Blog statt Block: Warum @jakobstruller Papier aus seinem Leben verbannte und wie das so läuft

Das hier ist eigentlich Werbung. Ich schreibe auf diesem Blog nur, damit ihr dann auf meinen Blog kommt. Damit ich da mehr Klick-Zahlen habe und weiter oben bei Google auftauche und dadurch voll erfolgreich werde. Denn heutzutage ist das alles ja nicht mehr so einfach, mit dem Journalismus. Wer was werden will, muss sich was einfallen lassen.

Ausprobieren muss man sich, einfach mal machen, am besten im Internet. Also twittere ich fleißig, breite mein Leben auf Facebook aus, gebe mit meinen Praktikumsstellen bei Xing an, werkle beim Journalistenschulen-Blog-Projekt mit. Und habe natürlich selber auch einen Blog. Der bis vor kurzem allerdings nicht oder nur mit ziemlich Sinnfreiem gefüllt wurde.

Studieren nur mit Computer - das ist Thema des Blogs

Also habe ich – und jetzt kommen wir endlich zu dem Thema meines super-Blogs, den ihr wie gesagt bitte unbedingt besuchen müsst, ein Projekt gestartet: Ich studiere einen Monat lang, ohne Papier zu verwenden. Kein College-Block, kein Notizzettel, kein Skript, kein Kugelschreiber. Die Idee ist, herauszufinden, ob ich wirklich schon komplett auf Papier verzichten kann.

Das Ganze ist gestartet am 25. April und ich kann jetzt sagen: Das ist gar nicht so einfach. Ohne Papier zu studieren nicht. Und einen Blog zu unterhalten, der irgendjemanden interessiert, erst recht nicht.

Zuerst die Sache mit dem Papier: Ambitioniert gestartet, dachte ich noch, das kann doch alles kein Problem sein. Mikroökonomik und Europäische Politik besuchte ich ja sowieso schon nur mit Laptop im Gepäck. Und wie schwer konnte es sein, auch Mathe und Rechnungswesen von dem weißen Zeug zu befreien? Nun: schon schwer.

Rechnen am Rechner – gerade, wenn so abgedrehte Potenzen (siehe unten) vorkommen – schien zuerst nur Übungssache zu sein. Kommentar-Schreiber rieten mir, die Gratis-Mac-Anwendung und den Microsoft-Formel-Editor hinter mir zu lassen und mich der Profi-Mathe-Sprache LaTeX zuzuwenden.

Das alles habe ich mit mittelmäßigem Erfolg ausprobiert. Die Aufzeichnungen sahen ganz ordentlich aus, aber das war genau das Problem. Spätestens als mit das sympathischste aller Fächer – Rechnungswesen – ins Spiel kam, wurde mir klar, dass es viele Anwendungen gibt, die zum professionellen Präsentieren super sind. Aber keine schnelle Kritzelei auf dem Block ersetzen können. Da war ich kurz sehr schlecht drauf und mochte mein Projekt nicht mehr so.

Es kamen aber auch wieder bessere Zeiten. Ein Scanner war sehr freundlich zu mir, selbst mit den Mathe-Programmen freundete ich mich mit der Zeit an. Den Durchbruch brachte dann aber mein iPad, das sich, gepaart mit einem speziellen Stift, doch noch als Arbeitsgerät entpuppt hat. (Ja, Manuel, das können sehr sinnvolle Geräte sein.)

Mitschrift auf dem iPad

Auch wenn der experimentelle Monat vorbei ist, bleibe ich in vielen Fällen bei der digitalen Variante, statt zum Papier zurück zu kehren. Vor allem, weil ich als Chaot die Daten-Wolke der Zettel-Wirtschaft vorziehe. Und weil ich Dank der Cloud jetzt überall die Mathe-Mitschrift von letztem Dienstag dabei habe. Selbst auf einer Party mitten in der Nacht könnte ich sie sofort vom Handy aus abrufen, bearbeiten, speichern und verschicken. Aber sollte ich davon auf einer Party tatsächlich jemals Gebrauch machen – dann hätte mich die Digitalsucht so sehr im Griff, dass ich schleunigst zurück kehren müsste, zum Papier.

Passiert mir hoffentlich aber nicht – denn digitale Erfolgserlebnisse sind keine schlechten: Zum Beispiel, als kurz nach dem Start des Projekts mal eben 800 Besucher an einem Tag auf meiner Seite vorbeigeschaut hatten. Die Redaktion von Zeit Campus hatte den Link auf ihrer Facebook-Page veröffentlicht.

Für mich als Jung-Blogger lehrreich: Der Link an der richtigen Stelle bringt mehr als jede noch so tolle Formulierung oder interessante Themen-Idee. Wobei: Das war wohl auch im analogen Leben schon so ähnlich.

 

Auf jeden Fall ist die Woche mit dem Zeit-Campus-Link in der Statistik doch recht klar ersichtlich. Auch wenn die Balken danach wieder kleiner werden: Es ist schon ein erhebendes Gefühl, zu beobachten, wie die User-Zahlen steigen. Jedesmal eine Freude, wenn jemand kommentiert.

Ob das jetzt heißt, dass irgendwie jeder einen Blog braucht, kann ich auch nicht sagen. Ich glaube eher nicht – denn kaum ist das Projekt vorbei, merke ich, dass mir für meinen Blog immer weniger einfällt. Ich weiß nur, dass es eine tolle Erfahrung war, ein solches Projekt zu starten.

Und dass mein Schreibtisch nicht mehr so oft so aussehen wird:

6 Gedanken zu “Blog statt Block: Warum @jakobstruller Papier aus seinem Leben verbannte und wie das so läuft

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