Ein Account Namens @SaschaLobo betextet jedes zur Verfügung stehende Netzwerk. Gibt’s dazu auch einen Menschen?

Sascha Lobo ist der erste, den wir in unserer Reihe „googleportraits“ portraitieren – und zwar nur anhand der Infos, die wir im Netz mithile von google, twitter und facebook über ihn gefunden haben. Wer als nächster an der Reihe ist? Lasst euch überraschen.

Menschliches Leben jenseits des Internet

Sascha Lobo

Sascha Lobo portraitieren. Das haben ja nun schon andere versucht. Die meisten davon haben sich wohl mit ihm getroffen, wie der Journalist das eben so macht. Dabei schreibt der Lobo doch sowieso alles ins Netz. Ihn zu beschreiben, nur aufgrund der Informationen, die er selbst veröffentlicht dürfte also eigentlich kein Problem sein.

Sascha Lobo  hat zum Beispiel Bücher geschrieben. Jüngst auch einen Roman. Das ist nun wirklich kein Geheimnis, aber so oft wie er es bei Twitter und sonst wo verkündet, scheint es ihm sehr wichtig zu sein. Damit ist zu seinen vielen Berufen noch der des Romanautors hinzugekommen. Die Liste seiner Berufungen ist mal lang und mal länger. Darunter: Autor, Werber, Blogger, Berater „und ein paar ausgedachte Berufe“ hat er auch noch. Alle diese Tätigkeiten sind Teil des riesigen Projekts Sascha Lobo. Ziel dieses Projekts: Sascha Lobo zu vermarkten. Und das funktioniert ganz gut. Indikator Google sagt, sein Name erzielt 108 000 Ergebnisse, was gar nicht so viel ist (selbst Christian Wulff hat mehr als eine Million). Aber die gefundenen Seiten zeigen, dass keiner so oft gefragt wird, wie das Internet funktioniert, wie er. Vorwiegend von klassischen Medien.

Aber zurück zu dem, was Sascha Lobo selbst ins Internet stellt: Wo er gerade ist, verrät uns Herr Lobo vermittels einer kleinen Karte neben seinem Blog. Er ist darauf ein blauer Pfeil, der einen Großteil der Zeit in Berlin, Prenzlauer Berg rumhängt. Aufenthaltsort, Geburstag (11. Mai 1975), Zahl der Menschen, die ihn gut finden (ca. 5000) bzw. ihm followen (knapp 50000) weiß jeder, der den Namen googelt.

Wer die für Internetverhältnisse exorbitant lange Zeit von einigen Stunden investiert, um ein winziges Stichpröbchen aus der Loboschen Veröffentlichungsflut zu lesen, der weiß außerdem: Lobo ist witzig. Manchmal sehr, manchmal ein bisschen. Und klar, manchmal auch gar nicht. Das ist dann entweder Absicht, weil er zum Beispiel über ernste Themen wie die Katastrophe von Duisburg bloggt oder keine Absicht weil er, naja, weil eben niemand immer witzig sein kann.

Er lässt die Welt in seinem Blog wissen, was er denkt. Über Deutsche Politik. Aber auch über Musik, Internetthemen, sein Buch. Auf Twitter lesen knapp 50000 Follower, welche 140-Zeichen-Punchlines zwischen dem roten Irokesenschnitt und dem Porno-Oberlippenbart herumgeistern. Manchmal auch Empfehlungen, Meinungen. Früher, also vor einem Jahr, waren das selten weniger als zehn am Tag. Mittlerweile gibt es sogar Tage, an denen @saschalobo gar nicht in der Timeline auftaucht. Das mag auch mit diesem Niemand-kann-immer-witzig-sein-Problem zu tun haben. Wer ständig twittert, wird nicht ständig Knaller landen. Und Lobo mag Knaller. Am liebsten, wenn sie von ihm kommen.

Zum Witz kommt meist eine Attitüde ironischer Selbstüberhöhung, die davon zeugt, dass Lobo durchaus von seiner Person überzeugt ist. Oder vielmehr von der Figur, die seinen Namen trägt. Denn festzuhalten ist: Es ist keine Kunst, zu wissen, was Sascha Lobo über dieses und jenes denkt, dass er ganz nette Witzchen reißt, dass er rote Haare hat und wo er wohnt. Aber wann er ins Bett geht. Und wann aufs Klo. Wo er Kaffeetrinken geht, ob er gerne kocht, dazu dann vielleicht Wein trinkt, Nivea-Produkte verwendet oder manchmal „gar keinen Bock auf Arbeit“ hat. Das wissen wir Normalo-Follower nicht. Über beinahe jeden Facebook-User ließe sich derlei Information binnen Minutenfrist herausfinden. Lobo aber bleibt überraschend sparsam mit privaten Mitteilungen.

Und was bedeutet das nun?

Vielleicht, dass er glaubt, niemand interessiere sich für seine persönlichen Befindlichkeiten. Das aber steht gewissermaßen im Widerspruch zur Twitter-Idee. Wahrscheinlicher ist, dass es gar keine persönlichen Mitteilungen über den Sascha Lobo, den wir alle zu kennen glauben, gibt. Weil er eben nur eine zu vermarktende Kunstfigur ist. Der Mensch hinter dem roten Irokesenkamm und den zig Netzwerk-Accounts findet – wenn überhaupt – offenbar offline statt.

js

5 Gedanken zu “Ein Account Namens @SaschaLobo betextet jedes zur Verfügung stehende Netzwerk. Gibt’s dazu auch einen Menschen?

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