sie muss das wissen, denn sie zeigt sich gern – mal aufgeknöpft, mal sonnengebräunt, mal plitschenass; mal am Strand, mal in der Badewanne, mal vor dem Spiegel. Tausende haben die Fotos schon gesehen, die sie als @Regendelfin über Twitter verbreitet. Auf dem virtuellen Laufsteg ist sie ein umlagerter Star. Sie zeigt dort gerade so viel von sich, dass die Twitterer nach mehr lechzen.

Quelle: http://twitpic.com/5nrfl7

@Regendelfin mischt ihren Followern einen süffigen Tweet-Cocktail, von dem sie abhängig werden. Erst im April dieses Jahres hat Marie das Profil angelegt, inzwischen folgen ihr mehr als 8.000 Internetnutzer. Etwa 17 Schlückchen mit jeweils bis zu 140 Zeichen werden ihnen täglich von @Regendelfin eingeflößt. Wortwitzig, provokativ, mit spärlichen Informationen über die Autorin.

Auf Twitter ist Marie so inzwischen zur Berühmtheit geworden: Würde sie für jeden „Tweet of the Day“, den ihr das Portal Favstar attestiert hat, einen Pokal bekommen, müsste sie vermutlich bald einen Lagerraum anmieten.

„Wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, brühe ich mir erst mal einen Beroibusch-Tee auf“
(Tweet vom 17. Dezember 2011)

Aber ist es denn möglich, dass eine Frau gleichzeitig so witzig schreiben, so intensiv das Internet nutzen und derart hübsch sein kann? Bei vielen – meist männlichen – Twitter-Usern sprengt das den Rahmen der Phantasie. Das Model-Image macht @Regendelfin in ihren Augen unglaubwürdig. Sie vermuten hinter dem Profil einen „Mann mit Frauenproblemen“ oder gleich ein „Twitter-Projekt schreibfertiger Menschen“.

„Bestattungsinstitute legen ihre Kunden ja oft rein.“
(Tweet vom 15. November 2011)

Was an diesen Gerüchten dran ist, ist schwer zu sagen. Max Fraenkel vom Online-Portal zeitjung.de wollte es genauer wissen und hat Marie im August gebeten, ein Foto von sich und einem Zettel mit dem Namen des Portals machen lassen. Das tat sie, schickte Fraenkel das Bild, woraufhin der folgerte: „Sie ist echt!“ Aber was heißt schon echt?

Gesetzt den Fall, es gibt diese Marie aus Hamburg wirklich, dann ist ihr Nachname zumindest nicht „von den Benken“. Dieser fiktive Name sei einer Anekdote ihrer Kindheit entsprungen und soll sie vor „durchgedrehten Stalkern“ schützen, sagt Marie auf www.formspring.me, wo ihr Internetnutzer Fragen stellen können. Dort gibt sie auch an, 2005 Abitur gemacht zu haben. Demnach müsste sie circa 25 Jahre alt sein.

Womit @Regendelfin im RL (Real-Life) ihr Geld verdient, erfährt der normale Follower nicht. Die meisten Fans würden Marie wohl gerne in der Modebranche sehen. Am 17. August war sie offenbar im Hamburger Hotel Crown Plaza, als dort ein Casting für Germany’s Next Topmodel stattfand, und in der Nähe von echten Laufstegen ist sie auch gelegentlich unterwegs. Vielleicht wird es ja tatsächlich noch etwas mit der Modelkarriere.

Bis dahin besinnt sie sich auf andere Talente: Auf Fragen nach ihrem Beruf antwortet Marie, sie sei Gagschreiberin bei Mario Barths Mutter. Eine Antwort, die man nach Meinung ihrer Follower einfach als ironisch entlarven kann: Die Witze des berühmten Comedians seien schlicht zu flach, um von @Regendelfin zu stammen.

„Da sind ja ziemlich viele rote Zahlen, wo früher mal mein Kontostand.“
(Tweet vom 28. Oktober 2011)

@Regendelfins Tweets sind abwechslungsreich und folgen keiner klaren Linie. Nur ihre Kommentare zum Thema Beischlaf seien gefaked, schreibt Marie in ihrem Profil. Und zu diesem Thema äußert sie sich in besonders vielen ihrer mehr als 4100 Nachrichten. Unter anderen unmissverständlichen Anspielungen schrieb sie allein 87 mal Sex, 25 mal Bett, dreimal Oralsex, dreimal One-night-stands, zwölfmal Titten, zweimal Nacktfoto, einmal masturbieren, einmal Kitzler, zweimal durchgevögelt, einmal untervögelt und zweimal erwähnte sie die Eigenkreation Nuttenbefruchter.

„Bitte freimachen falls Macker zur Hand.“
(Tweet vom 14. August 2011)

Ihren Kritikern sei an dieser Stelle Verständnis eingeräumt – typisch für eine attraktive, etwa 25-jährige Frau ist dieses Schreibverhalten nicht. Da ist es auch kein Wunder, dass die größte Sorge von @Regendelfin ist, ihre Mutter könnte sie eines Tages im Internet aufspüren. 92 mal fällt in ihren Tweets das Wort Mutter, 44 mal Mama und positiv konnotiert sind beide Variationen nie.

Diese Wörter bastelt Marie am häufigsten aus 140 Zeichen. Zum Vergrößern anklicken (via www.wordle.net)

 

Eine besondere Vorliebe hat Marie offensichtlich für Nutella. Mehr als 20 mal erwähnt sie den cremigen Brotaufstrich. Manchmal sogar in Anspielung auf ihr erstes Lieblingsthema.

„Wenn ich mit Nutella ins Bett gehe, bevorzugen wir die Löffelchenstellung“
(Tweet vom 16. Juni 2011)

Neben diesen Dauerbrennern kommentiert Marie aber auch gerne aktuelle Entwicklungen oder gibt ihren Followern nützliche Tipps.

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Twitter eine Droge wäre, dann ist @Regendelfin „angefixt“, sagte Marie gegenüber dem Online-Portal zeitjung.de. Anderen sozialen Netzwerken hat die Hamburgerin deshalb inzwischen den Rücken zugewandt. Die Gründe sind so unerwartet wie nachvollziehbar:

„Mail von Facebook. Mist, ich bin mit meinen Gurken bei Farmeville in den EHEC-Skandal verwickelt.“
(Tweet vom 26. Mai 2011)

Die Zahl der @Regendelfin-Süchtigen steigt täglich.

9 Gedanken zu “Zu schön um wahr zu sein? @Regendelfin schwimmt im Haifischbecken

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